Präsentation zur Lutherehrung am 27.05.2025. Foto: (c) Müller/EAT
Chatnachrichten zum Gleichnis des barmherzigen Samariters. Foto: (c) Müller/EAT
Stop-Motion-Film zum Gleichnis des barmherzigen Samariters. Foto: (c) Müller/EAT
Dass man auch so in ein biblisches Gleichnis einleiten kann, bewiesen Jugendliche bei der Lutherehrung am 27. Mai 2025 am Martin-Luther-Gymnasium Eisenach.
Bei der Lutherehrung erinnern die Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen jedes Jahr an den Namensgeber ihrer Schule. Dabei wird seinem Leben, seiner Zeit in Eisenach und seiner Bedeutung bis heute gedacht.
Ein besonderer Fokus lag dieses Jahr auf dem Thema Übersetzung. Wie macht man Texte verständlich? Welche Schwierigkeiten können dabei auftreten? Ist Luthers Sprache noch zeitgemäß? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich ein Teil der Jugendlichen im vorangegangenen Übersetzungsworkshop der Jugendbildungsstätte Junker Jörg. Dabei entstanden, unter anderem, Bibeltexte in Jugendsprache, Chatverläufe, ein Stop-Motion-Film und Knetfigurenkurzfilme. Diese Ergebnisse flossen in die Gestaltung der Lutherehrung mit ein.
So wurde die Botschaft klar: Nicht wer nur fromm betet und viel über die Bibel weiß, sondern wer auch danach lebt und dem Nächsten hilft, handelt im Sinne Gottes. Oder wie es einige Jugendliche ausdrückten: „Der Bro, der für ihn da war, war der richtige Ehrenmann!“
„Luo ja varjele“ – „Schöpfe und bewahre“ lautete der Titel des finnischen Kirchentags vom 23. bis 25. Mai 2025 in Seinajöki, Mittelfinnland. Es handelt sich um ein Wortspiel. Denn „Luoja varjele“ gelesen, bedeutet es „Schöpfer bewahre!“ Es ist also gleichzeitig Handlungsaufforderung und Gebet – je nach Lesart. Dank einer langen Partnerschaft der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit der mittelfinnischen Diözese Lapua, die schon zu DDR-Zeiten ihren Anfang nahm, war Dr. Annika Schreiter als Vertreterin der EKM dort zu Gast.
Wenn man gerade vom Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover mit 150.000 Besucher:innen kommt, erscheint der finnische Kirchentag in Seinäjoki natürlich viel kleiner. Um die 7.000 Menschen waren dort. Führt man sich jedoch vor Augen, dass Finnland nur 5,5 Millionen Einwohner hat, ist diese Zahl beachtlich.
Viele der Themen, die auf dem finnischen Kirchentag verhandelt wurden, sind nur allzu bekannt. Zwar sind mehr als 60% der finnischen Bevölkerung Mitglied der Evangelischen Kirche, was ihr gesellschaftlich eine ganz andere Position verleiht als den Ev. Kirchen in Deutschland. Dennoch sind die Probleme mit sinkenden Mitgliedszahlen dieselben. Viele Austritte, eine alternde Bevölkerung und immer weniger Taufen gehören zu den Gründen. Kleiner werden, hauptamtliche Strukturen verschlanken und dennoch weiter die gute Nachricht in die Welt tragen ist also auch die Herausforderung, vor der die finnische Partnerdiözese steht.
Auch wurde diskutiert, wie politisch Kirche sein darf bzw. muss und wie sie sich zur Parteienlandschaft verhält – eine Diskussion, die ja auch in Deutschland gerade wieder aufkam und auf dem Kirchentag verhandelt wurde. In Finnland ist mit den „Wahren Finnen“ eine rechtspopulistische Partei Teil der Regierung. Die Finanzministerin, die zu dieser Partei gehört, war zu einem Podiumsgespräch zum Thema „der Wert des Lebens“ eingeladen. Hier zeigte sich recht gut, wie die finnische Kirche sich positioniert: gesprächsbereit und trotzdem klar in ihrer christlichen Haltung, die die Würde des Menschen und das Evangelium in den Mittelpunkt stellt. Auf einem Podium zum Thema Geopolitik und Friedensbildung sagte Niko Humalisto vom Felm, einem Institut für Mission und Weltverantwortung: „Das neue Testament ist ein wenig älter als das finnische Parteiensystem.“
Sehr interessiert zeigten sich die finnischen Partner:innen auch an der Arbeit der Akademien, die es in dieser Form in Finnland nicht gibt, genauso wenig wie außerschulische politische Jugendbildung – weder von kirchlichen Trägern noch von anderen. Evangelische Jugendverbandsarbeit ist jedoch auch in Finnland ein starker Teil von Kirche. So gab es viele Anknüpfungspunkte und Kooperationsmöglichkeiten, die sich lohnen im Blick zu behalten.
