Ein gutes Leben im Einverständnis mit sich zu führen, ist eine schöne, doch keineswegs leichte Aufgabe.
Sich selbst erkennen und Lebensziele zu entwerfen, ist das eine. Losgehen, gekonnt weitergehen und auf dem als richtig erkannten Weg bleiben etwas ganz anderes. Wie jedes Können bedarf auch die Kunst des Lebens Verstand und Willen, Einsicht und Übung.
Die "Sorge um sich" (Sokrates) setzt Selbstwertschätzung, Wachheit und Mut voraus, öffnet den Blick auf das eigene Leben: bin ich auf dem Weg des Gelingens oder des Scheiterns? Was ist wirklich wichtig? Führe ich mein Leben oder lasse ich mich dirigieren?
Wenn ich erkannt habe, dass ich etwas ändern will, wartet die nächste Frage: Wie kann ich mich wandeln bzw. das mir wichtig Erscheinende, auch das bisher Erreichte weiter entwickeln, stabilisieren?
Seit der Antike lautet eine zentrale Antwort der Praktischen Philosophie: "Durch praktisch-geistige Übung."
Sie geht davon aus, dass Lebenshaltungen wie Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, auch Humor und heitere Gelassenheit, begrenzt erlernbar sind: durch Üben, vor allem auch und zunächst: Üben des Übens.
Das wurde in sehr unterschiedlichen philosophischen Schulen und Traditionen in großer Vielfalt praktiziert und gepflegt als
- Selbstprüfung, - Formen der Besinnung, - Meditation, - Verinnerlichung von Merkworten, Klugheitsregeln und Weisheitsmaximen.
Es gab Übungen
- zur Selbsterkenntnis, - zur Einschätzung des zurückgelegten eigenen Weges, - zur Vorbereitung auf kommende Situationen, Ereignisse und Grenzerfahrungen.
Unser Wochenende gibt eine Einführung in diese Tradition – theoretisch wie praktisch – und lädt dazu ein, die eigenen Lebensziele zu prüfen und neue Wege zu entdecken und zu pflegen. Wir lernen unterschiedliche Denk- und Praxis-Wege von Philosophie als Lebensform kennen – besonders in der griechischen Antike, in der Renaissance und der neueren Zeit – und prüfen, inwiefern sie uns etwas zu denken und zu lernen geben können. Was alt ist, ist darum nicht immer auch veraltet, sondern gerade deshalb oft vielfältig geprüft und lang gereift.
Bei all dem setzen wir kein besonderes philosophisches Fachwissen voraus, wohl aber ernsthaftes Interesse an sich selbst und die Bereitschaft zum Nachdenken über die eigene Lebensführung.
Jedes Leben ist einzigartig und so einzigartig sind auch die Wege einer bejahenswerten Lebensführung, die mir und anderen Freude macht. Hier gibt es keine Heils- oder Glücksversprechen, auch keine schnellen und für alle gleichermaßen gültigen Wege der Veränderung.
Das Seminar ist auch als Anfang für jene gedacht, die sich auf einen längeren Weg machen wollen zu weiteren gemeinsamen Übungen mit speziellen, eigenen Fragestellungen.
Die Seminarleitung bietet auch individuell philosophisch beratende Gespräche oder Übungsbegleitung an.
Programm
Wir haben die „Akademie Haus Sonneck“ für dieses Seminar ausgewählt: die kleinen Villen mit dem Park über den Weinbergen und Blick auf die Täler von Saale und Unstrut können uns dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen.
Wir setzen kein besonderes philosophisches Fachwissen voraus, wohl aber ernsthaftes Interesse an sich selbst und die Bereitschaft zum Nachdenken über die eigene Lebensführung.
Der Verlauf des Wochenendes ist vom Wechsel zwischen Kennenlernen der philosophischen Tradition und eigener Reflexion und Übung bestimmt.
Folgende Themen werden uns beschäftigen:
Vom Nutzen und Nachteil der Philosophie für das Leben – eine philosophische Blütenlese
Ziele: Selbstbilder, Menschenbilder und die Frage nach dem Gelingen des Lebens
Habe ich eine Wahl? Über Lebenskunst und Lebenskönnerschaft heute
Wege entstehen beim Gehen – Von Geist und Sinn philosophischer Übungen in unserem Lebensalltag
Üben des Übens: Vorstellung und Erprobung einiger klassischer Übungen aus dem Kreis der Stoiker und Epikureer
Das Wochenende beginnt am Freitag, dem 27. Juni um 18 Uhr mit dem Abendbrot und endet am Sonntag, dem 29. Juni um 13 Uhr mit dem Mittagessen.
