Blumengrüße aus dem Zinzendorfgarten. Foto: (c) Zubarik/EAT
Ostern
Ostern, Auferstehungsfeier, Jahresmorgen der Natur, streifst den letzten Winterschleier von der neubelebten Flur, die sich froh dir überlässt, schönes Auferstehungsfest!
(Otto Baisch, deutscher Schriftsteller, Redakteur, Lithograph und Maler, 1840 – 1892)
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht allen hoffnungsvolle Frühlingstage und gesegnete Ostern!
Johannes Falk muss man lesen. Oder noch besser: Man muss ihn hören. Denn der Pädagoge, Sozialreformer und Diplomat blieb Zeit seines Lebens Literat.
Zu dieser Einsicht konnte man am 26. März in Weimar kommen. Unter der Überschrift „Dichter, Denker, Dauerbrenner“ brachte der Journalist und MDR-Thüringen-Moderator Paul Andreas Freyer im Herdersaal den „Johannes von der Ostsee“, den Menschen Falk, nahe. Vieles war dabei O-Ton: „Herz ist meine ganze Habe“ schrieb der junge Dichter als Brautwerbung an die 11 Jahre jüngere Caroline Rosenfeld. Wie schwer es ihm später ums Herz wurde, als er – bis auf zwei Töchter – alle Kinder verlor, wurde ebenso deutlich wie sein großes Herz für die vielen verwahrlosten Kinder, die er in seinem Rettungshaus aufnahm. Als „engherzig“ betrachtete er diejenigen seiner Zeitgenossen, die dafür nur wenig Verständnis aufbrachten.
Mit spitzer Feder schreibend, couragiert und zugewandt, so präsentierte Freyer, der zugleich Vorsitzender des Johannes-Falk-Vereins Weimar ist, einen Dichter, für den galt: „Eine Predigt ist keine Tat, aber eine Tat eine Predigt“. Durch den Abend führte Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich. Er wurde musikalisch umrahmt von Gina Sophie Gäbelein und Lisa Wolf, beide Violine, vom Musikgymnasium Weimar.
Herzliche Einladung zu den weiteren Veranstaltungen des Falk-Jahrs 2026!
Der ursprünglich für den 26. März geplante Vortrag von Prof. Dr. Holger Zaunstöck „Die Weymarischen Freunde werden ermahnet – Weimar und die Franckeschen Stiftungen zu Halle“ soll nachgeholt werden.
Die Tagungsstadt hat augenscheinlich Bezug zum Tagungsthema: Europäische Zentralbank links, Freiwillige Frankfurter Feuerwehr rechts. Was ist für Sie (öffentliche) Daseinsvorsorge? Foto: (c) Fehlberg/EAT
Arbeitsatmosphäre: Katja Rietzler von der Hans-Böckler-Stiftung gleicht die Klima- und Infrastrukturziele mit der tatsächlichen Verwendung des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität ab (per Zuschaltung) . Foto: (c) Fehlberg/EAT
Die Tagung fand in den Räumen der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main statt und war damit Teil des Lehrbetriebs. Foto: (c) Fehlberg/EAT
Die Diskussion am Abend (v.l.n.r): Leo Laurin Wagener (FiscalFuture), Kristin Langen (Journalistin; Moderation), Patrick Kaczmarczyk (Universität Mannheim, u.a. Surplus-Magazin) und Friederike Reimer (Global Climate Forum). Foto: (c) Fehlberg/EAT
Auch das Geld kann durchaus als öffentliches Gut angesehen werden, gibt es doch eine "Geldpolitik". Das Gebäude der Europäischen Zentralbank im romantisierenden Abendlicht. Foto: (c) Fehlberg/EAT
In der Gesellschaft unterscheidet man Privates und Politisches. In der Wirtschaft kann man privatwirtschaftlich bereitgestellte Waren und Gemeinschaftsgüter unterscheiden. So betrachten wohl die meisten die Infrastruktur der Deutschen Bahn AG immer noch als grundlegendes Gemeinschaftsgut. Das Brot aus der Bäckerei ist zwar lebenswichtig, aber es braucht nicht in erster Linie die Öffentlichkeit, die für seine Herstellung sorgt – hier ist der Marktmechanismus am Platz. Wie das Beispiel Deutsche Bahn zeigt: Meist begegnen uns in der Wirklichkeit Mischformen wirtschaftlicher Organisation.
