Nicht nur eine Frage der Perspektive

Der Dozent John-Michael Mendizza verriet so einige Tricks in Sachen Voreinstellungen der Kamera. Foto: (c) Zubarik/EAT 
Beim anfänglichen Input gab es mitunter auch erheiternde Beispiele. Foto: (c) Zubarik/EAT 
In den Praxisübungen wurden Strukturelemente des Zinzendorfhauses aus vielen Blickwinkeln fotografiert. Foto: (c) John-Michael Mendizza
Nichts geht heutzutage schneller als mit ein paar Stichworten ein passendes KI-generiertes Bild zu erstellen. Und gleichzeitig wird die Verwendung von „echten“ Fotos aufgrund vieler Bestimmungen und auch ethischen Überlegungen immer komplizierter. Nicht nur Personen, die mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun haben, auch Fotografie-Interessierten im privaten Bereich ist daher die Beschäftigung mit Fragen der Bilderstellung und -gestaltung ein Anliegen.
Bei der Fotografie-Werkstatt am 26. März im Zinzendorfhaus Neudietendorf hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, zu vielen technischen und gestalterischen Aspekten mehr zu erfahren, praktische Aufgaben auszuprobieren und über die Wahrnehmung von Bildern in Austausch zu treten.
Unter dem Motto „Welche ‚Wahrheit‘?“ zeigte der Referent John-Michael Mendizza, wie etwa Brennweite, Position oder Beleuchtung ein und dieselbe Szene sehr unterschiedlich darstellen können und damit mehrere ‚Wahrheiten‘ vermitteln: So waren in einem fotografischen Projekt aus Kopenhagen, das während der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, Menschen im Stadtraum mal in dichtem Nebeneinander, mal mit großem Abstand zu sehen, je nachdem, aus welcher Perspektive und mit welcher Kameraeinstellung zum selben Zeitpunkt der Szene gearbeitet wurde.
Auch mit dem Zuschnitt des Bildes kann die Interpretation des Betrachters in unterschiedliche Richtungen gelenkt werden. Ein zähnefletschender Hund wird als aggressiv wahrgenommen; ist auf dem Foto jedoch ein Ball zu sehen, werten wir den Ausdruck des Tiers als Spielfreude. Harte Schatten, weiches Hintergrundlicht, bläuliche Färbung, Blick von unten oder oben – all dies entscheidet, was wir mit der Abbildung an Bedeutungen mittransportieren.
Im ersten Praxisteil probierten die Teilnehmenden im Anschluss an den Input-Vortrag auf dem Gelände des Zinzendorfhauses aus, wie sie mit den genannten technischen Möglichkeiten zwei Variationen eines Bildgegenstandes erzeugen können.
Am Nachmittag ging es um „Zeigen und Weglassen“. Hier kamen auch praktische Fragen ins Spiel: Was tun, wenn eine Person aus der Gruppe nicht abgebildet werden will, ich aber dennoch ein Gruppenfoto erstellen soll? Wie dokumentiere ich die Lebendigkeit eines Kinderfestes, wenn doch Kinderbilder aufgrund der Mißbrauchsmöglichkeiten nicht mehr ins Netz gestellt werden sollen? Welches Symbolfoto wähle ich für eine Tagung mit schwieriger, eventuell mit negativen Emotionen verbundener Thematik? Wie kann ich eine kritische Perspektive auf eigentlich idyllische Inhalte erzeugen?
Nach der zweiten Praxisrunde wurden die Ergebnisse ausgewertet: Die Teilnehmenden gaben sich untereinander wertvolles Feedback, wie die Bilder jeweils auf sie wirkten und wie man sie durch weitere Veränderungen noch aussagekräftiger gestalten könnte. John-Michael Mendizza steuerte seine Expertise bei, lieferte nützliche Tipps und zeigte in einer ad-hoc-Bearbeitung der Bilder weitere Gestaltungsmöglichkeiten.