Ab sofort können sich Wähler:innen mit dem Wahl-O-Mat zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 einen schnellen Überblick über die Positionen der antretenden Parteien verschaffen. Das Online-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), das in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt entsteht, unterstützt dabei, die eigenen politischen Standpunkte mit denen der Parteien zu vergleichen.
Doch bevor der Wahl-O-Mat online gehen konnte, steckte eine Menge gemeinsamer Arbeit dahinter: Am letzten Maiwochenende kamen 21 Jungwähler:innen aus ganz Sachsen-Anhalt in der Evangelischen Akademie Wittenberg zusammen. Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft, politischer Bildung und Journalismus entwickelten sie die inhaltliche Grundlage des Wahl-O-Maten. Ihr Ziel: Thesen zu formulieren, die politische Debatten in Sachsen-Anhalt aufgreifen, verständlich formuliert und für die Landtagswahl wirklich relevant sind.
Unterstützt wurden die Arbeitsgruppen dabei von Expert:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen. So brachte unter anderem die Studienleitung für politische Jugendbildung der Evangelischen Akademie Thüringen ihre Expertise im Themenfeld Bildung und Familie ein und begleitete die Teilnehmenden bei der Entwicklung und Schärfung der entsprechenden Thesen.
An nur einem Wochenende entstanden so mehr als 80 Thesen zu den Themenfeldern Arbeit, Wirtschaft und Finanzen, Bildung und Familie, Inneres, Justiz, Demokratie und Föderalismus, Soziales, Wohnen, Gesundheit, Kultur und Freizeit sowie Umwelt, Energie, Verkehr und Infrastruktur. Der Workshop führte die Teilnehmenden Schritt für Schritt durch den gesamten Entstehungsprozess. Nach dem Kennenlernen und einer Einführung in die Themengebiete ging es zunächst um die Parteienlandschaft in Sachsen-Anhalt. Anschließend wurden in Kleingruppen Ideen gesammelt, Themen geclustert und aktuelle politische Debatten identifiziert. Daraus entstanden erste Thesen, die gemeinsam diskutiert, überarbeitet und schließlich priorisiert wurden.
Im nächsten Schritt waren die Parteien gefragt: Insgesamt 15 Parteien beantworteten die erarbeiteten Thesen und begründeten ihre Positionen. Diese standen in der vergangenen Woche erneut im Mittelpunkt eines Auswahlworkshops. In einem intensiven partizipativen Abstimmungsverfahren wurde schließlich auf die 38 Thesen reduziert, die nun den offiziellen Wahl-O-Mat zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 bilden.
Das Ergebnis ist ab sofort online: Mit den 38 Thesen können Nutzer:innen ihre eigenen Positionen mit denen der Parteien vergleichen und sich so eine Orientierung für die anstehende Landtagswahl verschaffen.
Am 9. Sonntag nach Trinitatis hielt Pfarrer Dr. Sebastian Kranich den Abendmahlsgottesdienst in der Herderkirche Weimar. „Das war mutig.“ Und: „Danke für die klaren Worte“ lauteten zwei Reaktionen bei der Verabschiedung an der Kirchentür. In seiner Predigt über die Berufung des Propheten Jeremia hatte er dessen Zeit mit der unsrigen verglichen und gesagt:
„Wir sind in einer ernsten Situation. Und in dieser Lage ist daran zu erinnern: Das ganze Prophetenbuch Jeremia mit seinen 52 Kapiteln kreist um die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 587/86 v. Chr. Es kreist um die Fragen, ob die Katastrophe hätte vermieden werden können und warum das nicht geschah.
Jeremia ist darin derjenige, der von Gott beauftragt und ermächtigt wird, vor dem Unheil zu warnen und zur Umkehr zu rufen. Und das sind wir heute als Christen in Sachsen-Anhalt und in Thüringen ebenfalls. Wir sind von Gott beauftragt und ermächtigt, den Mund aufzumachen und unseren Mitmenschen zu sagen, wohin es führen kann und wird, wenn die blaue Partei noch mehr Macht erhält, als sie schon hat.“
Die ganze Predigt können nachlesen können Sie hier.
