Die neuzeitlichen Ideen über das menschliche Zusammenleben haben die
Möglichkeit eröffnet, dass Menschen mit unterschiedlichen
Bekenntnissen, Absichten und Bedürfnissen zum friedlichen Miteinander
in Freiheit und Toleranz finden.
Auf diesen Ideen beruhen die Leitbilder der offenen, pluralistischen
Gesellschaft, des demokratischen Rechts- und Sozialstaates und der auf
Freiheit, Wettbewerb und sozialer Verantwortung aufgebauten Sozialen
Marktwirtschaft. Sie prägen seit langem die westliche Gesellschaft,
werden indes zunehmend auch weltweit bestimmend. (Auch die Vorgänge des
11. September zeigen dies letztlich).
So historisch wirkmächtig diese Ideen auch sind, ihre Verwirklichung
beruht doch auf ethischen Voraussetzungen, die sie selbst nicht
gewährleisten können. Die Demokratie kann ohne den moralischen
Grundkonsens allgemeiner Menschenrechte und ohne Anerkennung der
Rechtsordnung nicht gedeihen, und die Marktwirtschaft bleibt auf die
Zuverlässigkeit und Rechtschaffenheit der Wirtschaftssubjekte ebenso
angewiesen wie auf die nicht ökonomisch zu organisierende Erziehung der
Kinder und Jugendlichen.
Zudem bedürfen auch freie Menschen nicht nur politischer Rechte und
wirtschaftlicher Güter, sondern vor allem der Möglichkeiten, ihr Leben
eigenverantwortlich und sinnvoll zu gestalten, Mitmenschlichkeit zu
gewähren und zu erfahren sowie in ihren persönlichen Qualitäten
anerkannt zu werden.
Das ökonomische Denken tendiert dazu, das menschliche Leben auf die
ökonomische Dimension einzuengen und so die kulturellen und sozialen
Zusammenhänge menschlichen Lebens zu vernachlässigen. Die
sozialethischen Traditionen der christlichen Kirchen betonen
demgegenüber das Ganze, die unverrechenbare Einheit menschlicher
Lebenshoffnungen und die Vielfältigkeit der menschlichen Rechte und
Pflichten.