Prof. Dr. Christopher Spehr spricht auf der Tagung „Medien des Kirchenkampfes“ über „Entwicklungen und mediale Strategien im Kirchenkampf des Jahres 1933“. Foto: (c) EAT
Über 50 Teilnehmende waren vom 16. bis 18. Juni 2023 in Neudietendorf zusammengekommen zur Tagung „Medien des Kirchenkampfes“. Dabei sollte der Kirchenkampf zwischen Anhängern der Bekennenden Kirche und den Deutschen Christen sowie zwischen der Evangelischen Kirche und dem nationalsozialistischen Staat nicht nur in den klassischen Printmedien, also Kleindruckschriften, Monographien und Zeitschriften, nachvollzogen, sondern auch in der Architektur, der Kirchenausstattung, dem Kirchenlied, den Kirchenglocken und dem evangelischen Laienspiel analysiert werden.
Jetzt liegt die wissenschaftliche Publikation dieser Akademietagung vor. Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Siegfried Hermle und Henning Pahl bieten die 17 Beiträge neue Perspektiven auf die innerprotestantischen Auseinandersetzungen während der NS-Diktatur und zeigen, wie das „braune Erbe“ bis heute eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft bleibt. Der Band ist der Reihe „Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte“ im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen.
Mindestens 1175 politische Gefangene sind momentan in Belarus in Haft. Tausende waren es bereits. Sie tragen gelbe Aufnäher für „Politische“, verrichten Zwangsarbeit, einige sind kompletter Isolation ausgesetzt, vier sind 2024 in der Haft verstorben. Das sind nur einige Fakten, die die Menschenrechtsaktivistin Ina Rumiantseva zu Beginn des 9. digitalen Studientags der Evangelischen Akademien zur Friedensethik im ersten Panel präsentierte.
Unter die Haut ging anschließend der Bericht von der Journalistin Ksenia Lutskina, die seit 2020 inhaftiert war und unter dem Artikel „Verschwörung oder andere Handlungen mit dem Ziel der Ergreifung der Staatsmacht“ zu acht Jahren verurteilt wurde und jetzt in Berlin lebt. Sie habe diese Zeit wie in einem schlechten KGB-Film erlebt. Die Zeit nach ihrer Freilassung in Belarus sei nicht besser gewesen mit ständigen Durchsuchungen und täglichen Kontrollen. Belarus sei ein „graues Land unter einem grauen Himmel“. Angst beherrsche alles. Die Gesellschaft lebe nicht, sie existiere nur.
Im zweiten Panel ging es um die Vereinnahmung von Belarus durch Russland. Nachdem die politische Analystin Vera Gurinovich in die tieferen historischen Beziehungen zwischen Belarus und Russland eingeführt hatte, bot Dr. Andrei Lavruhin (Akademischer Direktor des Instituts für Entwicklung und Sozialmarkt für Belarus und Osteuropa) einen differenzierten Einblick in die Nuancen des Verhältnisses. Bei aller politischen Abhängigkeit von Russland und allen wirtschaftlichen Verflechtungen verfolge Belarus keinen aggressiv-imperialistischen Kurs. Lukaschenko habe es bisher vermeiden können, dass die belarussische Armee in den Ukrainekrieg verwickelt wird. Zugleich arbeite Russland auf eine Russifizierung von Belarus hin. Mit dem Tod von Lukaschenko drohe die Absorption des Landes durch Russland.
Das dritte Panel vertiefte schließlich diese Thematik im Blick auf das Verhältnis von Belarus zur Ukraine. Der Journalist und Politologe Artem Schreibmann sowie der Philosoph und Hochschullehrer Dmytro Kobrynskyi betonten die konfliktarme Beziehung zwischen beiden Ländern über Generationen hinweg, die sich in der positiven Haltung der belarussischen zur ukrainischen Bevölkerung widerspiegele. Politisch sei der Kontakt zwischen Belarus und der Ukraine immerhin nicht komplett abgebrochen.
Im Abendsegen wurde der politischen Gefangenen auf dieser Welt gedacht, insbesondere der Gefangenen in Belarus, in Russland und der Ukrainerinnen und Ukrainer, die von der russischen Besatzungsmacht gefangen gehalten werden. Wer mehr über die politischen Gefangenen in Belarus wissen und sich für diese einsetzen möchte, sei auf „Taskforce Belarus“ verwiesen. Die „Taskforce Belarus“ setzt auf umfassende Aufklärung, gezielte politische Lobbyarbeit und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements, um die Freilassung der politischen Gefangenen und die Wiederherstellung der Menschenrechte in Belarus zu erreichen.
