Markus Lüpertz, Tympanonfenster, St. Marien-Kirche Lübeck, Foto: C. Kunde
Brausender Orgelklang erfüllte die Augustinerkirche Erfurt zu Beginn des Gottesdienstes am Ostersonntag. Nach dem Ostergruß stimmte die Gemeinde ein und sang: „Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein.“
„Auf Tod und Leben“ lautete das Thema des Abendmahlsgottesdienstes, der musikalisch von Landeskirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper ausgestaltet und von Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich gehalten wurde. Seine Predigt zum 15. Kapitel des 1. Briefes des Paulus an die Korinther, in der es auch um ein Glasfenster von Gerhard Lüpertz in der Marienkirche Lübeck ging, können Sie hier nachlesen.
Intensive Einblicke ins Bubble-Crasher-Konzept in den Räumen der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt und inspirierender Austausch untereinander - auch für die Workshopleitung. Fotos: (c) Anne Tippelhoffer, Dominique Wollniok
Die Gesprächs-Spaziergänge führten die Teilnehmenden zum Magdeburger Dom, in den Park und ans Elbufer. Bei schönem Frühlingswetter und mit kleinen Gesprächsanlässen ausgestattet kam es zu überraschend intensiven Begegnungen. Fotos: (c) A. Tippelhoffer
Ein Wochenende lang raus aus der eigenen Komfortzone. In Magdeburg traf sich vergangenen März eine Gruppe Erwachsener in den wunderschönen Räumen der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt zu einem intensiven Bubble-Crasher-Workshop. Zwei Tage lang drehte sich alles darum, die eigenen Denkmuster zu hinterfragen, neue Gesprächswege zu entdecken und echte Begegnungen zu wagen. Was zunächst bei vielen mit Skepsis begann, entwickelte sich im Prozess zu einer überraschend offenen und bewegenden Erfahrung.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der eigenen „Bubbles“, also der sozialen und gedanklichen Räume, in denen wir uns meist unbewusst bewegen. Für einige Teilnehmende war diese Auseinandersetzung herausfordernd. Eigene Vorannahmen zu erkennen, eingefahrene Perspektiven zu hinterfragen und sich ehrlich mit den eigenen Grenzen auseinanderzusetzen, verlangte Reflexionsvermögen und stellte die Selbstwahrnehmung auf die Probe. Gleichzeitig beschrieben viele diesen Prozess als aufschlussreich, ein erster Schritt, um offener auf andere Menschen zuzugehen.
Darauf aufbauend wurden konkrete Gesprächstechniken erlernt und erprobt. Das Stellen guter, offener Fragen, Paraphrasieren und auch das klare Setzen von Grenzen durch ein respektvolles „Stopp“ gaben den Teilnehmenden Werkzeuge an die Hand, um Begegnungen bewusster und sicherer zu gestalten. In kleinen Übungen entstand ein Gefühl dafür, wie Gespräche an Tiefe gewinnen können, wenn echtes Zuhören und Interesse im Mittelpunkt stehen.
Am zweiten Tag ging es dann raus in die Stadt. Für Gesprächs-Spaziergänge auf den Straßen und Plätzen Magdeburgs, am Elbufer, im Fürstenwallpark und sogar im Magdeburger Dom wurden kurze Gesprächskonzepte und Mini-Formate vorbereitet. Die Erfahrungen fielen vielfältig aus. Von kurzen, freundlichen Blickkontakten bis hin zu halbstündigen, überraschend tiefgehenden Gesprächen waren viele spannende und unerwartete Begegnungen dabei (sogar Telefonnummern wurden ausgetauscht!!!). Einige Teilnehmende, die anfangs eher zurückhaltend und skeptisch waren, zeigten sich am Ende begeistert und überrascht vom eigenen Mut. Der Workshop hinterließ hoffentlich nicht nur neue Fähigkeiten, sondern auch neue Motivation, echte Begegnungen im Alltag zu suchen.
Blumengrüße aus dem Zinzendorfgarten. Foto: (c) Zubarik/EAT
Ostern
Ostern, Auferstehungsfeier, Jahresmorgen der Natur, streifst den letzten Winterschleier von der neubelebten Flur, die sich froh dir überlässt, schönes Auferstehungsfest!