"... sollte das Nachdenken darüber, wie gut und richtig zu leben sei, Sache von Profis und Spezialisten sein? Nein, es ist die eines jeden, einerlei, wo und wie er sich herumtreibt." Gerd B.Achenbach
"Was ist die Frucht der Philosophie? - Im mindesten, dass man auf jedes Schicksal gerüstet ist." Diogenes
"Wenn es dir gelingt, die innere Ruhe zu erobern, so hast du mehr getan als derjenige, der Städte und ganze Reiche erobert hat." Montaigne
"Wann willst du anfangen, tugendhaft zu leben, sagte Plato zu einem alten Mann, der ihm erzählte, dass er die Vorlesungen über Tugenden anhörte. – Man muss doch nicht immer spekulieren, sondern auch einmal an die Ausübung denken. Allein heutzutage hält man den für einen Schwärmer, der so lebt wie er lehrt." I. Kant
"An vielen ist das Leben schon vorübergegangen, während sie noch die Ausrüstung für das Leben zusammensuchten." Seneca
"Da die Philosophie Lebenskunst ist, ist es recht und billig, dass sie von keinem Spiel und keinem Vergnügen ferngehalten wird, sondern dass sie überall dabei ist und Ordnung und Maß hinzuträgt." Plutarch
"Die Frucht der Philosophie ist, mit sich selbst verkehren zu können." Antisthenes
"Die Frage ist nicht: ‚Was ist das Gute?‘ Die Frage ist: Wie werde ich gut?" Stoischer Grundsatz
"Wenn jemand deinen Leib dem ersten besten, der des Weges kommt, übergeben würde, wärest du gewiß empört. Dass Du aber dein Herz jedem Beliebigen überläßt, und es sich dann, wenn du beschimpft wirst, aufregt und aus der Fassung gerät - dessen schämst du dich nicht?" Epiktet
"Die Natur hat mir nicht gesagt: Sei arm! Noch weniger: Sei reich! Aber sie ruft mir zu: Sei unabhängig!" Chamfort
"Ohne mich ginge es mir sehr gut." Chamfort
"Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie anderswo zu suchen." Rochefoucault
"Das Gute und Schlechte, das uns widerfährt, erschüttert uns nicht nach seiner Größe, sondern nach unserer Empfindlichkeit." Rochefoucault
Tagungsort,
Kosten und Information
Datum:
27. bis 29. Juni 2008
Ort:
Heimvolkshochschule Akademie Haus Sonneck Blütengrund 06618 Großjena bei Naumburg Tel./Fax: 03445/703153 http://www.akademie-sonneck.de/
Anreise per Bahn: Bahnhof Naumburg (IC-Bahnhof). Bei Voranmeldung Abholung vom Bahnhof gegen Gebühr, ansonsten per Taxi (10 km) über Ortsteil Henne.
Anreise per PKW: Naumburg über Hallesche Straße (einem Schild "Blütengrund" folgend) in Richtung Markröhlitz/ Merseburg verlassen. Im Ortsteil Henne links Richtung Freyburg abbiegen. Nach Erreichen der Anhöhe (kurvenreiche Strecke) der Beschilderung zum Haus Sonneck folgend, links in Richtung Wald abbiegen. Die kleine Asphaltstraße endet nach ca 1 km Fahrt durch den Wald direkt im Grundstück.
Kosten:
Teilnahmekosten (beim Seminar zu entrichten) für Übernachtung, Verpflegung und Programm: 150,- € Das Seminar wird teilweise durch den Kinder- und Jugendplan des BMFSFJ gefördert. Deshalb können in begrenztem Rahmen Ermäßigungen gewährt werden: 120, - € für Schüler/innen und Student/innen bis 27 Jahre, Mitglieder von philoSOPHIA e.V. sowie ALG 2-Empfänger. Der Einzelzimmerzuschlag beträgt 10,- € pro Nacht.
Sie können den Tagungsbeitrag vorab überweisen.
Kontoinhaber: Evangelisches Bildungszentrum
Konto: 8 024 391; BLZ: 820 608 00, EKK Eisenach
Verwendungszweck: KG - 15/2008 - Ihr Nachname.
Ansonsten können Sie den Beitrag in bar bei der Anmeldung entrichten. Kartenzahlung ist nicht möglich.
Sie können bis zum 13. Juni 2008 kostenfrei absagen. Danach entstehen bis 7 Tage vor Tagungsbeginn 50 %, bis 3 Tage vor Tagungsbeginn 70 %, danach 100 % der Tagungskosten als Stornogebühren. Diese Gebühren entfallen, wenn wir Ihren Platz weiter vergeben können.