Evangelische Akademie Thüringen

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Akademiearbeit unter dem Zeichen von Inklusion

Tagungsflyer "Inklusive Gesellschaft?!". Foto: (c) Zubarik/EAT
Tagungsflyer "Inklusive Gesellschaft?!". Foto: (c) Zubarik/EAT

„Mit der Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK, 2006) hat sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, ‚ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen‘ (Art. 24 (1) UN-BRK) zu verwirklichen. Auch die politische Bildung steht seither in besonderer Verantwortung, von Ausgrenzung betroffene Menschen vermehrt einzubeziehen.“

Unter diesen Prämissen kamen diese Woche in Tutzing an der Akademie für Politische Bildung vom 11. bis 12. Mai Politik-, Sozial- und Erziehungswissenschaftler:innen sowie in der Bildungsarbeit Tätige zur Tagung „Inklusive Gesellschaft?!“ zusammen.

Mit dabei waren Mark Medebach, Bereichsleiter für politische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. und Dr. Sabine Zubarik, Studienleiterin für Medien, Kunst und Gesellschaft an der Evangelischen Akademie Thüringen. Sie präsentierten in ihrem gemeinsamen Vortrag unter dem Titel „Alle(s) mitdenken?! Inklusive und barrierearme politische Bildung und Diskursarbeit in Evangelischen Akademien“ Ergebnisse aus der vierjährigen Zusammenarbeit der Innovationsgruppe Inklusive Politische Bildung und dem 2025 veröffentlichten Working Paper.

Mark Medebach und Sabine Zubarik fragten in ihrem Beitrag, wie das Leitbild einer inklusive(re)n Gesellschaft, in der eine gerechte und selbstbestimmte Teilhabe für potentiell alle Menschen möglich ist, prozesshaft in der Bildungspraxis umgesetzt werden kann. Ausgehend von einem breiten Verständnis von Inklusion, der den Fokus von Menschen mit Behinderungen erweitert auf vielfältige Differenzen und besondere Bedarfe in heterogen zusammengesetzten Gruppen, sprachen sie vom Ziel einer möglichst weitgehenden Barrierearmut für alle Beteiligten statt Barrierefreiheit für Einzelne. Es geht also um Kompromisse und Aushandlungen, insbesondere auch im Rahmen der vorhandenen Ressourcen wie Personal, Finanzmittel, bauliche und strukturelle Gegebenheiten und nicht zuletzt Zeit.

Eine solche Herangehensweise erfordert auch die (selbst-)reflexive Haltung der Bildungsanbieter:innen: Welche Vorurteile und Haltungen bringen wir in unsere Arbeit mit ein, aus welchen gesellschaftlichen Positionen heraus und mit welchen Privilegien agieren wir? Was halten wir für „normal“? Welcher Beitrag für eine Veranstaltung scheint uns „wertvoll“? Wo können wir etwas Neues lernen statt vermeintlich schon „zu wissen“?

Diesbezüglich ist bereits in der Planung und Vorbereitung einer Veranstaltung wichtig, Personen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen von Anfang an miteinzubeziehen und ihre Expertise bei der Themenauswahl und der Durchführung ernst zu nehmen, aber auch über Grenzen und Hürden zu sprechen und diese zu akzeptieren. Manchmal bedeutet das, Zielgruppen durchaus Methoden oder Themen „zuzumuten“: Warum keine europäische Erinnerungsarbeit mit Menschen mit geistiger Erinnerung angehen oder Personen mit Legasthenie zu einer Erzähl- und Schreibwerkstatt einladen? Manchmal bedeutet es auch ein Umdenken in der Vielfältigkeit von Partizipation: Wenn jemand nicht auf dem Podium exponiert sein möchte, kann beispielsweise ein vorab aufgenommenes Videointerview gezeigt werden.

Zwei mitgebrachte Veranstaltungsbeispiele der Akademien Bad Boll und Thüringen berichteten, wie dies in der Praxis angegangen werden kann.

Die Tagungsbeiträge sollen im Nachgang der Veranstaltung in einem Sammelband veröffentlicht werden.