Je nach sozialhistorisch geltenden Wertmaßstäben des absolut und relativ Lebensnotwendigen können sich die Auffassungen sehr wohl ändern, welche Güter gemeinschaftlich oder staatlich organisiert und welche Waren marktwirtschaftlich den Weg zum Konsumenten finden sollen. Der dazugehörige Aushandlungsprozess wird vor allem von den jeweiligen wirtschaftlichen Interessengruppen, der veränderlichen Rechtsordnung und der Wissenschaft buchstäblich bestritten.
Gesundheitswesen: Bevorzugen Sie den hippokratischen Eid oder Gewinnorientierung?
Aber auch Sie mischen mit: Wollen Sie als Patientin lieber den hippokratischen Eid der ärztlichen Ethik als Behandlungsgrundlage oder als Kunde das Profitmotiv der behandelnden ärztlichen Praxen und Krankenhäuser? Beide handlungsethischen Maximen werden sich immer beißen. Sie entscheiden idealerweise an der Wahlurne mit, nach welchen Prinzipien unser aller gesellschaftliche Daseinsvorsorge betrieben wird – und was wir darunter genau verstehen wollen.
Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz „Transformation des Selbstverständlichen“, die am 26. und 27. März in Frankfurt am Main stattfand. Die EAT gehörte neben der Evangelischen Akademie Frankfurt und der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt zu den zahlreichen und gesellschaftlich breit aufgestellten Kooperationspartnern dieser ökumenischen und interdisziplinären Tagung. Der Themenfokus in diesem Jahr: „Alltagsökonomie und Daseinsvorsorge in der sozial-ökologischen Transformation“.
Ökonomie auf ökumenisch – Was haben die Kirchen beizutragen?
Doch was ist „Alltagsökonomie“? Ein Beispiel: Im öffentlichen Diskurs wird „die Arbeit“ meist implizit als Ware auf dem Markt begriffen, inklusive eines Preises: des Lohns. Gleichzeitig wird „die Arbeit“ auch gerne ethisch überhöht oder instrumentalisiert, wenn es mal wieder um angeblich verbreitete Faulheit und unbedingt nötige Mehrarbeit geht. Der schwammige Ausdruck „die Arbeit“ macht einerseits deutlich, dass Marktwaren keine „rein ökonomische“ Herkunft und Bestimmung haben, und andererseits, dass Arbeit eine soziale Größe ist, die nicht losgelöst vom realen, nicht-marktförmigen Alltagsleben der Menschen betrachtet werden kann.
Alltagstauglich? Ökonomie ist nicht das Gleiche wie Kapitalismus
An dieser Schnittstelle berührt sich die Alltagsökonomie mit dem Rechts- und Wissenschaftskonzept der sozialstaatlichen Daseinsvorsorge. Als wissenschaftliche Konzeptionen hinterfragen sie, welche Ziele und Güter des ökonomischen Handels als gesellschaftlich unverzichtbar gewertet und womöglich mit anderen Mitteln als denen des profitorientierten und oft betriebsblind wirkenden Marktmechanismus bereitgestellt werden können und sollten. Kurz und zugespitzt: Ökonomie ist eben nicht identisch mit Kapitalismus.
In Zeiten, in denen Energiekrisen der fossilen Energieträger in kurzer Folge über Deutschland hereinbrechen, ist es überfällig, dass Wissenschaften und Kirchen die Lautstärke der Debatten um die „Alltagsökonomie“ und die öffentliche Daseinsvorsorge wieder erhöhen. Die strategische Ausrichtung der Energiepolitik auf fossile Energieträger wie Öl und Gas entfaltet absehbar eine verheerende Wirkung auf unseren Alltag. Der entschlossene Ausbau Erneuerbarer Energien liegt sehr viel näher am öffentlichen Interesse an einer intakten Lebenswelt sowie an Bezahlbarkeit, Sicherheit und Frieden. Fossile Freiheit – das ist nicht nur sprachlich ein Widerspruch in sich. Es ist ein uneinlösbares Versprechen, eine nur scheinbar bequeme Selbsttäuschung.
Energiepolitik: Ist das ein reines Geschäftsmodell oder noch Daseinsvorsorge?
Viele Konferenzteilnehmer konnten sich denn auch der moralischen Beurteilung aktueller Fragen nicht entziehen: Für etliche drängte sich der Verdacht auf, dass mit der Energiepolitik in Deutschland nur ein spezifisches privates Geschäftsmodell gesichert, nicht aber die Aufgabe der Daseinsvorsorge im Sinne der Bevölkerung gelöst werden soll. „Die Wirtschaft“ – das dürfe nicht länger die exklusive Bezeichnung allein für Akteure mit Profitmotiv und starker Lobbymacht sein.
