Evangelische Akademie Thüringen

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Normalisierung rechter Positionen und die Normalität von Rassismus im Feld der Hochschule

  • Differenzierung der Diskussionsebenen | Screenshot © N.Hoffmann & S.Amlinger
    Differenzierung der Diskussionsebenen | Screenshot © N.Hoffmann & S.Amlinger
  • Hochschule als demokratieorientierter und widerständiger Ort. Foto: © Lehmann/ EAT
    Hochschule als demokratieorientierter und widerständiger Ort. Foto: © Lehmann/ EAT

Vom 18.02. bis 20.02.2026 fand der dreitägige Scoping-Workshop im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover statt. Rund 20 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet – Lehrende und Forschende aus Universitäten und Hochschulen sowie Akteur:innen der politischen Bildungsarbeit – diskutierten zum Thema Normalisierung extrem rechter Positionen und Normalität von Rassismus im Feld der Hochschule.

Im Mittelpunkt stand die Frage, was das Feld als spezifischen Ort der Auseinandersetzung mit extrem rechten und rassistischen Positionierungen auszeichnet. Analytisch unterschieden wir drei Ebenen: die Hochschule als Organisation, ihre Beziehung zu gesellschaftlichen und politischen Umwelten sowie die alltäglichen sozialen Interaktionen auf dem Campus. Diese Differenzierung half, strukturelle, politische und pädagogische Herausforderungen klarer zu konturieren.

Ein zentraler Ausgangspunkt war die begriffliche Schärfung: Wie fassen wir „Rechtsextremismus“, wie „Rassismus“ – und wie verhalten sich beide zueinander? Einigkeit bestand in der klaren Abgrenzung von vereinfachenden Modellen wie der sogenannten Hufeisentheorie. Zugleich wurde deutlich, dass Antidiskriminierungsstrukturen an Hochschulen häufig nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten haben.

Intensiv diskutierten wir auch Fragen der Positionierung: Ist eine „distanzierte“ Wissenschaft im Umgang mit rechten und rassistischen Positionierungen überhaupt möglich – oder verdeckt sie notwendige normative Setzungen? Der Begriff der „Betroffenheit“ erwies sich dabei als ebenso relevant wie klärungsbedürftig.

Im Zwischenfazit wurden zentrale Forschungsdesiderate sichtbar: die Analyse rechter Strategien im Hochschulkontext, das Verhältnis von Rassismus- und Rechtsextremismusforschung, Fragen positionierter Forschung sowie die stärkere Verbindung von Rechtsextremismusforschung und Erziehungswissenschaft. Für die Praxis der Hochschullehre und -entwicklung wurde deutlich, dass Rassismus- und Rechtsextremismuskritik als Querschnittsaufgabe institutionell verankert werden müssen.

Zum Abschluss wurde die Weiterarbeit an einem gemeinsamen Positionspapier verabredet, das Leerstellen der Forschung benennt, wissenschaftspolitische Forderungen formuliert und konkrete Handlungsoptionen für Lehre und Hochschulentwicklung skizziert.

Die drei Tage waren intensiv und sehr anregend. Sie haben gezeigt, wie notwendig interdisziplinäre Verständigung und kollegiale Vernetzung sind, um der Normalisierung extrem rechter Positionen und der Persistenz von Rassismus im Hochschulkontext analytisch fundiert und praktisch handlungsfähig zu begegnen.