Zwei platonische Dialoge über die Liebe: Symposion und Phaidros
Vergegenwärtigung eines Klassikers - Ein Seminar mit Gerd B. Achenbach
Das „Symposion“, Platons Meister-Dialog, ist subtil und hintergründig
aufgebaut. Dabei folgt alles den Gesetzen einer klugen Komposition:
Athens berühmteste Philosophen sind aufgefordert, im Rahmen eines
Festgelages Reden auf Eros und Liebe zu halten.
Wohl das berühmteste Stück ist der Jux, den sich Platon mit dem Mythos
des Aristophanes vom Kugelmenschen macht. Wir freuen uns darauf, ihn zu
aktualisieren: Eros als „träumerische Regression”.
Der Priesterin Diotima legt Platon den schönsten Mythos vom Ursprung
des Eros in den Mund: Der Gott der Liebe wird als Kind von Poros
(Reichtum) und Penia (Armut) an jenem Tag gezeugt, da Aphrodites
Ankunft in der Welt gefeiert wird.
Unser Referent, Dr. Gerd B. Achenbach, wird diesen Klassiker der
Philosophie ausführlich interpretieren und gründlich verständlich
machen. Endlich einmal nicht über die „dunklen Stellen” hinwegspringen,
sondern einen Text ganz und gar durchdringen und aneignen! Einmal in
einem Text vollständig zuhause sein, so wie man das eigene Heim „in und
auswendig” kennt, das ist die Devise.
Außerdem wird uns des Phaidros Hoch auf den Eros beschäftigen – die Liebe als göttlicher Wahn.
Auch Spätwirkungen der Dialoge werden wir vorstellen – wer weiß schon,
dass z.B. der Dichter Christoph Martin Wieland im 18. Jahrhundert mit
seinem Brief-Roman „Aristipp” eine Art „Neufassung” des Symposiums
geschrieben hat?
Wir möchten also nicht nur einen klassischen Text interpretieren. Wir
werden im philosophischen Gespräch die jeweiligen Linien bis in die
Gegenwart verlängern
Also: Ein umfangreiches und ehrgeiziges Programm, das spannend und ein philosophisches Abenteuer werden soll.
Aus dem Mythos des Aristophanes vom Kugelmenschen:
„Ferner war damals die ganze
Gestaltung des Menschen rund, indem Rücken und Seiten im Kreise
herumliefen, und ein jeder hatte vier Hände und ebensoviele Füße und
zwei einander durchaus ähnliche Gesichter ... man ging aber nicht nur
aufrecht wiejetzt,sondern, wenn man recht schnell fortzukommen
beabsichtigte, dann bewegte man sich, wie die Radschlagenden ...
schnell im Kreise fort. ...
Sie waren daher auch von gewaltiger Kraft und Stärke und gingen mit hohen Gedanken um ...
Zeus nun und die übrigen Götter
hielten Rat, was sie mit ihnen anfangen sollten. ... Endlich nach
langer Überlegung sprach Zeus: ‚Ich glaube ein Mittel gefunden zu
haben, wie die Menschen erhalten bleiben können und doch ihrem Übermut
Einhalt geschieht .... Ich will nämlich jetzt jeden von ihnen in zwei
Hälften zerschneiden, und so werden sie zugleich schwächer und uns
nützlicher werden, weil dadurch ihre Zahl vergrössert wird.’ ...
Nachdem er das gesagt, schnitt er die
Menschen entzwei, wie wenn man Beeren zerschneidet, um sie
einzumachen.... Als nun so ihr Körper in zwei Teile zerschnitten war,
da trat jede Hälfte mit sehnsüchtigem Verlangen an ihre anderer Hälfte
heran, und sie schlangen die Arme um einander und hielten sich umfasst,
voller Begierde, wieder zusammenzuwachsen, und so starben sie vor
Hunger und Vernachlässigung.
Da erbarmte sich Zeus und erfand
einen andern Ausweg, indem er ihnen die Geschlechtsglieder nach vorne
versetzte, ... zu dem Zwecke, dass, wenn dabei ein Mann auf ein Weib
träfe, sie in der Umarmung zugleich erzeugten und so die Gattung
fortgepflanzt würde.
Seit so langer Zeit ist demnach die
Liebe zu einander den Menschen eingeboren und sucht die alte Natur
zurückzuführen und aus zweien eins zu machen. Daher sucht denn jeder
beständig seine andere Hälfte.“
Programm
Beginn: 18:00 Uhr mit dem Abendessen
Ende: 12:30 Uhr mit dem Mittagessen
Unser Referent Dr. Gerd B. Achenbach gründete 1981 die weltweit erste Philosophische Praxis.
In den letzten Jahren entwickelte er, anknüpfend an über 2500 Jahre
Philosophiegeschichte, ein Konzept zur philosophischen
Lebenskönnerschaft.
Im nächsten Buch unseres Referenten über die Liebe wird wird der Dialog Platons über den Eros eine herausragende Rolle spielen.
Bitte
bis zum 2. Dezember mit beiliegender Karte, telefonisch oder per Email anmelden.
Bei Absage 7 Tage vor Tagungsbeginn müssen wir 50 %, bei Absage 2 Tage vor Tagungsbeginn 100
% des Teilnahmebeitrages als Stornogebühr berechnen.