Die Jugendlichen gestalten ihre eigene Lutherrose, Foto: (c) Möller/EAT
Die fertigen Lutherrosen können sich sehen lassen, Foto: (c) Möller/EAT
Interaktive Stadtführung mit dem Stadtführer Heiko Kleinschmidt, Foto: (c) Möller/EAT
Während der Stadtführung wird gewürfelt und gerätselt, Foto: (c) Möller/EAT
Im Escape-Room zur Eisenacher Stadtgeschichte wird ebenfalls viel gerätselt, Foto: (c) Möller/EAT
Bibelübersetzung zum Gleichnis vom verlorenen Schaf, Foto: (c) Möller/EAT
Im Bildungsmodul "Die Bibelübersetzung" haben die Jugendlichen einen Song komponiert, Foto: (c) Möller/EAT
Letzte Woche waren 27 Schüler und Schülerinnen vom Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium aus Obersulm zur Klassenfahrt in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach. Dabei standen natürlich der Besuch der Wartburg, des Lutherhauses und der Drachenschlucht auf dem Programm. Daneben wurden viele der hausinternen Bildungsangebote genutzt: Am Montag ging es gleich los mit einer besonderen Stadtführung. Da die Siebtklässler:innen das Smartphone wenig benutzen sollten, wurde eine Mitmach-Würfel-Ralley entwickelt. Auf den drei großen Marktplätzen der Stadt Eisenach erwürfelten sich die Jugendlichen ihre Aufgaben. Es wurde gesucht, gemalt, abgepauscht und auch Passant:innen mussten befragt werden. Am Ende wurden alle Würfelaugen zusammengerechnet und die Siegergruppe gekürt.
Am Abend ging es dann in der Jugendbildungsstätte mit dem Escape-Room zur Eisenacher Stadtgeschichte weiter, in dem die Jugendlichen als Detektiv:innen das Rätsel des Junker Jörgs lösen mussten.
Am Dienstagmorgen standen dann gleich zwei Bildungsmodule auf dem Programm: „Die Bibelübersetzung“ und „Die Lutherrose“. Die eine Gruppe versetzte sich in Martin Luther, der auf der Wartburg das Neue Testament übersetzte. Bei der Übersetzung des Gleichnisses des verlorenen Schafs entstanden tolle Bildergeschichten, eine Theaterszene und ein selbstkomponiertes Lied mit dem Titel: „I would give all for you“, das beim Vorsingen wirklich Gänsehaut erzeugte. Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema Lutherrose und Marken. Im Mitmachteil kreierten die Jugendlichen ihre eigene Lutherrosen-Brosche aus ofenhärtender Knetmasse.
Am Abend ging es dann auf Rätsel-Nachtwanderung durch den Wald zur Wartburg und wieder zurück durch die Stadt zur Jugendbildungsstätte. Diesmal stand nicht Luther, sondern die Heilige Elisabeth im Fokus.
Am Mittwoch besuchte die Gruppe den Baumwipfelpfad im Hainich und abends spielte dann die andere Hälfte der Jugendlichen den Escape-Room und konnte hochmotiviert einen neuen Zeitrekord im Lösen der Rätselaufgaben aufstellen.
Neben den kreativen, lustigen und historischen Programmpunkten genossen die Jugendlichen die Freiheit auf dem Gelände der Jugendbildungsstätte, saßen bei herrlichem Wetter oft auf der Wiese oder spielten Tischtennis.
Kaum reichte der Tisch, noch die Zeit bei so vielen literarischen Funden. Foto: (c) Zubarik/EAT
Vor der Runde im Garten bot Michael Gutberlet eine 45-minütige literarische Stadtführung an. Foto: (c) Zubarik/EAT
Alljährlich im Juli geht der Literarische Garten auf Tour nach Rudolstadt. Im lauschigen Garten des Schillerhauses fanden sich am Dienstag, 14. Juli gleich 14 Personen ein, um über ihre mitgebrachten Bücherfunde zu sprechen. Wie immer waren die Vorstellungen vielseitig: Romane, Biographien, Sachbücher, aber auch ein Krimi und ein Thriller und Satirisches waren dabei – das meiste davon nach der Jahrtausendwende erschienen. Von den Schauplätzen ging die Reise nach Grönland, in die Provence, nach London, auf eine tropische Insel, mehrfach Deutschland und immer wieder in die USA. Kritisches war dabei zu Konsumkultur, Umweltzerstörung und Klimawandel, aber auch Romantisches zu Kindheitserinnerungen und literarisch Experimentelles zur Nichtlinearität von Lebensläufen und Familiengeschichten.
