Vorbereitungen auf Gespräche im öffentlichen Raum rund um den Gendarmenmarkt in Berlin. Foto: (c) Tippelhoffer/EAT
Warm-Up mit allen teilnehmenden Schüler:innen aus unterschiedlichen Schulen in Berlin und Brandenburg in der Französischen Friedrichstadtkirche. Foto: (c) Tippelhoffer/EAT
"Nicht ohne uns über uns". Foto: (c) Tippelhoffer/EAT
Wie sieht die Welt außerhalb der eigenen Bubble aus? Mit dieser Frage beschäftigten sich 18 Schüler:innen der Klassenstufen 9 bis 12 beim Bubble Crasher-Workshop im Rahmen des Demokratieforums der Evangelischen Akademie zu Berlin am 9. Juni 2026 in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin. Statt im Seminarraum fand der Bubble Crasher-Workshop dort statt, wo Demokratie jeden Tag gelebt wird, im öffentlichen Raum.
Nach einer gemeinsamen Reflexion über die eigenen Lebenswelten, Informationsräume und Gewohnheiten ging es schnell vom Nachdenken ins Handeln. Ausgestattet mit Kreide, Pappschildern und einer Portion Neugier machten sich die Jugendlichen auf den Weg in den öffentlichen Raum. Dort warteten kleine Challenges, Perspektivwechsel-Übungen und vor allem Begegnungen mit Menschen, die sie sonst vermutlich nicht angesprochen hätten.
Besonders beeindruckend war die Offenheit, mit der sich die Teilnehmenden auf die Gespräche einließen. Statt oberflächlicher Smalltalks entwickelten sie eigene Fragen, die schnell zu persönlichen und nachdenklichen Antworten führten. „Was erwartest du von deiner Zukunft?“, „Welchen Rat würden Sie uns, der jüngeren Generation geben?“ oder „Was bedeutet für dich Liebe?“ Fragen, die Passant:innen zum Nachdenken brachten und überraschende Geschichten hervorlockten.
Die Jugendlichen erfuhren dabei, wie bereichernd es sein kann, Menschen mit anderen Erfahrungen, Perspektiven und Lebensentwürfen zuzuhören. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Demokratie nicht nur in politischen Debatten stattfindet, sondern auch im alltäglichen Gespräch, im Interesse füreinander und in der Bereitschaft, die eigene Sichtweise zu hinterfragen.
Wer seine Bubble verlässt, entdeckt nicht nur neue Perspektiven, sondern oft auch unerwartete Gemeinsamkeiten. Genau darin liegt eine wichtige Grundlage für demokratisches Miteinander.
Die Eröffnung des Abends übernahmen mit Dr. Steffen Liebig und Prof. Dr. Klaus Dörre (v.l.n.r.) zwei Herausgeber des Sammelbandes "Umkämpfte Transformation". Foto: (c) Schläger/EAT
Der größere Teil des Abends war persönlichen Tischgesprächen vorbehalten: der Betriebsratsvorsitzende von Opel Eisenach, Bernd Lösche, neben Klaus Dörre (v.l.n.r.). Foto: (c) Schläger/EAT
„Transformation“ ist ein Wort, das vieles verspricht und gerade deshalb zunehmend umstritten ist. Es klingt nach Aufbruch, Modernisierung und notwendiger Anpassung an neue Realitäten. Zugleich verbinden viele Menschen damit Unsicherheit, Zumutungen und politische Konflikte. Genau um diese Spannung ging es beim Augustinerdiskurs am 21. Mai im Augustinerkloster zu Erfurt. Anlass war die Vorstellung des Sammelbandes „Umkämpfte Transformation“. Konflikte um den digitalen und ökologischen Wandel, der danach fragt, wie sich Arbeit, Industrie und Gesellschaft unter dem Druck ökologischer und digitaler Veränderungen neu sortieren.
