Evangelische Akademie Thüringen Start  |  Newsletter  |  Impressum    
im Zinzendorfhaus  Neudietendorf
Programm Reihen Projekte KDA-Programm Publikationen
 

Evangelische Akademie
Thüringen Zinzendorfhaus
D-99192 Neudietendorf
Telefon: 036202 - 984-0
Fax: 036202 - 984-22
E-Mail

Anreise/ Anfahrt
  Kammer für Arbeit und Wirtschaft - Veröffentlichungen zurück  
   
 
Shopping rund um die Uhr?
Auftrag und Position der Kirche zum Ladenschluss
   
   
1. Problemanzeige
2. Biblisch-theologische Betrachtung
3. Erweiterte Ladenöffnungzeiten und ihre Folgen
4. Unabhängig von Positionen und Interessen

  
  
1. Problemanzeige  
 
Wir beobachten mit Sorge in den letzten Jahren eine rasante Zunahme der Zahl von "verkaufsoffenen Sonntagen"- verstärkt in den neuen Bundesländern. Gab es in der Vergangenheit einige wenige traditionelle Märkte und Feste in deren Zusammenhang Sonntagsöffnungen genehmigt wurden, werden zunehmend in Städten und Gemeinden oder bei Handelsunternehmen weitere Anlässe gesucht bzw. oft auch erst geschaffen, um Verkaufssonntage zu ermöglichen oder den rechtlichen Regelungen zum Ladenschluß auszuweichen.

Eine weitere Auseinandersetzung wird geführt, um die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten. Dabei scheint den Protagonisten, zumeist Vertreter der großen Handelsketten, eine generelle Aufhebung des Ladenschlußgesetzes vor Augen zu stehen. Angepriesen wird ein schier grenzenloses Shopping - von Montag bis Sonnabend: Einkaufen rund um die Uhr.   
 
   

2. Biblisch-theologische Betrachtung   
 
Dass 3. Gebot: "Du sollst den Feiertag heiligen!" (2. Buch Mose 20,1ff) formuliert den Anspruch Gottes auf das Leben - um eines gesunden, ausgefüllten Zusammenlebens willen.

Seine Gründung erfährt das 3. Gebot: "Du sollst den Feiertag heiligen" in der Schöpfungserzählung: "... und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte." (1.Buch Mose2,1-31). Gott kommt zu sich selbst, indem er zur Ruhe kommt.

Im Zusammenhang mit 1.Buch Mose 1, 27: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn..." ist diese Aussage auf den Menschen und die Gesellschaft zu beziehen und zu verstehen. Das Schlüssel-wort ist "Ruhe". Auch der von Gott Geschaffene kommt nur zu sich selbst, indem er den Schöpfer erkennt, anerkennt und versucht, es ihm gleich zu tun.

Im Neuen Testament (Hebräer-Brief 4, 1-10) ist hinsichtlich einer solidarischen Lebensgestaltung der Christen in der Gesellschaft formuliert: "So lasset uns nun sorgfältig darauf achten, daß keiner von euch zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, damit wir zu gottvoller Ruhe gelangen. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken - so wie Gott von den seinen."

Diese biblischen Überlegungen zur Ruhe Gottes sind nicht einfach geistig-spirituell oder individualistisch zu verstehen. Sie haben vielmehr eine sozialethische und soziopolitische Intention. Erst der kulturell geordnete und gleichzeitig praktizierte Wechsel von Ruhe und Arbeit, Aktion und Meditation, Anspannung und Entspannung, Alltag und Festtag garantiert ein sinnvolles und gesundes Leben.  
    


3. Erweiterte Ladenöffnungzeiten und ihre Folgen   
 
Sonntagsöffnungen und Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in der Woche bedeuten nicht allein einen Angriff auf gewachsene kulturelle Standards in Deutschland. Darüber hinaus bringen sie zusätzliche Belastungen für die betroffenen Arbeitnehmer(innen) (Dienstleister) und ihren Angehörigen. Viele der Beschäftigten arbeiten heute im Teilzeitarbeitsverhältnis und im Kleinarbeitsverhältnis, um flexibel in Spitzenzeiten einsetzbar zu sein. Die regelmäßigen Öffnungszeiten vieler Einzelhändler sind heute von 7.00 Uhr bis 20.00 Uhr (Mo-Fr) und am Sonnabend bis 16.00 Uhr. Sonnabende sind für die meisten Beschäftigten im Einzelhandel Regelarbeitstage. Dadurch wird die soziale Situation in den Familien der Beschäftigten nachhaltig beeinträchtigt.

