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Frieden und Reformen auf der Tagesordnung in Berlin
   
   
"Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen" - so hieß es in der DDR. In der BRD haben wir auch ohne solche Parolen viel von Amerika - genauer, den USA - übernommen, von dem persönlichen life-style, oder gesellschaftlich, aus der Alltagskultur. Nichts ist so erfolgreich, wie der sichtbare Erfolg!

Die Bedingungen und die "Kosten" für den Erfolg des american way of life bleiben allerdings oft unsichtbar. Sie werden in den unterschiedlichen Gesellschaften auch unterschiedlich bewertet. Soziale Sicherheit bei Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit ist in Deutschland ein hohes Gut mit langer Geschichte. Die eigenen Kinder waren früher die Vorsorge für Alter oder Krankheit. Individuell sind unsere Kinder inzwischen davon entlastet - gesellschaftlich nicht, wie sich zunehmend dramatisch zeigt.

Was zu Beginn der Sozialversicherungen kaum zur Absicherung des Allernötigsten reichte, hat sich zu einer Art "Rundum-sorglos-Paket" entwickelt. Hohe Arbeitslosigkeit und der immer ungünstigere Altersaufbau der Bevölkerung machen das Paket unbezahlbar. Das ganze System muss und soll jetzt reformiert werden - die Rürup-Kommission ist dran. Schwieriger zu erreichen als ein Lösungsvorschlag ist allerdings die Akzeptanz der zu Verzicht gezwungenen Betroffenen und das sind wir alle - oder fast alle.

Wir müssen zunächst lernen, wieder mehr Verantwortung (für uns selbst) zu übernehmen - konkret: mehr Kinder und mehr eigene finanzielle Vorsorge. Beides bedeutet u. a. weniger individueller Konsum. In einer so reichen Gesellschaft aufgeklärter emanzipierter Bürger ist das zumutbar. Grundsätzlich muss gelten: Eigene Vorsorge / Eigenpflicht geht vor Gemeinpflicht / Solidarität sowie gesetzliche Vorsorge. Wir brauchen darüber eine gemeinschaftliche Übereinkunft, eine Art neuen Gesellschaftsvertrag. Vorher eine öffentliche, eine offene und ehrliche Debatte darüber.

Weder dabei noch bei der Zielformulierung der Reformen sollten US-amerikanische Verhältnisse uns ein Vorbild sein. Wenn es um Krieg oder sozialen Frieden geht, ist die umfassende Information und offene Willensbildung in einer Gesellschaft Voraussetzung einer verantwortlichen, die eigene Zukunft gestaltenden Politik.
 
April 2003
 
 
       
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