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Das Programm und die Beitragenden der Konferenz können Sie im Downloadbereich dieses Artikels abrufen. In Kürze stellen wir die freigegebenen Präsentationen zur Verfügung.
Der Dozent John-Michael Mendizza verriet so einige Tricks in Sachen Voreinstellungen der Kamera. Foto: (c) Zubarik/EAT
Beim anfänglichen Input gab es mitunter auch erheiternde Beispiele. Foto: (c) Zubarik/EAT
In den Praxisübungen wurden Strukturelemente des Zinzendorfhauses aus vielen Blickwinkeln fotografiert. Foto: (c) John-Michael Mendizza
Nichts geht heutzutage schneller als mit ein paar Stichworten ein passendes KI-generiertes Bild zu erstellen. Und gleichzeitig wird die Verwendung von „echten“ Fotos aufgrund vieler Bestimmungen und auch ethischen Überlegungen immer komplizierter. Nicht nur Personen, die mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun haben, auch Fotografie-Interessierten im privaten Bereich ist daher die Beschäftigung mit Fragen der Bilderstellung und -gestaltung ein Anliegen.
Bei der Fotografie-Werkstatt am 26. März im Zinzendorfhaus Neudietendorf hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, zu vielen technischen und gestalterischen Aspekten mehr zu erfahren, praktische Aufgaben auszuprobieren und über die Wahrnehmung von Bildern in Austausch zu treten.
Unter dem Motto „Welche ‚Wahrheit‘?“ zeigte der Referent John-Michael Mendizza, wie etwa Brennweite, Position oder Beleuchtung ein und dieselbe Szene sehr unterschiedlich darstellen können und damit mehrere ‚Wahrheiten‘ vermitteln: So waren in einem fotografischen Projekt aus Kopenhagen, das während der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, Menschen im Stadtraum mal in dichtem Nebeneinander, mal mit großem Abstand zu sehen, je nachdem, aus welcher Perspektive und mit welcher Kameraeinstellung zum selben Zeitpunkt der Szene gearbeitet wurde.
Auch mit dem Zuschnitt des Bildes kann die Interpretation des Betrachters in unterschiedliche Richtungen gelenkt werden. Ein zähnefletschender Hund wird als aggressiv wahrgenommen; ist auf dem Foto jedoch ein Ball zu sehen, werten wir den Ausdruck des Tiers als Spielfreude. Harte Schatten, weiches Hintergrundlicht, bläuliche Färbung, Blick von unten oder oben – all dies entscheidet, was wir mit der Abbildung an Bedeutungen mittransportieren.
Im ersten Praxisteil probierten die Teilnehmenden im Anschluss an den Input-Vortrag auf dem Gelände des Zinzendorfhauses aus, wie sie mit den genannten technischen Möglichkeiten zwei Variationen eines Bildgegenstandes erzeugen können.
Am Nachmittag ging es um „Zeigen und Weglassen“. Hier kamen auch praktische Fragen ins Spiel: Was tun, wenn eine Person aus der Gruppe nicht abgebildet werden will, ich aber dennoch ein Gruppenfoto erstellen soll? Wie dokumentiere ich die Lebendigkeit eines Kinderfestes, wenn doch Kinderbilder aufgrund der Mißbrauchsmöglichkeiten nicht mehr ins Netz gestellt werden sollen? Welches Symbolfoto wähle ich für eine Tagung mit schwieriger, eventuell mit negativen Emotionen verbundener Thematik? Wie kann ich eine kritische Perspektive auf eigentlich idyllische Inhalte erzeugen?
Nach der zweiten Praxisrunde wurden die Ergebnisse ausgewertet: Die Teilnehmenden gaben sich untereinander wertvolles Feedback, wie die Bilder jeweils auf sie wirkten und wie man sie durch weitere Veränderungen noch aussagekräftiger gestalten könnte. John-Michael Mendizza steuerte seine Expertise bei, lieferte nützliche Tipps und zeigte in einer ad-hoc-Bearbeitung der Bilder weitere Gestaltungsmöglichkeiten.
