Evangelische Akademie Thüringen

‹ alle Blogartikel anzeigen

Die Sache mit der Wahrheit und den Medien

  • Kreativ, analytisch und lebensweltnah setzten sich Schülerinnen und Schüler mit Fragen rund um Schwierigkeiten mit der Wahrheit auseinander. Foto: © Schreiter/EAT
    Kreativ, analytisch und lebensweltnah setzten sich Schülerinnen und Schüler mit Fragen rund um Schwierigkeiten mit der Wahrheit auseinander. Foto: © Schreiter/EAT
  • Per Videocall löcherten die Jugendlichen Martin Schmidt, Redakteur bei der ARD, mit Fragen zum journalistischen Alltag. Foto: © Schreiter/EAT
    Per Videocall löcherten die Jugendlichen Martin Schmidt, Redakteur bei der ARD, mit Fragen zum journalistischen Alltag. Foto: © Schreiter/EAT
  • In einer weiteren AG ging es um Künstliche Intelligenz und die Frage, was KI und Menschen unterscheidet. Foto: © Schreiter/EAT
    In einer weiteren AG ging es um Künstliche Intelligenz und die Frage, was KI und Menschen unterscheidet. Foto: © Schreiter/EAT
  • In fast allen AGs ging es um das Wesen der Wahrheit und die Frage, ob Lügen grundsätzlich schlecht ist. Foto: © Schreiter/EAT
    In fast allen AGs ging es um das Wesen der Wahrheit und die Frage, ob Lügen grundsätzlich schlecht ist. Foto: © Schreiter/EAT

Seit fast einem Vierteljahrhundert ist für die Oberstufe der Jenaplanschule Jena in der ersten Schulwoche nach den Sommerferien die sogenannte Ethikfahrt angesagt. Fast ebenso lange ist die Ev. Akademie als Kooperationspartnerin dabei und gestaltet Rahmen wie Inhalte mit. In diesem Jahr ging es erstmalig in die Jugendherberge Bad Sulza. Knapp 120 junge Menschen aus drei Jahrgangsstufen diskutierten sich in sieben verschiedenen Gruppen die Köpfe heiß unter der Überschrift „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“.

Aus der politischen Jugendbildung der Akademie wurde eine Arbeitsgruppe zum Thema „Medien lügen nicht…“ gestaltet. Hier ging es um das Verhältnis von Realität und medialer Darstellung. Warum glauben wir Informationen in den Medien meist, obwohl wir sie häufig gar nicht überprüfen können? Woran erkennen wir, ob es sich um faktische Darstellungen wie Nachrichten handelt oder um einen fiktiven Medientext wie ein Computerspiel? Und was macht Social Media so anfällig für Falschinformationen? „Ohne Medien wäre unsere Gesellschaft safe aufgeschmissen“, zog ein Schüler sein Fazit am Ende, da so etwas wie gesellschaftliche Öffentlichkeit nur über Medien – seien sie nun analog oder digital – hergestellt werden kann. Ein wiederkehrende Beispielfrage lautete: Woher wissen wir eigentlich, dass Joe Biden US-Präsident ist? Und glauben wir diese Information eher der Tagesschau oder ihm selbst, wenn wir ihm gegenüberstehen?

Ein Schwerpunkt der Woche lag auf dem Zusammenhang von Antisemitismus und Falschinformationen und Verschwörungserzählungen. Zentral war hier die Erkenntnis, dass hinter den meisten Verschwörungsideologien antisemitische Narrationsmuster stecken, wie zum Beispiel das einer korrupten Finanzelite, die die Menschheit ins Unglück stürzen möchte. Von solchen Vorstellungen ist der Schritt zu offenem Antisemitismus nicht mehr weit.

Ein Highlight der Woche bildete ein Gespräch mit Martin Schmidt, Redakteur im Hauptstadtstudio der ARD, der aus dem Nähkästchen plauderte. Er berichtete von journalistischen Standards wie Vertraulichkeitsleveln im Gespräch mit Spitzenpolitik und brachte Anekdoten aus seinem Arbeitsalltag mit: zum Beispiel wie er unter Zeitdruck beinah in einer Liveschalte Fake News verbreitet hätte. „Es war super spannend zu sehen, dass die Tagesschau auch einfach von Menschen gemacht wird“, sagte eine Schülerin am Ende des Gesprächs, das die Jugendlichen selbst moderierten.

Die Ethik-Projektwoche der Jenaplanschule Jena war in diesem Jahr Teil des Projekts „Alles Glaubenssache?!“ und fand in Kooperation mit philoSOPHIA e.V. sowie weiteren Partner:innen statt.