Weiterhin zeichnen sich durch unterschiedliche Genehmigungspraxis und unterschiedliche Voraussetzungen bei den (großen und kleinen) Wettbewerbspartnern im Handel erhebliche Schwierigkeiten und Wettbewerbsverzerrungen ab.
Bei der Debatte um die Ladenöffnungszeiten geht es um mehr. In vielen anderen Wirtschaftszweigen und Berufen verlangen spezielle wirtschaftliche Erfordernisse und ein globalisierter Konkurrenzkampf die "Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit" der Beschäftigten: Teure Anlagen und Technologien "müssen" an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr genutzt werden. Branchenbezogen werden 10-12 Stunden am Tag oder 60 Std. die Woche gearbeitet.

Somit steht hier auch die Frage nach den Kundenwünschen bzw. nach der Macht der Kunden: Wann wollen sie wo und wie lange einkaufen? Entsprechende Umfragen haben ergeben:

Es gibt lediglich eine Minderheit von Menschen, die zu jeder Zeit einkaufen gehen will.
Für die Händler und Beschäftigten im Innenstadtbereich wirkt sich die bereits bestehende Möglichkeit zur Verlängerung der Ladenöffnungszeit nicht umsatzsteigernd, sondern insgesamt eher negativ aus.
Kundenservice und Beratung erfahren durch längere Ladenöffnung keine nachhaltige Verbesserung.
Viele Kunden halten die bestehenden Ladenöffnungszeiten für ausreichend. Verlängerte Öffnungszeiten wurden vielerorts nach einer Versuchsphase wieder zurückgenommen.



4. Unabhängig von Positionen und Interessen   
 
Nach Abwägen aller erkennbaren Vor- und Nachteile würden sich bei einer Freigabe der Ladenöffnungszeiten darüber hinaus auch auf nahezu alle Bereiche in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Veränderungen ergeben, die in ihren Langzeitfolgen auf das Sozialgefüge heute gar nicht abzuschätzen sind. Auf jeden Fall ist damit zu rechnen, dass das Zusammenleben in Familien, Lebensgemeinschaften, Freundeskreisen und Verbänden nachhaltig beeinträchtigt wird.

Wenn also hinsichtlich der vor allem von den großen Handelsunternehmen angestrebten Flexibilisierung keine "Sozialfolgen-Abschätzung" vorgenommen wird, sondern allein Fragen der Produktivität und Rentabilität Beachtung finden, ist der Einspruch aller gesellschaftlich relevanten Gruppen angesagt. In diesem Zusammenhang sind auch die kulturellen Begleiterscheinungen der sich rasant entwickelnden modernen Kommunikationstechniken einer sorgfältigen Analyse zu unterziehen.

Es bedarf also eines intensiven gemeinsamen Nachdenkens aller Betroffenen - Unternehmer, Beschäftigte, Politiker, Verbraucherverbände, Kirchen und anderer Kulturinstitutionen -, um nicht vorschnell und darum sozial schädlich bisherige kulturelle und tarifpolitische Standards über Bord zu werfen. Neben klaren übergreifenden branchenbezogenen Wettbewerbsregeln sind regionale Einzellösungen durchaus vorstellbar.

Unter der Überschrift "Suchet der Stadt Bestes" sollten die Kirchen zu "kommunalen Stammtischen" oder "Runden Tischen" einladen, um diese Gespräche im Sinne eines fairen Interessenausgleiches zu initiieren und gestalten zu helfen.
 
 
 
       
KDA in Thüringen
  KDA
Was wir tun und wollen
Texte und Wortmeldungen
  KDA-Programm
  Für unsere aktuellen Veranstaltungen schauen Sie bitte unter
weiter
  KDA Deutschland
  weiter
  Arbeit und Wirtschaft
  Kammer für Arbeit und  Wirtschaft: Glauben, Leben, Arbeitswelt
weiter

  afa
  Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen
weiter

  Rockband ProStam
  Wir unterstützen die junge Cover-Rockband ProStam aus dem Thüringer Wald.
weiter

  nach oben     
  © Evangelische Akademie Thüringen