Im Mittelpunkt des Abends stand nicht die Frage, ob Wandel notwendig ist. Klimakrise, Digitalisierung, globale Konkurrenz und industrielle Umbrüche machen Veränderung längst unvermeidlich. Entscheidend ist vielmehr, wie dieser Wandel gestaltet wird: Wer entscheidet über seine Richtung? Wer trägt seine Kosten? Wer profitiert von neuen Technologien, Märkten und Geschäftsmodellen? Und wer erlebt Transformation vor allem als Kontrollverlust?
Der Begriff „Transformation“ wird häufig so verwendet, als beschreibe er einen planbaren Übergang von einem alten in ein neues, besseres Wirtschaftsmodell. Die Diskussion machte jedoch deutlich, dass diese Vorstellung zu glatt ist. Transformation ist kein neutraler Modernisierungsprozess, sondern ein gesellschaftlicher Konflikt. Sie berührt Eigentumsfragen, Machtverhältnisse, soziale Sicherheiten und demokratische Beteiligung. Genau deshalb ist sie umkämpft. Ein zentraler Gedanke war, dass ökologische Krisen zwar alle betreffen, aber keineswegs alle in gleicher Weise. Der Klimawandel ist global, doch die Möglichkeiten, auf ihn zu reagieren, sind sozial ungleich verteilt. Unternehmen, Management und Investoren können strategische Entscheidungen treffen, Investitionen verschieben oder Standorte neu bewerten. Beschäftigte hingegen erleben solche Entscheidungen oft als Vorgaben, auf die sie nur begrenzt Einfluss haben. Sie sollen flexibel sein, sich weiterbilden und den Wandel mittragen, während die grundlegenden Weichenstellungen häufig anderswo getroffen werden.
Besonders sichtbar wird diese Spannung in der industriellen Arbeitswelt. Die Automobilbranche steht exemplarisch für eine Transformation, die ökologisch notwendig, technisch anspruchsvoll und sozial hoch riskant ist. Der Übergang zu neuen Antrieben, die Bedeutung von Batterietechnologien, internationale Konkurrenz und unsichere Nachfrage stellen ganze Produktionsmodelle infrage. Hinter der abstrakten Rede von Elektromobilität stehen konkrete Fragen: Welche Werke haben Zukunft? Welche Arbeitsplätze bleiben erhalten? Welche Qualifikationen werden gebraucht? Und wer entscheidet darüber?
Damit rückt die betriebliche Ebene in den Mittelpunkt. Dort wird Transformation nicht als politisches Schlagwort erlebt, sondern als Alltag: in Produktionsplanungen, Materialengpässen, Arbeitszeitregelungen, Standortdebatten und Beschäftigungssorgen. Gerade deshalb sind Betriebsräte, Tarifverträge und Mitbestimmung keine Randthemen. Sie sind Voraussetzungen dafür, dass Wandel nicht nur verordnet, sondern sozial ausgehandelt werden kann. Wo solche Sicherheiten schwinden, wird Transformation schnell als Bedrohung wahrgenommen.
Der Abend zeigte auch, wie gefährlich es ist, industrielle Krisen falsch zu deuten. Wenn Arbeitsplätze unter Druck geraten und Zukunftsversprechen ausbleiben, entstehen politische Deutungskämpfe. Die Ursachen können in Managemententscheidungen, fehlenden Investitionen, globalen Abhängigkeiten oder unzureichender Industriepolitik gesucht werden. Sie können aber auch in Ressentiments übersetzt werden: gegen Klimapolitik, gegen Gewerkschaften, gegen Sozialstaat oder gegen vermeintliche Gewinnerinnen und Gewinner des Wandels. Gerade rechte Akteure versuchen, solche Unsicherheiten zu nutzen, indem sie komplexe wirtschaftliche Konflikte auf einfache Feindbilder reduzieren.
