Evangelische Akademie Thüringen

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Faszinosum Bauernkrieg – Lyndal Roper und Thomas Kaufmann im Gespräch

  • Akademiedirektor Sebastian Kranich begrüßte die Gäste. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/EAT.
    Akademiedirektor Sebastian Kranich begrüßte die Gäste. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/EAT.
  • Die renommierte Historikerin Lyndal Roper berichtete von ihren Forschungsergebnissen zur Motivation der Bauern. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/EAT.
    Die renommierte Historikerin Lyndal Roper berichtete von ihren Forschungsergebnissen zur Motivation der Bauern. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/EAT.
  • Der Erfurter Kirchenhistoriker Andreas Lindner moderierte die Veranstaltung. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/ EAT.
    Der Erfurter Kirchenhistoriker Andreas Lindner moderierte die Veranstaltung. Foto (c): Wollenhaupt-Schmidt/ EAT.

Der Bauernkrieg trifft einen Nerv. Mehr als 30 Jahre lang lockte das Thema kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Jetzt aber kann eine Veranstaltung zu zwei dickleibigen Büchern darüber seit Tagen ausverkauft sein.

So geschehen in Kulturhaus Dacheröden, in dem am 25. Februar die renommierte Historikerin Lyndal Roper und der bekannte Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann ihre Herangehensweisen an, Thesen über und Einsichten zum Phänomen 1525 vorstellten. Anregend moderiert vom Erfurter Kirchenhistoriker Andreas Lindner ging es nach der Begrüßung von Akademiedirektor Sebastian Kranich gleich zur Sache:
Sie habe verstehen wollen, was Menschen in Zeiten des Umbruchs bewegt, welche Erfahrungen sie vor 500 Jahren gemacht haben, äußerte Lyndal Roper zu Anfang. Er habe mit falschen Narrativen aufräumen wollen, so die Motivation von Thomas Kaufmann. Der Bauernkrieg sei national und marxistisch überhöht worden, seine theologischen Lehrer hätten Luther gegen die Bauern apologetisch verteidigt und deren Anknüpfen an die Reformation als Missverständnis abgewehrt.

Rasch wurde deutlich, dass beide – in je eigener, sich ergänzender Weise – den Bauernkrieg als Teil der Reformationsgeschichte fassen. Als eine Bewegung, die Ideen Luthers aufgreift und in diskursiver Weise weiterentwickelt, bis sie eine Sprengkraft erlangen, die die soziale und die Rechtsordnung des 16. Jahrhunderts bis in die Grundfesten erschüttert. So führe etwa eine zentrale Linie von Luthers Begriff der „Freiheit“ in der „Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) hin zu den „12 Artikeln der Bauern“ (1525), in denen es heißt: „dass uns Christus alle mit seinem kostbaren vergossenen Blut erlöst […]. Darum findet sich in der Schrift, dass wir frei seien und sein wollen.“ Luther sei die Geister, die er rief, nicht wieder losgeworden, so Thomas Kaufmann. Seine katholischen Kritiker hätten das damals richtig gesehen.

Lyndal Roper führte aus: Konkret sei es um eine gruppenbezogene Freiheit gegangen, um Abschaffung der Leibeigenschaft, um das Recht zur Wahl der Geistlichen, um allgemeine Rechte zur Nutzung von Ressourcen, von Wald und Wiesen, Wild und Fischgewässern – gedanklich gestützt von einer bäuerlichen Theologie, die auf der Formulierung von Grundrechten basierte, die von Gott gegeben sind.
Es scheint das Überschüssige und Unabgegoltene dieser Bewegung zu sein, die in den Umbrüchen der Gegenwart Resonanz findet. Jedenfalls wurde an diesem Abend in Erfurt, zu dem die Katholische Akademie des Bistums Erfurt und die Evangelische Akademie Thüringen gemeinsam mit der Herbstlese Erfurt eingeladen hatten, reichlich auf die Gegenwart angespielt:
Lyndal Roper verwies auf unseren Umgang als Gesellschaft mit natürlichen Ressourcen und der Umwelt sowie – auch kritisch gegenüber den Bauern von 1525 – mit Frauen. Denn diese hätten ihre Solidarität auch bloß als „Bruderschaft“ gedacht. Thomas Kaufmann griff noch stärker ins aktuell Politische aus. Am Bauernkrieg könne man lernen: Krieg ist sinnlos. Medien sind nicht harmlos. Und: Die Fugger waren nicht die Helfer der Bauern. Elon Musk ist nicht der Helfer der AFD-Wähler.

Am Ende des Abends gab es bei der Verabschiedung durch den Leiter der Katholischen Akademie Niklas Wagner reichlich Applaus, nicht zuletzt für Thomas Kaufmann, der trotz Krankheit online Rede und Antwort gestanden hatte. Im Anschluss war der Büchertisch reichlich frequentiert und Lyndal Roper konnte ihr Werk mehrfach signieren.