Evangelische Akademie Thüringen

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„Ich sehe Hoffnung für die Gesellschaft!“ – Mit Boals Theater der Unterdrückten durch aufgewühlte Zeiten

Eine Forumtheater-Szene wurde in einem Standbild „eingefroren“, um alternative Handlungsvorschläge aus dem Publikum zu besprechen. Foto: (c) Till Baumann
Eine Forumtheater-Szene wurde in einem Standbild „eingefroren“, um alternative Handlungsvorschläge aus dem Publikum zu besprechen. Foto: (c) Till Baumann

Wie halten wir den Blick nach vorn in einer Zeit, in der Demokratie unter Druck steht? Wie gestalten wir politische Bildung vor dem Hintergrund zunehmender Polarisierung, aggressiver Diskurse und unsicherer Förderbedingungen? Vom 27. bis 29. Oktober 2025 fand der inspirierende und mutmachende Workshop „Politische Bildung in aufgewühlten Zeiten – Theater der Unterdrückten als Reflexionsraum für die Bildungspraxis“ statt. Augusto Boals Theatertechniken haben mittlerweile Tradition an der Ev. Akademie und so versammelten sich um Workshopleiter und Boal-Experte Till Baumann 12 schon erfahrene Teilnehmende aus dem Feld der politischen (Jugend-)Bildung, die mitunter auch weit über Thüringen hinaus, den Weg nach Erfurt ins Bildungshaus St. Ursula auf sich nahmen.

Nach behutsamer Einführung in vertraute, aber auch neue spielerische Theaterübungen und einem Herantasten an den thematischen Schwerpunkt, ging es ans direkte Ausprobieren einiger Methoden aus Boals Repertoire, wie dem „Forumtheater“ oder introspektiver Techniken, wie dem „Regenbogen der Wünsche“ oder dem „Leinwand-Bild“. Stets prozessorientiert wurden konkrete Situationen und reale Fragen und Themen aus dem (Arbeits-)Umfeld der Teilnehmenden aufgegriffen, in der Gruppe besprochen und szenisch aufbereitet. Herzstück und Kernelement der erprobten Techniken war dabei immer, die teilweise starren und ausweglosen Szenen spielerisch zu verändert und aufzubrechen, um alternative Lösungswege vorzuschlagen und im erneuten Spiel einer Situation zu erproben.

Wenn das im echten Leben nur auch so funktionieren würde: Eine schwierige Situation einfach mal einfrieren, innehalten und reflektieren, zurückspulen und sie noch einmal von vorn durchspielen und etwas daran zum Positiven verändern. Das geht natürlich in flüchtigen Alltagssituationen nicht und dennoch waren sich die Teilnehmenden einig: Die intensive gemeinsame Auseinandersetzung mit konkreten Konflikten und die körperliche Erprobung von unterschiedlichen Lösungsansätzen führt zu einem neuen Handlungsrepertoire, auf das sie in ähnlichen Situationen im Alltag zurückgreifen können.

Drei Tage Austausch und Begegnung, Verbindung von Kopf und Körper, Impulse aus einem spannenden Methoden-Mix, neue Perspektiven und gemeinsames Krafttanken. Das Feedback der Teilnehmenden reichte von „Reichen diese Methoden, um damit Wirkung in herausfordernden Zeiten zu erzielen?“ über „Die Methoden Boals begleiten mich seit drei Jahren und sind mittlerweile zu einer Art Lebensschule für mich geworden“ bis hin zu „Ich sehe Hoffnung für die Gesellschaft!“ Workshops dieser Art sind nicht nur Lehrstoff, sondern Erlebnis, nicht nur Fortbildung, sondern Gemeinschaft – und Gemeinschaft trägt. Wer politische (Jugend-)Bildung macht, bekam hier Gelegenheit, aufzutanken, weiterzudenken und neue Wege zu finden.