(Otto Baisch, deutscher Schriftsteller, Redakteur, Lithograph und Maler, 1840 – 1892)
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht allen hoffnungsvolle Frühlingstage und gesegnete Ostern!
Johannes Falk muss man lesen. Oder noch besser: Man muss ihn hören. Denn der Pädagoge, Sozialreformer und Diplomat blieb Zeit seines Lebens Literat.
Zu dieser Einsicht konnte man am 26. März in Weimar kommen. Unter der Überschrift „Dichter, Denker, Dauerbrenner“ brachte der Journalist und MDR-Thüringen-Moderator Paul Andreas Freyer im Herdersaal den „Johannes von der Ostsee“, den Menschen Falk, nahe. Vieles war dabei O-Ton: „Herz ist meine ganze Habe“ schrieb der junge Dichter als Brautwerbung an die 11 Jahre jüngere Caroline Rosenfeld. Wie schwer es ihm später ums Herz wurde, als er – bis auf zwei Töchter – alle Kinder verlor, wurde ebenso deutlich wie sein großes Herz für die vielen verwahrlosten Kinder, die er in seinem Rettungshaus aufnahm. Als „engherzig“ betrachtete er diejenigen seiner Zeitgenossen, die dafür nur wenig Verständnis aufbrachten.
Mit spitzer Feder schreibend, couragiert und zugewandt, so präsentierte Freyer, der zugleich Vorsitzender des Johannes-Falk-Vereins Weimar ist, einen Dichter, für den galt: „Eine Predigt ist keine Tat, aber eine Tat eine Predigt“. Durch den Abend führte Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich. Er wurde musikalisch umrahmt von Gina Sophie Gäbelein und Lisa Wolf, beide Violine, vom Musikgymnasium Weimar.
Herzliche Einladung zu den weiteren Veranstaltungen des Falk-Jahrs 2026!
Der ursprünglich für den 26. März geplante Vortrag von Prof. Dr. Holger Zaunstöck „Die Weymarischen Freunde werden ermahnet – Weimar und die Franckeschen Stiftungen zu Halle“ soll nachgeholt werden.
Die Tagungsstadt hat augenscheinlich Bezug zum Tagungsthema: Europäische Zentralbank links, Freiwillige Frankfurter Feuerwehr rechts. Was ist für Sie (öffentliche) Daseinsvorsorge? Foto: (c) Fehlberg/EAT
Arbeitsatmosphäre: Katja Rietzler von der Hans-Böckler-Stiftung gleicht die Klima- und Infrastrukturziele mit der tatsächlichen Verwendung des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität ab (per Zuschaltung) . Foto: (c) Fehlberg/EAT
Die Tagung fand in den Räumen der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main statt und war damit Teil des Lehrbetriebs. Foto: (c) Fehlberg/EAT
Die Diskussion am Abend (v.l.n.r): Leo Laurin Wagener (FiscalFuture), Kristin Langen (Journalistin; Moderation), Patrick Kaczmarczyk (Universität Mannheim, u.a. Surplus-Magazin) und Friederike Reimer (Global Climate Forum). Foto: (c) Fehlberg/EAT
Auch das Geld kann durchaus als öffentliches Gut angesehen werden, gibt es doch eine "Geldpolitik". Das Gebäude der Europäischen Zentralbank im romantisierenden Abendlicht. Foto: (c) Fehlberg/EAT
In der Gesellschaft unterscheidet man Privates und Politisches. In der Wirtschaft kann man privatwirtschaftlich bereitgestellte Waren und Gemeinschaftsgüter unterscheiden. So betrachten wohl die meisten die Infrastruktur der Deutschen Bahn AG immer noch als grundlegendes Gemeinschaftsgut. Das Brot aus der Bäckerei ist zwar lebenswichtig, aber es braucht nicht in erster Linie die Öffentlichkeit, die für seine Herstellung sorgt – hier ist der Marktmechanismus am Platz. Wie das Beispiel Deutsche Bahn zeigt: Meist begegnen uns in der Wirklichkeit Mischformen wirtschaftlicher Organisation.