Wer sich für die kommende Urlaubszeit inspirieren lassen möchte, findet hier alle vorgestellten Werke (das Erscheinungsdatum bezieht sich jeweils auf die Erstveröffentlichung des Originals):
Vor der eigentlichen Literaturrunde im Garten gab es noch ein besonderes Highlight zum Einstieg: Michael Gutberlet führte durch die Innenstadt an Orte mit literarischem Bezug, von denen Rudolstadt sehr viele zu bieten hat.
Der Literarische Garten ist eine Veranstaltungsreihe, die an verschiedenen Orten und Einrichtungen stattfindet. Sollten Sie Interesse an der Organisation eines Termins haben, sprechen Sie uns gerne an.
Schottenkirche Erfurt: Projekt ökumenische Jugendkirche | Foto EAT/SK
Die katholische Kirche in Erfurt nimmt vier von sieben Kirchen aus dem gottesdienstlichen Gebrauch – zum 1. Advent 2026. Diese Nachricht platzte in die Planung der Tagung „Laufsteg statt Liturgie“ und ließ es noch dringlicher erscheinen, in ökumenischer Perspektive über die Umnutzung von Kirchen zu diskutieren.
Vom 1. bis 3. Juli trafen sich dazu Fachleute, Ehrenamtliche, Studierende und weitere Interessierte im Bildungshaus St. Ursula Erfurt. Beim abendlichen Eröffnungspodium stellte Prof. Monika Grütters (Kulturstaatsministerin a.D.) klar: Ihr blute das Herz, wenn Kirchen profaniert werden. Zugleich gebe es weniger Kirchenmitglieder und weniger kirchliche Mittel für deren Erhalt. Daher solle sich der Staat „an den Gedanken gewöhnen, dass er eine Mitverantwortung für Kirchen als kulturelle Ankerpunkte geistlichen und öffentlichen Lebens hat“. Für Umnutzungen gelte aus ihrer Sicht grundsätzlich: „Besser als der Abriss einer Kirche ist eine private Nutzung, etwa als Büro oder Wohnung. Noch besser als eine private Nutzung ist eine öffentliche Nutzung – zum Beispiel als Museum, Kita oder Kulturort. Noch besser als eine öffentliche Nutzung ist eine kirchliche Nachnutzung, zum Beispiel als Kolumbarium“ – so Monika Grütters auch in einem Interview anlässlich der Tagung. Dipl.-Ing. Elke Bergt (Leiterin des EKM-Baureferats) skizzierte die gegenwärtige Lage so: Die mitteldeutsche Landeskirche sei „steinreich“ an Gebäuden und „arm“ an Geld. Zugleich gebe es 400 Kirchbauvereine, die sich vor Ort kümmern. In den kommenden Jahren müsse ein gestuftes Nutzungskonzept umgesetzt werden – vom Vollbetrieb bis hin zum Dornröschenschlaf. Gute Ideen zur Umnutzung gebe es sehr viele, aber die Umsetzung von Modellprojekten gestalte sich oft schwierig. Dr. Thomaš Holub schilderte eine noch drastischere Lage. Als katholischer Bischof von Pilsen habe er in den letzten Jahren reihenweise die Übergabe von Kirchgebäuden an die Kommunen begleitet. Diese gestaltete sich jedoch sehr gut, da eine neue Generation in den Kirchen ihre Wurzeln suchte, die sie nicht hat. Seine Realität sei: 90 Prozent der Kirchgebäude müssen abgegeben werden, um 10 Prozent zu erhalten. Dr. Tobias Knoblich (Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur) beschrieb Kirchen als wesentlich für die baulich-geistliche Topographie. Sie dürften nicht zu Spekulationsobjekten werden, sondern seien gerade bei Umnutzungen sensibel, mit Respekt und Demut zu behandeln. Kirchen seien Gemeingüter – auch in der Hinsicht baukultureller Bildung. Umnutzung müsse immer auch Teil der Bewahrung sein.
