Evangelische Akademie Thüringen

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Im fast Weggeworfenen das Heile sehen

  • Helga Schubert | Foto: EAT
    Helga Schubert | Foto: EAT
  • Vortrag von Prof. Dr. J. Thomas Hörnig | Foto: EAT
    Vortrag von Prof. Dr. J. Thomas Hörnig | Foto: EAT
  • Vortrag von Dr. Uwe Kaminsky | Foto: EAT
    Vortrag von Dr. Uwe Kaminsky | Foto: EAT
  • Abschlusspodium | Foto: EAT
    Abschlusspodium | Foto: EAT

Helga Schubert nahm sich die Zeit. Das Thema interessiere sie sehr, so ließ die Bachmann-Preisträgerin ausrichten und anfragen, ob sie über ihre Lesung hinaus an der Tagung „Wert und Unwert des Lebens? Kirche und Eugenik“ teilnehmen könne. Was für eine Frage!

Und so reihte sie sich ein in die Phalanx der Expertinnen und Experten, die mit den Teilnehmenden vom 12. bis 14. Juni im Zinzendorfhaus Neudietendorf in einen intensiven Austausch traten.

Sie wisse nicht, ob sie so etwas lesen, sich so etwas antun wolle, hatte eine Lehrerin gemeint, als Helga Schubert von der Recherchearbeit an ihrem 2003 erschienenen Buch „Die Welt da drinnen – Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom lebensunwerten Leben“ berichtete. Sind wir da heute weiter?

NS-Krankenmorde und NS-Zwangssterilisierungen sind mittlerweile gut erforscht. Das wurde bei der Tagung deutlich. Es gibt Dokumentationen, Datenbanken, Ausstellungen, pädagogische Projekte, Aufarbeitungsinitiativen, Gedenktafeln, Stolpersteine, Gedenkstätten. Doch zugleich bringen gezielte Recherchen und Blicke in die Akten immer wieder neue Fälle und Schicksale ans Licht, auch im Bereich diakonischer Anstalten. Und vor allem: Wie sieht es in den Köpfen unserer Zeitgenossen aus?

Laut Thüringen-Monitor stimmt ein erheblicher Anteil der Befragten der Aussage zu: „Es gibt wertvolles und unwertes Leben“. In Mecklenburg ist es offenbar nicht viel anders: „Aber da ist doch kein Leben mehr. Geben Sie ihren Mann doch ein paar Tropfen Morphium“ – so sagten manche Leute, als Helga Schubert ihren schwerstkranken und dementen Mann im Rollstuhl durch das Dorf schob, ihrem geliebten Mann, der „in allem fast Weggeworfenen das Heile“ sah.

Deutlich wurde bei der Tagung auch, wie die AFD an das Gedankengut der negativen wie positiven Eugenik anknüpft und behindertenfeindliche Positionen vertritt: An die „Eugenik“, die nie eine Wissenschaft gewesen ist, auf einem naturalistischen Fehlschluss beruht, die aber momentan in der Ideologie des „Transhumanismus“ im „Silicon Valley“ in phantastisch-szientistisch-utopischer Form wiederkehrt.

All dies, so wurde deutlich, macht die Thematik brisant und hochaktuell. Daher dürfen wir gespannt sein auf die kommende Impulsausstellung „Lebenswert? Kirche und Eugenik“ im Lutherhaus Eisenach, in deren Vorfeld die Akademietagung stattfand. Sie wird ab dem 1. Februar 2027 zu sehen sein.

Die Folien zu den Vorträgen auf der Tagung finden Sie hier zum Download.