Evangelische Akademie Thüringen

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25. Ringelnatzsommer in Wurzen – Beten nützt!

  • Sebastian Kranich spricht beim Ringelnatzsommer im Dom Wurzen | Foto: © Claudia Kunde
    Sebastian Kranich spricht beim Ringelnatzsommer im Dom Wurzen | Foto: © Claudia Kunde
  • Rund 100 Gäste waren zum Vortrag im Dom Wurzen gekommen | Foto: © Claudia Kunde
    Rund 100 Gäste waren zum Vortrag im Dom Wurzen gekommen | Foto: © Claudia Kunde
  • Dom Wurzen am 9. August 2026 | Foto: © Claudia Kunde
    Dom Wurzen am 9. August 2026 | Foto: © Claudia Kunde

Der „Ringelnatzsommer“ hat sich weit über Sachsen hinaus einen ausgezeichneten Ruf erworben. Zur Jubiläumsausgabe des Literatur- und Kulturfestivals war auch Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich vom Kulturhistorischen Museum nach Wurzen eingeladen worden, um über ein bisher wenig beachtetes Thema zu sprechen. Wie hielten es Joachim Ringelnatz (1883–1934), Lene Voigt (1891–1962) und Heinz Ehrhardt (1909–1979) mit der Religion? Wie standen sie zu Glauben, Christentum und Kirche?

Vor rund 100 Besucherinnen und Besuchern zeigte Dr. Kranich am 9. August im Anschluss an den Gottesdienst im Wurzener Dom auf: Ringelnatz hatte sich zwar schlecht im Konfirmationsunterricht benommen, dem er „im Unterbewusstsein mißtraute“ und in dem er „besonders durch Juckpulver Ärgernis erregte“. Jedoch blieb Ringelnatz zeitlebens ein gläubiger Mensch. So dichtete er etwa folgendes „Gebetchen“:

Man betet so sein Tischgebet.

Man betet, wenn man schlafen geht.

Vor Gräbern und vor dem Altar.

Gut! Betet, wenn ihr’s selber wollt.

Dann aber mutig und ganz wahr.

Und lasst euch keines Falles

Dann sagen, was ihr beten sollt.

Gott kennt euch und weiß alles.

Vertraut ihm euer Herzeleid,

Und dankt ihm, wenn ihr glücklich seid.

Und schämt euch nicht. Nein, lacht sogar.

Weil Beten nützt, wenn’s ehrlich war.

Lene Voigt hingegen stand der Kirche ihrer Zeit distanziert gegenüber. 1935 äußerte sie rückblickend auf ihre Kindheit gesprächsweise: „Durch mein sehr gutes Gedächtnis und meine blanke Eins in der Religion geriet ich in den Verdacht, sehr fromm zu sein.“ 1922 war sie Mitglied der KPD geworden und äußerte in proletarischen Zeitungen eine teils scharfe Kritik am Christentum. Ihre Verse von 1921 in der „Roten Fahne“ über „Das arme Kind“ lassen jene Kritik schon anklingen:

„Das arme Kind!“ So rufen laut die Tanten.

„Das arme Kind!“ So seufzen die Verwandten,

Und alle alten Weiber heulen Sturm:

„Dort läuft es, das bedauernswerte Wurm!“

Was nützt es, dass „der Wurm“ ein strammer Junge!

„Das arme Kind“, bleibt’s in der Tanten-Zunge,

Und ob es noch so munter springt und rauft.

Das arme Kind ward nämlich nicht getauft.

Der baltendeutsche Heinz Ehrhardt wiederum brachte angesichts der Weltlage wiederholt Zweifel an Gottes Güte zum Ausdruck, schrieb seiner Frau in der Notlage der Nachkriegsjahre aber zugleich: „Mach dir bitte keine Sorgen: Gottchen wird schon wieder helfen! Du musst nur fest dran glauben.“ Der bei all seinem Erfolg unsichere und eigentümlich schüchterne Mensch nahm sein Leben auf dieser Weise in den Blick:

Als Kind – zu meiner Eltern Leid –

litt ich an großer Schüchternheit.

Als Gymnasiast dann – farbumbändert

hatte sich darin nichts geändert.

Auch nach dem ersten Kuss – mit Ellen

war keine Bess‚rung festzustellen.

Im Alter erst – beim Kampf ums Leben –

hat sich die Schüchternheit gegeben.

Doch weiß ich: Tritt der Tod herein

und spricht zu mir: „Komm mit, mein Sohn!“

und führt mich vor des Höchsten Thron,

werd‚ ich wieder ganz schüchtern sein.