Evangelische Akademie Thüringen Start  |  Newsletter  |  Impressum    
im Zinzendorfhaus  Neudietendorf
Programm Reihen Projekte KDA-Programm Publikationen
 

Evangelische Akademie
Thüringen Zinzendorfhaus
D-99192 Neudietendorf
Telefon: 036202 - 984-0
Fax: 036202 - 984-22
E-Mail

Anreise/ Anfahrt
  Ev. Akademie Thüringen - Texte und Wortmeldungen zurück  
   
 
Engagement, Bildung, Muße
Zur Geschichte der Evangelischen Akademie Thüringen
   
   
Die Gründung (1947)
Der Beginn der Arbeit der Evangelischen Akademie Thüringen (EAT) lässt sich auf das Jahr 1947 zurückverfolgen. Die Thüringer evangelische Kirche war bestrebt, wie andere Landeskirchen auch, unter dem Eindruck von Krieg und Nationalsozialismus deutliche Zeichen zur gesellschaftlichen Neuorientierung zu setzen. Dazu gehörte auch, dass sich die christliche Bildungswelt zu Wort meldete. Die Anregung für eine Zusammenkunft christlicher Akademiker in Thüringen geht auf den Jenaer Philosophen Gottfried Martin zurück. Der zuständige Dezernent im Kirchenamt, Erich Hertzsch, griff Martins Vorschlag auf und organisierte für August 1947 eine Tagung unter dem Motto „Glauben und Wissenschaft“. Nach erfolgreichem ersten Treffen wurden neue Zusammenkünfte im Rahmen einer “Thüringer evangelischen Forschungsakademie” geplant. Interdisziplinäre Tagungsthemen waren u. a. “Erziehungswissenschaft und Evangelium”, “Das Menschenbild” und “Das Todesproblem”. Jedoch hatte das Konzept einer “Thüringer evangelischen Forschungsakademie” nur wenige Jahre Bestand, da einige tragende Personen als Angehörige einer bürgerlichen Bildungselite von ihren Lehrstühlen und aus der DDR verdrängt wurden.

Akademie in der DDR-Diktatur (1953-1961)
Nachdem der Bestand Theologischer Fakultäten in der DDR gesichert war, traten akademische Ambitionen für die Akademie in den Hintergrund. Sie wurde zu einer bescheidenen kirchlichen Tagungseinrichtung umgestaltet, für die ein hauptamtlicher Leiter angestellt wurde. 1953 wurde die Akademiearbeit in den Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen eingegliedert.
Die Leitung übernahm Pressepfarrer Hans Waldmann. Waldmann sammelte um sich ein relativ großes Team ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Tagungen organisierten und durchführten. Während der Amtszeit von Hans Waldmann standen der EAT Räume im Wartburgverlag Jena für kleinere Veranstaltungsformen zur Verfügung. Für Wochenendtagungen nutzte man häufig das Zinzendorfhaus in Neudietendorf. Es bildeten sich fünf Schwerpunkte heraus: überregionale berufsständische Tagungen, Weiterbildungen für der Kirche nahestehende Berufe (wie z. B. Steinmetze oder Friedhofspfleger), themenorientierte Tagungen, Akademie-Mitarbeitertagungen und Veranstaltungen in Kirchgemeinden. Die Angebote konnten ein breites Publikum ansprechen. Im Februar 1955 wurde ein ständiger Akademie-Beirat ins Leben gerufen.
Nach dem Ausscheiden von Waldmann übernahm der Historiker Waldemar Wucher die Leitung der Akademie. Mit Wucher profilierte sich die Institution in Richtung eines offenen Gesprächsforums. “Es kommt nicht nur darauf an, dass man eine Sache verstehen lernt, sondern dass man einander versteht”, so hatte Wucher formuliert. Akademiearbeit war nun stärker kommunikationsorientiert und gemeinschaftsbezogen. Um einer staatlichen Begrenzung auf den binnenkirchlichen Raum entgegen zu wirken, lud Wucher für jede Tagung westdeutsche Gäste ein. Neben Tagungen zum Problemfeld „Moderne Gesellschaft und christlicher Glaube“ gab es Tagungen zu Kunst- und Literaturfragen, Jugendtagungen, Einkehrtage und Meditationskurse. Eine Auswahl von auf Akademietagungen gehaltenen Referaten konnte unter dem Titel „Offen für Gott und die Welt“ als Buch erscheinen. Wuchers weitreichende gesamtdeutsche Kontakte, beispielsweise zum „Leiterkreis Evangelischer Akademien in Deutschland“, wurden ihm schließlich zum Verhängnis. Im Oktober 1961 wurde er für mehrere Jahre inhaftiert. Im Jahr des Mauerbaus endete so die Blütezeit der Evangelischen Akademie Thüringen.