Susanne Kitlinski fasste die Diskussion des Podiums "Wem kann ich heute noch glauben?" als Graphic Recording zusammen. Grafik: Susanne Kitlinski, Open Sustain
Fünf Tage lang haben über 100.000 Christ:innen über das lange Maiwochenende in Hannover beim 39. Kirchentag ihren Glauben gefeiert, gestritten und diskutiert, gesungen, gebetet und so Vieles mehr. In den über 1.500 Veranstaltungen steckte auch ein bisschen Thüringer Akademiearbeit. Denn gleich zwei Studienleitungen der Akademie waren dabei und brachten Formate und Themen ein.
Durch die Mitarbeit in der Projektleitung des Zentrums Demokratie und Zusammenhalt gestaltete Dr. Annika Schreiter die Podien zum Thema „Ostdeutsch – Westdeutsch: mehr als nur ein Lebensgefühl“ und „Wem kann ich heute noch glauben? Desinformation und soziale Medien“ mit. Außerdem gehörte sie zum Leitungsteam von zwei der Mitmachforen – das sind Formate im Kirchentagsprogramm, die interaktiv und diskursiv für viele Teilnehmende gestaltet sind. Im Worldcafé „mutig – stark – demokratisch“ wurden Ideen für vielfältiges Engagement ausgetauscht. Vom Niedersächsischen Trachtenverein bis zum Jugendpolitischen Team der Ev. Jugend in Mitteldeutschland und von den „Omas gegen Rechts“ bis zu einem Aufforstungsprojekt in Argentinien berichteten Menschen darüber, wie sie vor Ort mutig und beherzt Demokratie gestalten und welche Herausforderungen es dabei zu meistern gibt. Im Erzählcafé „Wie lebt es sich in…?“ sprachen die Teilnehmenden über die Lebensrealität an ihrem Wohnort oder in ihrer Region. Neben Ausflugstipps wurde hier über regionale Unterschiede und Gemeinsamkeiten gesprochen. Entdeckt wurde dabei zum Beispiel, dass es die Eierschecke nicht nur in Dresden, sondern auch in Norddeutschland gibt. Oder dass der baldige Studienort Marburg viel lebenswerter ist als bislang vermutet.
Im Workshophaus des Kirchentages war Justus Müller an der Durchführung zweier Workshops beteiligt. Am Freitagnachmittag ging es, zusammen mit Konrad Magirius vom CJD, um Forumtheater. Mit Teilnehmenden im Alter von Anfang 20 bis über 70 entstanden zwei Szenen aus dem Leben auf dem Kirchentag. Es wurde ausprobiert, was man tun kann, wenn sich jemand rücksichtslos vordrängelt und man deswegen nicht mehr ins Konzert kommt oder wie man die eigenen Bedürfnisse nach Abstand, auch in den teilweise vollen Bahnen, durchgesetzt bekommt. Am Samstag ging es im Workshop „Für uns aus der ganzen Welt“, zusammen mit Tobias Thiel von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V., um die Ressourcen für Smartphones. Dieses Modul entstand im Rahmen der Reihe UNBOX IT der Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) als eine von sieben Methoden zur digitalen Selbstbestimmung. An vier Stationen wurden unter anderem die Schwierigkeiten beim Beschaffen seltenen Erden und dem Transport von Materialien und Chemikalien erlebbar gemacht.
Auch beteiligten sich beide Studienleitenden am Programm des et-Demokratie-Labs im Zentrum Junge Menschen.
Durch die Brautbriefe Karl Hegels, eines jungen liberalen Abgeordneten des Erfurter Parlaments und anlässlich des 175. Jahrestags des Unionsparlaments, wurden die Schüler:innen des Ratsgymnasiums zur Entwicklung eines spannenden Stadtrundgangs per App inspiriert.
In einer Mischung aus Stadtführung, Liebesgeschichte als Hörspiel und Quiz führt der digitale Stadtrundgang zum Erfurter Unionsparlament von 1850 zu zentralen Schauplätzen des Parlaments und erzählt von den Anfängen der Demokratiegeschichte Deutschlands.
Zum historisch letzten Tag des Erfurter Unionsparlaments, dem 29. April, stellten die Schülerinnen und Schüler diesen besonderen Stadtrundgang vor und begleiteten auf dem Weg durch die Altstadt.
Der Abend startete mit einem kleinen Input der Schüler:innen, in welchem sie von der Entstehung des Rundgangs erzählten und somit einen Blick hinter die Kulissen ermöglichten. Der Stadtrundgang selbst begann am Augustinerkloster, führte dann auf den Domplatz, danach in Richtung Anger und schlussendlich vor den Erfurter Hauptbahnhof. Während des Rundgangs wurden von den Teilnehmenden viele Fragen an die Schüler gestellt, wodurch ein sehr netter generationsübergreifender Austausch entstand. Am Ende des Rundgangs angekommen, gab es für die Gewinner des in den Stadtrundgang integrierten Quiz eine kleine Überraschung.