Je nach sozialhistorisch geltenden Wertmaßstäben des absolut und relativ Lebensnotwendigen können sich die Auffassungen sehr wohl ändern, welche Güter gemeinschaftlich oder staatlich organisiert und welche Waren marktwirtschaftlich den Weg zum Konsumenten finden sollen. Der dazugehörige Aushandlungsprozess wird vor allem von den jeweiligen wirtschaftlichen Interessengruppen, der veränderlichen Rechtsordnung und der Wissenschaft buchstäblich bestritten.
Gesundheitswesen: Bevorzugen Sie den hippokratischen Eid oder Gewinnorientierung?
Aber auch Sie mischen mit: Wollen Sie als Patientin lieber den hippokratischen Eid der ärztlichen Ethik als Behandlungsgrundlage oder als Kunde das Profitmotiv der behandelnden ärztlichen Praxen und Krankenhäuser? Beide handlungsethischen Maximen werden sich immer beißen. Sie entscheiden idealerweise an der Wahlurne mit, nach welchen Prinzipien unser aller gesellschaftliche Daseinsvorsorge betrieben wird – und was wir darunter genau verstehen wollen.
Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz „Transformation des Selbstverständlichen“, die am 26. und 27. März in Frankfurt am Main stattfand. Die EAT gehörte neben der Evangelischen Akademie Frankfurt und der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt zu den zahlreichen und gesellschaftlich breit aufgestellten Kooperationspartnern dieser ökumenischen und interdisziplinären Tagung. Der Themenfokus in diesem Jahr: „Alltagsökonomie und Daseinsvorsorge in der sozial-ökologischen Transformation“.
Ökonomie auf ökumenisch – Was haben die Kirchen beizutragen?
Doch was ist „Alltagsökonomie“? Ein Beispiel: Im öffentlichen Diskurs wird „die Arbeit“ meist implizit als Ware auf dem Markt begriffen, inklusive eines Preises: des Lohns. Gleichzeitig wird „die Arbeit“ auch gerne ethisch überhöht oder instrumentalisiert, wenn es mal wieder um angeblich verbreitete Faulheit und unbedingt nötige Mehrarbeit geht. Der schwammige Ausdruck „die Arbeit“ macht einerseits deutlich, dass Marktwaren keine „rein ökonomische“ Herkunft und Bestimmung haben, und andererseits, dass Arbeit eine soziale Größe ist, die nicht losgelöst vom realen, nicht-marktförmigen Alltagsleben der Menschen betrachtet werden kann.
Alltagstauglich? Ökonomie ist nicht das Gleiche wie Kapitalismus
An dieser Schnittstelle berührt sich die Alltagsökonomie mit dem Rechts- und Wissenschaftskonzept der sozialstaatlichen Daseinsvorsorge. Als wissenschaftliche Konzeptionen hinterfragen sie, welche Ziele und Güter des ökonomischen Handels als gesellschaftlich unverzichtbar gewertet und womöglich mit anderen Mitteln als denen des profitorientierten und oft betriebsblind wirkenden Marktmechanismus bereitgestellt werden können und sollten. Kurz und zugespitzt: Ökonomie ist eben nicht identisch mit Kapitalismus.
In Zeiten, in denen Energiekrisen der fossilen Energieträger in kurzer Folge über Deutschland hereinbrechen, ist es überfällig, dass Wissenschaften und Kirchen die Lautstärke der Debatten um die „Alltagsökonomie“ und die öffentliche Daseinsvorsorge wieder erhöhen. Die strategische Ausrichtung der Energiepolitik auf fossile Energieträger wie Öl und Gas entfaltet absehbar eine verheerende Wirkung auf unseren Alltag. Der entschlossene Ausbau Erneuerbarer Energien liegt sehr viel näher am öffentlichen Interesse an einer intakten Lebenswelt sowie an Bezahlbarkeit, Sicherheit und Frieden. Fossile Freiheit – das ist nicht nur sprachlich ein Widerspruch in sich. Es ist ein uneinlösbares Versprechen, eine nur scheinbar bequeme Selbsttäuschung.
Energiepolitik: Ist das ein reines Geschäftsmodell oder noch Daseinsvorsorge?
Viele Konferenzteilnehmer konnten sich denn auch der moralischen Beurteilung aktueller Fragen nicht entziehen: Für etliche drängte sich der Verdacht auf, dass mit der Energiepolitik in Deutschland nur ein spezifisches privates Geschäftsmodell gesichert, nicht aber die Aufgabe der Daseinsvorsorge im Sinne der Bevölkerung gelöst werden soll. „Die Wirtschaft“ – das dürfe nicht länger die exklusive Bezeichnung allein für Akteure mit Profitmotiv und starker Lobbymacht sein.
