Allersleben - Eine Projektwoche zum Aufwachsen in der DDR

An der ehemaligen innerdeutschen Grenze Foto: (c) Lehmann/EAT 
Kurzes Chronikquiz zur Geschichte der DDR Foto: (c) Lehmann/EAT 
Eine der Cliquen aus dem Spiel "Allersleben": Die AG-Technik Foto: (c) Lehmann/EAT
Vom 28.09. – 01.10.2026 fand in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach eine Projektwoche zum Aufwachsen in der DDR mit Schüler:innen der Richardt-Müller-Schule aus Fulda statt.
Der Montag startete mit einer Reihe abwechslungsreicher Methoden zum Kennenlernen untereinander. Anschließend wurde über das Vorwissen zum Thema DDR geredet. Durch ein World-Café und ein Quiz wurden alle Jugendlichen auf den gleichen Stand gebracht. Schon dort fiel auf: Die Vorkenntnisse schwanken stark. Einige Jugendliche brachten viel Vorwissen aus der Schule, einige aus familiären Erzählungen und einige aus privaten Recherchen mit. Andere hatten noch wenig Berührungspunkte mit dem Thema, waren aber mindestens genauso interessiert dabei. Abends wurde gemeinsam der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ geschaut. Diese, auf einer wahren Begebenheit beruhende, Geschichte und die Folgen für die Jugendlichen beeindruckte die Gruppe sehr.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen des spielerischen Lernens. Am Vormittag lernten die Schüler:innen durch das Spiel „Allersleben“, wie das Aufwachsen in der DDR aussehen konnte. Bei dem Biografiespiel erstellten sich die Teilnehmenden eigene Charaktere und bildeten Cliquen, wie zum Beispiel die Offene Arbeit oder auch die FDJ. Diese Erlebnisse wurden am Nachmittag, unter anderem, so zusammengefasst: „Man konnte sehr unterschiedliche Erfahrungen in dieser Zeit machen“ und „Wir haben manchmal gar nicht mitbekommen, wenn Klassenkamerad:innen ungerecht behandelt worden sind oder nicht die gleichen Chancen hatten“.
Am Mittwoch stand das erste Zeitzeugengespräch auf dem Plan. Mit Olaf Becker wanderte die Gruppe am Grenzlehrpfad in Obersuhl entlang. Olaf Becker, der seinen Wehrdienst an der Grenze als Hundeführer leistete, beantwortete anschließend die Fragen der Schüler:innen, die sich vor allem um Freiheiten innerhalb des Systems und Fluchtgedanken drehten. „Wir haben getrunken und geraucht“ führte Becker auf die Frage aus, wie Sie ihre Freizeit in der Kaserne verbrachten und wie Sie mit der Gesamtsituation umgegangen sind. Abends gab es dann noch eine szenische Comiclesung in der Volkshochschule unter dem Titel „Rose + Robert: Liebe in Zeiten der Kriege“. Wie sich eine Begegnung in Ungarn auf das weitere Leben auswirken und einen sogar ins Gefängnis bringen konnte, zeigte einen weiteren Aspekt des Unrechtsstaats.
Am Donnerstag führten die Schüler:innen ein zweites Zeitzeugengespräch mit Susann Spindler. Sie wohnte einige Zeit am letzten Dorf vor der Grenze an der Ostsee und beschrieb, wie immer ein Umweg gefahren werden musste, um an den Strand zu kommen. Dies war allerdings nur eine kleine Einschränkung zu dem, wie sich das System auf ihre berufliche Laufbahn auswirkte. Als Tochter eines Bäckermeisters, durfte sie selber nicht studieren und kam in den gewünschten sozialen Arbeitsbereich bei der Diakonie nur über Umwege. Zur Rolle der Frau in der DDR sagte Sie: „Ja, es waren mehr Frauen in Arbeit. Aber nicht aus Gründen der Gleichberechtigung, sondern nur weil das System auch diese Arbeitskräfte brauchte“.
Nach dem Gespräch fand eine Fazitrunde der Woche statt. Einige Schüler:innen drückten aus, wie froh sie über die Meinungsfreiheit in Deutschland sind. Andere betonten, wie schön diese gemeinsame Woche im Klassenverband war und wie wichtig gegenseitiges Wahrnehmen und ein respektvoller Umgang mit Allen ist.