Evangelische Akademie Thüringen

‹ alle Blogartikel anzeigen

Zwischen Bäumen, Soldaten und Rätseln - Ein Live-Aktion-Rollenspielwochenende

  • Konfrontationen im Lager. Foto: (c) EAT
    Konfrontationen im Lager. Foto: (c) EAT
  • Schwierige Verhandlungen. Foto: (c) EAT
    Schwierige Verhandlungen. Foto: (c) EAT
  • Nach dem Überfall der Räuber. Foto: (c) EAT
    Nach dem Überfall der Räuber. Foto: (c) EAT
  • Lagerfoto in bunter Gewandung. Foto: (c) EAT
    Lagerfoto in bunter Gewandung. Foto: (c) EAT

Die eigene Heimatstadt Tiamast besetzt, vertrieben an einen Ort, an dem man nicht mal zwei Tage bleiben darf, verfolgt von den Besatzern des Drei-Reiche-Bunds, umgeben von Räubern, Krankheiten und Spionen. Diesem Szenario stellten sich 20 Jugendliche beim Live-Aktion-Rollenspiel (LARP) „Ein neuer Grundstein“ vom 04.-06.07 im Lutherpark bei Erfurt. Dabei schlüpften sie in verschiedene, selbstentwickelte Rollen, zogen sich Gewandungen an und bewaffneten sich mit Zelt, Isomatte, Schlafsack und LARP-Schwert.

Wenn sie erst die Gefahren des Weges hinter sich gebracht hatten, galt es ein Lager zu errichten, Essen über dem Feuer zuzubereiten, sich für den Kampf zu wappnen und die Umgebung zu erkunden. Dabei tauchten schnell alchemistische Schriften und verschlüsselte Botschaften auf. Doch mit Essen, Lagerfeuer und mehr oder weniger erfolgreicher Banditenabwehr verging die Zeit recht schnell und bald bezogen alle ihre Nachtlager.

Am nächsten Tag ging das bunte Lagerleben weiter. Es wurde geschmiedet, Körbe geflochten, Söldner rekrutiert und weiter merkwürde Knochen mit alchemistischen Zeichen gesammelt. Doch die Lage verschlechterte sich zusehends. Zunächst verschwanden immer wieder Lebensmittel, die Ressourcen wurden knapper und die beiden ursprünglichen Bewohnerinnen der Waldlichtung pochten immer wieder auf ein Weiterziehen der Flüchtigen. Als auch noch ein verstecktes Lager im Wald und ein toter Briefkasten mit Botschaften an den Drei-Reiche-Bund entdeckt wurden, schien die Situation zu kippen. In einem verzweifelten Moment griff ein Alchemist aus dem Lager eine vorbeiziehende Patrouille an. Er tötete zwei Soldaten und schlug den letzten in die Flucht. Nur der Festsetzung des Alchemisten, der Überführung des Spions, und dem Verhandlungsgeschick des Söldnermeisters war es am Ende zu verdanken, dass die angerückten Truppen des Drei-Reiche-Bundes ohne Blutvergießen weiterzogen.
Als auch noch ein abendlicher Banditenüberfall ohne große Verluste, dank der Hilfe von Tränken, aus den mittlerweile entschlüsselten alchemistischen Schriften, abgewehrt werden konnte, kehrte Frieden im Lager ein.

Wie es mit der Handlung weiter geht, kann beim Pen and Paper-Stammtisch miterlebt und erspielt werden. (Jeden vierten Montag im Monat in der Offenen Arbeit Erfurt)

Am Sonntag kehrten die Jugendlichen aus der LARP-Welt Tiamast wieder in die Realität zurück. Nun stellten sich viele spannende Fragen. Ist Moral käuflich und was unterscheidet sie von Ehre? Ist es okay Lebensmittel für einen Kranken zu stehlen? Was tun, wenn man nirgends willkommen ist? Die Erlebnisse der letzten zwei Tage führten zu angeregten Gesprächen und Diskussionen. Dabei kamen die Jugendlichen schnell von der Situation rund um Tiamast zu Erlebnissen in ihren Lebenswelten. Im Lager hatte der mit den meisten Waffen die meiste Macht, aber wie läuft das in der eigenen Klasse oder Schule? Wer bestimmt, was moralisch ist und was nicht? Wie kann ich mich einbringen, wenn ich merke, dass Dinge schieflaufen? Auch konnten die Jugendlichen überlegen welche Eigenschaften ihrer Charaktere sie gerne selbst mehr ausleben würden und welche sie sofort hinter sich lassen möchten.

Insgesamt waren es drei Tage voller Spaß, spannenden Erlebnissen, wilden Kämpfen und guten Gesprächen. Daher verwundert es kaum, dass der Wunsch nach einer Wiederholung 2026 direkt lautgeworden ist.