Akademie in der Nische (1961-1989)
Um Konflikte mit staatlichen Stellen zu vermeiden, wurden die Aktivitäten der EAT von der Kirchenleitung nicht weiter entwickelt. In den folgenden Jahren sank die Zahl der Akademieveranstaltungen erheblich. Unter dem neuen Leiter und späteren Ökumenik-Professor an der Sektion Theologie in Jena, Walter Saft, wurden Beirat und Mitarbeiterstab schrittweise abgeschafft. Die Evangelische Akademie verschwand aus der öffentlichen Wahrnehmung und führte forthin ein Schattendasein. Trotzdem wurden verschiedene Tagungen angeboten, die sich mit wissenschaftsethischen, medizinethischen oder literarischen Themen befassten. Ab 1985 gab es unter der Leitung von Kerstin Zitzmann (verheiratete Voigt), Wissenschaftliche Sekretärin an der Theologischen Fakultät, wieder ein reguläres Jahresprogramm. Die Besucher schätzten die Akademie als einen geschützten Raum des freien Meinungsaustauschs und der christlichen Werte. Christliche Kunst und Spiritualität spielten eine größere Rolle als kirchenpolitische Themen jener Zeit, wie etwa die Frauenordination oder das Rassismusprogramm des Ökumenischen Rates der Kirchen, die in den ostdeutschen Schwester-Akademien behandelt wurden.

Akademie in der demokratischen Gesellschaft (1989/90)
Nach dem Zusammenbruch der DDR bot die EAT einen Ort der sozialen und persönlichen Neuorientierung. 1991 wurde die EAT unter ihrem neuen Leiter, dem Theologen Dr. Götz Planer-Friedrich, als Institution wiederbelebt. Sie profitierte unter den nun gesamtdeutschen, demokratischen Verhältnissen von der öffentlichen Anerkennung als freier Bildungsträger. Studienleiter und Angestellte sowie ein eigenes Haus auf dem Gelände des Zinzendorfhauses in Neudietendorf kamen hinzu.
Mit ihren Studienleiterstellen Theologie/ Geschichte/ Politik, Gesellschaftspolitische Jugendbildung und Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bestimmt sich das Profil der EAT. Sie verknüpft evangelische Bildung und Verkündigung mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten und Entscheidungsprozessen, bietet aber auch Raum für Einkehr und Besinnung.

nach: Böhm, Susanne: Die Evangelische Akademie Thüringen, in: Martha Friedenthal-Haase (Hg.): Evangelische Akademien in der DDR, Leipzig 2007, S. 209- 252
 
Susanne Böhm 2007
 
 
Akademie und Zinzendorfhaus
Evangelische Akademie Thüringen (l.) und Bettenhäuser des Zinzendorfhauses
  Akademie-Ziele
Was wir tun und wollen
Texte zu Arbeit und Selbstverständnis
  Akademie-Geschichte
  Die erste Thüringer Akademie-Tagung fand im August 1947 statt, damals noch in Eisenach.

weiter
  nach oben     
  © Evangelische Akademie Thüringen