Wer die Jugend hat – Wiedersehen nach 70 Jahren

Eröffnungsrede des Akademiedirektors Dr. Sebastian Kranich. Foto: © Wollenhaupt-Schmidt/EAT 
Vortrag von Prof. Dr. Christopher Spehr über Ideologien, Konflikte und Strategien in der Staat-Kirche-Auseinandersetzung mit anschließender Diskussionsrunde . Foto: © Wollenhaupt-Schmidt/EAT 
Neue Quellen zum Thema Staat-Kirche-Auseinandersetzung. Foto: © Wollenhaupt-Schmidt/EAT 
Dialogisch-musikalische Lesung von Henning Peker und Eckart Gleim mit Liedern und Versen von Junger Gemeinde und FDJ. Foto: © Wollenhaupt-Schmidt/EAT 
Gespräch und Diskussion mit drei Zeitzeugen (Günter Ziegenhorn, Dr. Wolfgang Schenk, Dr.-Ing. Horst Braun), bei dem Michael Weise (Stiftung Lutherhaus Eisenach) die Moderation übernahm. Foto: © Wollenhaupt-Schmidt/EAT
Im Mai 1953 legt man ihnen eine Erklärung zur Unterschrift vor, in der die evangelische Junge Gemeinde als „verbrecherische Organisation“ bezeichnet wurde. Im November 2024 sahen sie sich in Neudietendorf wieder: drei ehemalige Schüler der Heinrich-Mann-Oberschule Erfurt.
Einer hatte dem spätstalinistischen Druck damals nicht widerstanden und unterschrieb, einer hatte die Unterschrift verweigert und wurde mit anderen vom Unterricht „beurlaubt“, einer galt gar als Rädelsführer und ging im Sommer in den Westen. Am 7. Mai war letzterer der Schule verwiesen worden und konnte deshalb außenstehend beobachten, wie am Folgetag 120 Unterschriftsverweigernde von 600 Schülerinnen und Schülern dem Direktor nach seiner Rede den Rücken kehrten und den Schulhof verließen.
Die Erfahrungen und Lebensläufe jener drei sowie weiterer Zeitzeugen prägten die Tagung „Wer die Jugend hat, … Staat kontra Kirche in der frühen DDR“. Doch nicht nur persönliche Erinnerungen, auch neue Quellen wurden präsentiert, so etwa die Zeilen eines Jugendlichen, der Ende April 1953 notiert hatte: „Die Junge Gemeinde steht weiterhin im Mittelpunkt des Interesses der FDJ. Ach Herr lass uns in deinen Händen ruhen, wie ein Kind beim Vater. Du weißt, daß wir Angst haben, Angst um uns und all unser Leben, Angst um deine Kirche.“
Das wissenschaftliche Gerüst der Tagung bildeten ein Überblicksvortrag über Ideologien, Konflikte und Strategien in der Staat-Kirche-Auseinandersetzung der 1950er Jahre, ein exemplarischer Vortrag zum Kampf um FDJ und Junge Gemeinde in Pößneck sowie einer zu den West-Ost-Begegnungen junger Christen in jener Zeit. Ein weiterer Höhepunkt war eine dialogisch-musikalische Lesung mit Liedern und Versen von Junger Gemeinde und FDJ.
Auf diese unterschiedlichen Arten und Weisen rückte die ferne Zeit der 1950er Jahre auch für Nachgeborene erstaunlich nah und machte Lust auf die Impuls-Ausstellung, in deren Vorfeld die Tagung in Neudietendorf stattfand. Ab 1. Februar 2025 wird sie im Lutherhaus Eisenach gezeigt werden: „Jugend, Gott und FDJ – der Kampf gegen die Kirchen in der frühen DDR“