Ungewollt politisch: Die Täuferbewegung

Die Täufer wollten unpolitisch sein, wirkten aber politisch. Dieses Diktum von PD Dr. Astrid von Schlachta trifft den Kern der Tagung „500 Jahre Täuferbewegung. Geschichte – Ethik – Gegenwart“, die vom 14. bis 15. November im Zinzendorfhaus Neudietendorf stattfand. Die Täufer wirkten politisch durch ihre Lebensweise und durch ihre Äußerungen, so von Schlachta weiter. Besonders ihr Eintreten für Gewaltlosigkeit und ihre Distanz zum Staat forderten Letzteren immer wieder heraus.
Dass Gewaltfreiheit und Pazifismus immer eine Herausforderung für die Gesellschaft sind, zeigte ein Streitgespräch von Regionalbischöfin Dr. Friederike von Spengler mit dem langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth, zuletzt Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, zu Krieg und Frieden. Rasch ging es darin um die neue Friedensdenkschrift der EKD, nach der, so von Spengler, der Pazifismus bloß noch eine gesinnungsethische Spielart, ein ‚Ausdruck gelebter Frömmigkeit‚, sein solle, aber keine gewichtige theologische und politische Position mehr. Eine Aufzeichnung in Podcastform folgt.
Der Blick in die Geschichte der Täuferbewegung führte so immer wieder zu grundsätzlichen ethischen Fragestellungen, vom Gestern ins Heute. Dabei ging es etwa um den Gedanken der Gütergemeinschaft, der auch materiellen Solidarität, vor allem aber um die blutige Verfolgung der Täufer einst und die Verfolgung und Unterdrückung von Minderheiten in der Gegenwart. Dass dieses nicht nur unethisch ist, sondern auch dumm, ließ sich einer weiteren Einsicht von Astrid von Schlachta entnehmen: Nonkonformismus bringt Gesellschaften voran, denn er führt in notwendige Auseinandersetzungen hinein.