Evangelische Akademie Thüringen

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Unter die Haut: Friedensethischer Studientag zu Belarus

Foto: Jana Shnipelson/unsplash
Foto: Jana Shnipelson/unsplash

Mindestens 1175 politische Gefangene sind momentan in Belarus in Haft. Tausende waren es bereits. Sie tragen gelbe Aufnäher für „Politische“, verrichten Zwangsarbeit, einige sind kompletter Isolation ausgesetzt, vier sind 2024 in der Haft verstorben. Das sind nur einige Fakten, die die Menschenrechtsaktivistin Ina Rumiantseva zu Beginn des 9. digitalen Studientags der Evangelischen Akademien zur Friedensethik im ersten Panel präsentierte.

Unter die Haut ging anschließend der Bericht von der Journalistin Ksenia Lutskina, die seit 2020 inhaftiert war und unter dem Artikel „Verschwörung oder andere Handlungen mit dem Ziel der Ergreifung der Staatsmacht“ zu acht Jahren verurteilt wurde und jetzt in Berlin lebt. Sie habe diese Zeit wie in einem schlechten KGB-Film erlebt. Die Zeit nach ihrer Freilassung in Belarus sei nicht besser gewesen mit ständigen Durchsuchungen und täglichen Kontrollen. Belarus sei ein „graues Land unter einem grauen Himmel“. Angst beherrsche alles. Die Gesellschaft lebe nicht, sie existiere nur.

Im zweiten Panel ging es um die Vereinnahmung von Belarus durch Russland. Nachdem die politische Analystin Vera Gurinovich in die tieferen historischen Beziehungen zwischen Belarus und Russland eingeführt hatte, bot Dr. Andrei Lavruhin (Akademischer Direktor des Instituts für Entwicklung und Sozialmarkt für Belarus und Osteuropa) einen differenzierten Einblick in die Nuancen des Verhältnisses. Bei aller politischen Abhängigkeit von Russland und allen wirtschaftlichen Verflechtungen verfolge Belarus keinen aggressiv-imperialistischen Kurs. Lukaschenko habe es bisher vermeiden können, dass die belarussische Armee in den Ukrainekrieg verwickelt wird. Zugleich arbeite Russland auf eine Russifizierung von Belarus hin. Mit dem Tod von Lukaschenko drohe die Absorption des Landes durch Russland.

Das dritte Panel vertiefte schließlich diese Thematik im Blick auf das Verhältnis von Belarus zur Ukraine. Der Journalist und Politologe Artem Schreibmann sowie der Philosoph und Hochschullehrer Dmytro Kobrynskyi betonten die konfliktarme Beziehung zwischen beiden Ländern über Generationen hinweg, die sich in der positiven Haltung der belarussischen zur ukrainischen Bevölkerung widerspiegele. Politisch sei der Kontakt zwischen Belarus und der Ukraine immerhin nicht komplett abgebrochen.

Im Abendsegen wurde der politischen Gefangenen auf dieser Welt gedacht, insbesondere der Gefangenen in Belarus, in Russland und der Ukrainerinnen und Ukrainer, die von der russischen Besatzungsmacht gefangen gehalten werden. Wer mehr über die politischen Gefangenen in Belarus wissen und sich für diese einsetzen möchte, sei auf „Taskforce Belarus“ verwiesen. Die „Taskforce Belarus“ setzt auf umfassende Aufklärung, gezielte politische Lobbyarbeit und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements, um die Freilassung der politischen Gefangenen und die Wiederherstellung der Menschenrechte in Belarus zu erreichen.