Wo Wertevermittlung aufhört und persönliche Freiheit anfängt

Kindern ein Umfeld zu bieten, das von christlichen Werten geprägt ist und ihnen Orientierung gibt für das eigene Verhalten und den Umgang mit anderen – das klingt erst einmal nach einer guten Hilfestellung im Entwicklungsprozess. Doch was, wenn die Vorstellungen der Glaubensgemeinschaft zu strengen Vorschriften werden, deren Einhaltung in einem engmaschigen sozialen Netz von Familie, Schule, Freizeitgestaltung und kirchlicher Gemeinschaft kontrolliert wird? Was, wenn der Spielraum für eigene Entscheidungen und gegebenenfalls Abweichungen von der postulierten Norm so gut wie nicht vorhanden ist? Gerade dann, wenn aus den Kindern Jugendliche und junge Erwachsene werden, die sich verlieben, für Neues begeistern, sich ausprobieren wollen, ist der Werte-Clash vorprogrammiert.
Beim Augustinerfilm am 9. März wurde mit dem Spielfilm „Gotteskinder“ von der Regisseurin Frauke Lodders, der 2025 Premiere hatte, in einfühlsamen, gleichwohl dramatischen Szenen gezeigt, wie hilflos so eine Situation alle Beteiligten zurücklässt. Denn nicht nur die beiden jugendlichen Kinder der streng evangelikalen Familie – der Sohn Timo, der sich seine homosexuellen Gefühle für einen Mitschüler eingestehen muss und die Tochter Hannah, die sich in den nicht religiösen Nachbarsjungen verliebt – auch Eltern, Geschwister, Pädagog:innen und Freund:innen wissen mit der sich zuspitzenden Konfliktsituation nicht umzugehen.
Im an die Filmvorführung anschließenden Gespräch mit Kirchenrätin Charlotte Weber, moderiert von Claudia Brand, Leiterin des Medienzentrums der EKM, ging es zunächst um Fakten zu Evangelikalen Freikirchen in Deutschland, um ihre Unterschiedlichkeit und wie sie innerhalb der Evangelischen Landeskirchen einzuordnen sind. Diskutiert wurden ebenso Zusammenhänge zwischen rechtspolitischen und christlich-fundamentalistischen Einstellungen, aber auch die Rolle von Schulen und anderen Einrichtungen als Orte der Vermittlung und des offenen Diskurses von Werten. Beispiele aus dem Publikum bestätigten die Glaubwürdigkeit der im Film gezeigten Konflikte. Und auch über das Ende des Films – für beide Kinder unterschiedlich dramatisch – wurde länger gesprochen.
Der nächste Augustinerfilm wird am 30. November gezeigt.