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Das Programm und die Beitragenden der Konferenz können Sie im Downloadbereich dieses Artikels abrufen. In Kürze stellen wir die freigegebenen Präsentationen zur Verfügung.
Der Dozent John-Michael Mendizza verriet so einige Tricks in Sachen Voreinstellungen der Kamera. Foto: (c) Zubarik/EAT
Beim anfänglichen Input gab es mitunter auch erheiternde Beispiele. Foto: (c) Zubarik/EAT
In den Praxisübungen wurden Strukturelemente des Zinzendorfhauses aus vielen Blickwinkeln fotografiert. Foto: (c) John-Michael Mendizza
Nichts geht heutzutage schneller als mit ein paar Stichworten ein passendes KI-generiertes Bild zu erstellen. Und gleichzeitig wird die Verwendung von „echten“ Fotos aufgrund vieler Bestimmungen und auch ethischen Überlegungen immer komplizierter. Nicht nur Personen, die mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun haben, auch Fotografie-Interessierten im privaten Bereich ist daher die Beschäftigung mit Fragen der Bilderstellung und -gestaltung ein Anliegen.
Bei der Fotografie-Werkstatt am 26. März im Zinzendorfhaus Neudietendorf hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, zu vielen technischen und gestalterischen Aspekten mehr zu erfahren, praktische Aufgaben auszuprobieren und über die Wahrnehmung von Bildern in Austausch zu treten.
Unter dem Motto „Welche ‚Wahrheit‘?“ zeigte der Referent John-Michael Mendizza, wie etwa Brennweite, Position oder Beleuchtung ein und dieselbe Szene sehr unterschiedlich darstellen können und damit mehrere ‚Wahrheiten‘ vermitteln: So waren in einem fotografischen Projekt aus Kopenhagen, das während der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, Menschen im Stadtraum mal in dichtem Nebeneinander, mal mit großem Abstand zu sehen, je nachdem, aus welcher Perspektive und mit welcher Kameraeinstellung zum selben Zeitpunkt der Szene gearbeitet wurde.
Auch mit dem Zuschnitt des Bildes kann die Interpretation des Betrachters in unterschiedliche Richtungen gelenkt werden. Ein zähnefletschender Hund wird als aggressiv wahrgenommen; ist auf dem Foto jedoch ein Ball zu sehen, werten wir den Ausdruck des Tiers als Spielfreude. Harte Schatten, weiches Hintergrundlicht, bläuliche Färbung, Blick von unten oder oben – all dies entscheidet, was wir mit der Abbildung an Bedeutungen mittransportieren.
Im ersten Praxisteil probierten die Teilnehmenden im Anschluss an den Input-Vortrag auf dem Gelände des Zinzendorfhauses aus, wie sie mit den genannten technischen Möglichkeiten zwei Variationen eines Bildgegenstandes erzeugen können.
Am Nachmittag ging es um „Zeigen und Weglassen“. Hier kamen auch praktische Fragen ins Spiel: Was tun, wenn eine Person aus der Gruppe nicht abgebildet werden will, ich aber dennoch ein Gruppenfoto erstellen soll? Wie dokumentiere ich die Lebendigkeit eines Kinderfestes, wenn doch Kinderbilder aufgrund der Mißbrauchsmöglichkeiten nicht mehr ins Netz gestellt werden sollen? Welches Symbolfoto wähle ich für eine Tagung mit schwieriger, eventuell mit negativen Emotionen verbundener Thematik? Wie kann ich eine kritische Perspektive auf eigentlich idyllische Inhalte erzeugen?
Nach der zweiten Praxisrunde wurden die Ergebnisse ausgewertet: Die Teilnehmenden gaben sich untereinander wertvolles Feedback, wie die Bilder jeweils auf sie wirkten und wie man sie durch weitere Veränderungen noch aussagekräftiger gestalten könnte. John-Michael Mendizza steuerte seine Expertise bei, lieferte nützliche Tipps und zeigte in einer ad-hoc-Bearbeitung der Bilder weitere Gestaltungsmöglichkeiten.