Am Folgetag sprach sich Prof. Dr. Benedikt Kranemann für die Nutzung von Kirchen für eine breitere Öffentlichkeit aus. Der Liturgiewissenschaftler und Leiter des Theologischen Forschungskollegs der Universität Erfurt kritisierte enge Vorstellungen der Ausrichtung kirchlicher Räume auf Gottesdienst, Frömmigkeit und Gottesverehrung als ahistorisch und gegenwartsfern. Die drei Kernpunkte seines Vortrages zur Umnutzung katholischer Kirchenräume lauteten: Spiritualität: Entwicklung neuer Konzepte für die Praxis von Liturgie und Frömmigkeit. Kultur: keine Musealisierung, sondern ein Gespräch von Kunst, Mensch, Alltag, Glaube. Diakonie: soziales Engagement in Rückbesinnung auf den Kirchenraum. Elisabeth März stellte im Anschluss Ergebnisse der DFG-Forschungsgruppe zur Sakralraumtransformation vor. In Kirchen wirkten Raum und liturgische Praxis aufeinander ein, so die Doktorandin am Institut für Praktische Theologie an der Universität Leipzig. Sakralität entstehe so immer im Prozess, werde immer neu ausgehandelt, verschwinde dabei nicht, sondern transformiere sich. Da Sakrales weit mehr als Liturgie und Sakrament sei, gebe es auch viele Nutzungserweiterungen in geweihten oder gewidmeten Räumen, von denen sie etliche präsentierte.
Im Anschluss an die theologische Perspektive wurden die stadtplanerische Sichtweise und die des Denkmalschutzes eingenommen. Katja Fischer (Geschäftsführende Vorständin der Stiftung Baukultur Thüringen) fokussierte die Zukunft der Kirche auch in ländlichen Räumen. An Modellprojekten zeige sich immer wieder: Die Gebrauchsbeziehungen müssen wiederhergestellt werden. Menschen vor Ort müssten wieder bereit sein, für „ihre“ Kirchen Sorge zu tragen, wie es beim Konzept der „Herbergskirchen“ der Fall sei, so Katja Fischer. Daneben gebe es Eingriffe, die mehr als „minimalinvasiv“ seien, wie beim Projekt des Umbaus der Martinskirche Apolda zu einem soziokulturellen Zentrum. Großen Respekt vor dem Modell-Projekt „StadtLand:Kirche“ der EKM mit der IBA Thüringen bekundete Dipl.-Ing.Arch. Jörg Beste (Gründer des Büros „synergon – Stadtentwicklung, Sozialraum, Baukultur). Damit sein Thüringen in Deutschland in eine Vorreiterrolle gekommen ist. Den Blick auf NRW lenkend stellte er weiter fest: Eine Umfrage zur Umnutzung von Kirchen in NRW habe ergeben: Die Mehrheit wünsche eine gemeinwohlorientierte Nutzung und Umnutzung von Kirchen. Kirchengebäude seien keine Last, sondern eine Chance für Kirche und Zivilgesellschaft, so Beste. Die Idee, Ballast abzuwerfen, sei hier verfehlt. Denn: „Wer Ballast abwirft, verlängert nur den Sinkflug.“ Es komme vielmehr darauf an, neue Energien für den Weiterflug zu gewinnen.
In der zweiten Tageshälfte begaben sich die Teilnehmenden auf eine Exkursion nach Mühlhausen. In einzigartiger Weise, so wurde rasch klar, wird hier seit Jahrzehnten eine Umnutzung von Kirchen praktiziert, die das faszinierende Stadtbild der ehemaligen Reichsstadt erhält und zugleich viele praktische und ästhetische Lösungen ermöglicht hat. Ausgespart bei der Exkursion wurden die bekannten, in Kirchen befindlichen Museen. Besichtigt wurden die Kilianikirche (Theaterwerkstatt 3K) und die Jakobikirche (Stadtbibliothek). Dipl.-Ing. Matthias P. Gliemann (Architekt) und Stefan Zeuch (Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudeservice, Stadtverwaltung Mühlhausen) schilderten anschaulich die Prozesse der Sanierungen und Umbauten, die mit erheblichen finanziellen Mitteln ermöglicht wurden.