„Die etablierte Christen- und Bürgergemeinschaft muss wohl lernen, ihren Unruhestiftern zu danken. Sie lehren uns: Finde dich nicht ab mit dem, was du vorfindest.“ Mit diesen Worten aus der Predigt des Pastors Joachim Gauck, gehalten am 19. Juni 1988 beim Schlussgottesdienst des Rostocker Kirchentags, ist der Kern des neu erschienenen Tagungsbandes „Unruhestifter in Staat und Kirche“ berührt: Der von Gauck verwendete Begriff des Unruhestifters steht stellvertretend für die Vielfalt an Gruppen und Kreisen, die sich kritisch mit ihren Kirchen, mit der DDR-Gesellschaft und den Verhältnissen im sozialistischen Staat auseinandergesetzt haben.
Sie standen im Mittelpunkt der Frage „Unruhestifter in Staat und Kirche. Lernen von den Gruppen der DDR-Opposition?“, die vom 4. bis 6. November 2022 auf einer Tagung in Neudietendorf bei Erfurt erörtert wurde. Sie war gemeinsam von der Evangelischen Akademie Thüringen und der Forschungsstelle „Kirchliche Praxis in der DDR. Kirche (sein) in Diktatur und Minderheit“ am Institut für Praktische Theologie der Universität Leipzig verantwortet sowie in ökumenischer Zusammenarbeit und Absicht inhaltlich vom Katholischen Forum im Land Thüringen, der Akademie des Bistums Erfurt, und der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte an der Universität Erfurt mitvorbereitet worden.
Der Band enthält Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Theologie, Soziologie und Zeitgeschichte, aber auch von erinnerungspolitischen Akteurinnen und Akteuren sowie Zeitzeugen und lässt sich hier open access – mit freiem Zugang – studieren: Unruhestifter in Staat und Kirche: Lernen von den Gruppen der DDR-Opposition?
Nach dem Film "Gotteskinder" kamen Charlotte Weber und Claudia Brand mit dem Publikum ins Gespräch. Foto: (c) Zubarik/EAT
Kindern ein Umfeld zu bieten, das von christlichen Werten geprägt ist und ihnen Orientierung gibt für das eigene Verhalten und den Umgang mit anderen – das klingt erst einmal nach einer guten Hilfestellung im Entwicklungsprozess. Doch was, wenn die Vorstellungen der Glaubensgemeinschaft zu strengen Vorschriften werden, deren Einhaltung in einem engmaschigen sozialen Netz von Familie, Schule, Freizeitgestaltung und kirchlicher Gemeinschaft kontrolliert wird? Was, wenn der Spielraum für eigene Entscheidungen und gegebenenfalls Abweichungen von der postulierten Norm so gut wie nicht vorhanden ist? Gerade dann, wenn aus den Kindern Jugendliche und junge Erwachsene werden, die sich verlieben, für Neues begeistern, sich ausprobieren wollen, ist der Werte-Clash vorprogrammiert.
Beim Augustinerfilm am 9. März wurde mit dem Spielfilm „Gotteskinder“ von der Regisseurin Frauke Lodders, der 2025 Premiere hatte, in einfühlsamen, gleichwohl dramatischen Szenen gezeigt, wie hilflos so eine Situation alle Beteiligten zurücklässt. Denn nicht nur die beiden jugendlichen Kinder der streng evangelikalen Familie – der Sohn Timo, der sich seine homosexuellen Gefühle für einen Mitschüler eingestehen muss und die Tochter Hannah, die sich in den nicht religiösen Nachbarsjungen verliebt – auch Eltern, Geschwister, Pädagog:innen und Freund:innen wissen mit der sich zuspitzenden Konfliktsituation nicht umzugehen.
Im an die Filmvorführung anschließenden Gespräch mit Kirchenrätin Charlotte Weber, moderiert von Claudia Brand, Leiterin des Medienzentrums der EKM, ging es zunächst um Fakten zu Evangelikalen Freikirchen in Deutschland, um ihre Unterschiedlichkeit und wie sie innerhalb der Evangelischen Landeskirchen einzuordnen sind. Diskutiert wurden ebenso Zusammenhänge zwischen rechtspolitischen und christlich-fundamentalistischen Einstellungen, aber auch die Rolle von Schulen und anderen Einrichtungen als Orte der Vermittlung und des offenen Diskurses von Werten. Beispiele aus dem Publikum bestätigten die Glaubwürdigkeit der im Film gezeigten Konflikte. Und auch über das Ende des Films – für beide Kinder unterschiedlich dramatisch – wurde länger gesprochen.
Der nächste Augustinerfilm wird am 30. November gezeigt.