Bonhoeffer in Buchenwald

Dr. Sebastian Kranich | © Peter Runkewitz 
Katharina Hackhausen | © Peter Runkewitz 
Christian Rothe (l.) und Günther Jeschonnek | © Peter Runkewitz 
Podium mit Heinrich Bedford-Strohm(l.), Ulrich Neymeyr, Annegret Schüle und Bodo Ramelow | © Peter Runkewitz 
Publikum im Augistinerkloster | © Peter Runkewitz
Am 7. Februar 1945 verschleppte die Gestapo Dietrich Bonhoeffer nach Buchenwald. Auf den Tag genau, 81 Jahre später, wurde im Augustinerkloster Erfurt der Foto- und Essayband „Buchenwald – Im Dickicht vom Ettersberg“ präsentiert.
Wie kann man sich dem Geschehen an diesem (Un)-Ort heute wahrhaftig annähern? Wie ist es möglich, in einer Zeit, in der der Geschichtsrevisionismus erstarkt, Gedenkstätten angegriffen werden und massenhaft KI-generierte Fake-Bilder der NS-Verbrechen soziale Netzwerke fluten?
An diesem Nachmittag wurde der Versuch mit den Mitteln der Kunst und des Gesprächs unternommen. Und er gelang. Ja mehr noch: Die aktuelle Bedrohung von Menschlichkeit und Menschenrechten hierzulande kam ebenfalls ausgiebig zur Sprache.
Eindrücklich wirkten die Schwarz-Weiß-Bilder von Christian Rothe, die langsam am Auge der Betrachtenden vorbeizogen: Ruinen, kaum noch erkennbare Fundamente, Treppen, Zäune, Wege, aufgenommen auf dem riesigen Areal auf dem Ettersberg bei Weimar. Der Eindruck der Aufnahmen wurde noch gesteigert durch die Begleitung der Präsentation durch Klavierkompositionen von Robert Schumann, Frédéric Chopin und Sergej Rachmaninow, gespielt von Deren Wang (HfM Weimar). Bewegend waren die von Katharina Hackhausen (DNT Weimar) gesprochenen Texte von Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller.
Im Zweiergespräch informierten Herausgeber Günter Jeschonnek und Christian Rothe über die Entstehung der Bilder und das gesamte – international aufsehenerregende – Projekt. Ganz in die Gegenwart führte schließlich das von Annegret Schüle (Leiterin des Erinnerungsorts Topf & Söhne) moderierte Gespräch von Heinrich Bedford-Strohm (Vors. des Weltkirchenrats), Ulrich Neymeyr (Bischof von Erfurt) und Bodo Ramelow (Bundestagsvizepräsident). Ausgehend von persönlichen Hintergründen und Erfahrungen mahnten alle drei eindringlich vor dem Gift völkisch-nationalen Denkens und drohenden Regierungsbeteiligungen der AFD. Einen Mitschnitt des Podiums werden wir auf unserem YouTube-Kanal veröffentlichen.
Nach Buchpräsentation und Gespräch begrüßte der Großteil der über 120 Gäste der Veranstaltung den Sonntag in der Augustinerkirche. Gemeinsam wurde dabei auch Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ gesungen. Beim anschließenden Empfang im Haus der Versöhnung gab es reichlich Gelegenheit zum Austausch über das intensiv Erlebte.