Am dritten Tag schloss sich organisch eine Werkstatt zur Umnutzung von Erfurter Kirchen am Beispiel und in der Schottenkirche Erfurt an. Diese im Ursprung romanische, katholische Kirche soll zu einer ökumenischen Jugendkirche umgebaut werden: mit Schülercafé, Veranstaltungs- und Sakralraum. Das Schottentheater soll hier ebenso räumliche Möglichkeiten finden wie die Gruppen zur Vorbereitung auf die Firmung bzw. die Konfirmation. Die Teilnehmenden diskutierten unter dem Eindruck der vorangegangenen Tage diese Projekt-Ideen mit zwei Verantwortlichen vor Ort äußerst lebhaft, interessiert und durchweg wohlwollend.
Das anschließende Tagungsresümee im Bildungshaus St. Ursula fiel ebenso positiv aus. Viele hatten viel Neues gehört und waren auf Ideen gekommen. Ein Wissenschaftler lobte die Tagung als gelungenes „Beteiligungsformat“, in dem Fachleute, ehrenamtlich Engagierte und Studierende sowie allgemein am Thema Interessierte tatsächlich in einen dynamischen Austausch getreten seien. Für die mitteldeutsche Kirchenlandschaft bleibt festzuhalten: Nach der Phase der Kirchenrettung und Kirchensanierung seit 1990 steht jetzt die Aufgabe, Kirchennutzung und Kirchenumnutzung unter den gegebenen Bedingungen neu und zukunftsfähig zu konzipieren und zu gestalten. Und zwar, wo immer möglich, unter der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Kommunen und auch des Staates. Denn: Kirchen sind Gemeingüter.
Nicole Trunt interpretierte Songs der „Toten Hosen“ | Foto: Kranich/EAT
Am 5. Juli wurde die Reihe der Sommergottesdienste 2026 in der Rosenkirche des Augustinerklosters Erfurt eröffnet. Am 5. Juli? Ja, am zweiten Tag des AFD-Bundesparteitags in der Stadt.
So passte es, dass zum Auftakt der „Hits from Heaven“ die „Toten Hosen“ Thema waren. Die Sängerin Nicole Trump interpretierte vier Songs der Punk-Band aus Düsseldorf. Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich ging in seiner Predigt auf alle vier und das Verhältnis der Band zum christlichen Glauben ein.
Darüber hinaus sagte er u.a.: „Gerade angesichts des Geschehens gestern und heute auf der Messe darf nicht verschwiegen werden: Die Toten Hosen setzen sich konsequent gegen Rechtsextremismus ein. Auf der zweiten Auskoppelung ihres neuen Albums lieferten sie jetzt, so das Urteil der Musikzeitschrift ‚Rolling Stone‚, ihren ‚wütendsten Song seit Jahren, einen Frontalangriff auf den Alltags-Rechtsruck‚. Nur ein paar Zeilen daraus:
‚Es riecht nach Kaffee und nach frischen Waffeln. Das ganze Viertel ist zum Fest gekomm’n. Opa steht am Schießstand, er kann gut mit Waffen.
Mama hat schon ein’n im Tee. Die Kleinen sind glücklich, sie kreischen und toben auf der Hüpfburg von der AfD.
Der Sohn ist nicht rechts, doch nach zwei, drei Schnäpsen hebt er den rechten Arm. Die Tochter findet Bruder und Familie ätzend. Sie will nur weg seit Jahr’n‚“
Und auch das Wetter spielte mit. Denn bei bedecktem Himmel entfaltete der Vers „Unter den Wolken geben wir die Freiheit noch nicht her, weil sie uns heute, alles bedeutet“ eine besondere Wirkung nach dem großen Erfurter Demo- und Demokratiefesttag am 4. Juli.