Auch das Thema Weiterbildung wurde in diesem Zusammenhang differenziert betrachtet. Qualifizierung ist zweifellos notwendig, wenn sich Technologien, Produktionsprozesse und Berufsbilder verändern. Doch Weiterbildung allein löst keine strukturellen Probleme. Beschäftigte können sich nur dann sinnvoll auf neue Anforderungen vorbereiten, wenn klar ist, welche industrielle Perspektive überhaupt besteht. Wo Betriebe keine Ressourcen haben, wo Strategien fehlen oder wo Standorte grundsätzlich infrage stehen, bleibt der Appell zur Weiterbildung schnell abstrakt. Bildung kann deshalb nur dann Teil einer demokratischen Transformation sein, wenn sie mehr ist als individuelle Anpassung an wechselnde Marktbedingungen. Sie muss Beschäftigte befähigen, Veränderungen zu verstehen, ihre Interessen zu artikulieren und an der Gestaltung ihrer Arbeitswelt mitzuwirken. Dafür braucht es betriebliche Strukturen, starke Interessenvertretungen, öffentliche Unterstützung und eine Industriepolitik, die nicht nur Krisen verwaltet, sondern Zukunft ermöglicht.
Die Diskussion im Augustinerkloster machte deutlich: Eine sozial-ökologische Transformation kann nicht allein technisch gedacht werden. Es geht nicht nur um neue Antriebe, digitale Prozesse oder effizientere Produktionsweisen. Es geht um die Frage, wie Gesellschaften mit Unsicherheit umgehen und ob sie Wandel demokratisch gestalten können. Klimaschutz, industrielle Zukunft und Gute Arbeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie müssen zusammengedacht werden. Der Sammelband „Umkämpfte Transformation“ setzt genau hier an. Er lenkt den Blick auf die betriebliche Arbeitswelt und auf jene Akteurinnen und Akteure, die in vielen öffentlichen Debatten zu wenig vorkommen: Beschäftigte, Betriebsräte, Gewerkschaften, regionale Industrien und ihre Konflikte. Gerade dort entscheidet sich, ob Transformation Vertrauen schafft oder Vertrauen zerstört.
Am Ende bleibt die Einsicht, dass Zukunft nicht automatisch aus technologischen Möglichkeiten oder politischen Zielmarken entsteht. Sie wird ausgehandelt zwischen Kapital und Arbeit, Politik und Betrieben, ökologischer Notwendigkeit und sozialer Sicherheit. Transformation ist deshalb kein Konsensbegriff, sondern ein Konfliktbegriff – und gerade darin liegt seine Bedeutung.
Die Stasi nannte ihn Hai. Als es um seine Jugendarbeit ab 1968 ging, griff Jürgen Hauskeller das Bild auf. Für den DDR-Geheimdienst sei er der „Hai im Karpfenteich“ gewesen. Denn die bis zu 500 Besucher bei den „Gottesdiensten einmal anders“ in Zella standen in Konkurrenz zum Anspruch des SED-Staats auf die Jugend.
Was folgte, war eine dauerhafte Verfolgung und Bearbeitung durch die Stasi. Der letzte Maßnahmenplan mit dem Ziel seiner Amtsenthebung datiert auf September 1989. Doch auch seine Kirche distanzierte sich von ihm. Landesbischof Ingo Braecklein, selbst inoffizieller MfS-Mitarbeiter, hatte den Eindruck, Hauskeller sei „kein Pfarrer, sondern irgendein Beatfan“. Später in Sondershausen war sogar sein unmittelbarer Dienstvorgesetzter, Superintendent Adebar, auf ihn angesetzt.
Am 21. Mai hatten die Evangelische Akademie Thüringen und der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu einem biografischen Gespräch nach Sondershausen eingeladen, wohin Jürgen Hauskeller 1975 strafversetzt worden war und bis zu seiner Emeritierung Pfarrer blieb. An die 80 Teilnehmende, unter ihnen die ehemaligen Landesbeauftragten Hildigund Neubert und Christian Dietrich, erlebten im Bürgerzentrum Cruciskirche zwei zeit- und kirchengeschichtliche Lehrstunden.
Nach einer Begrüßung durch Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich und einer Einleitung durch den Landesbeauftragten Dr. Peter Wurschi moderierte – im Angesicht der Ordner der Stasiakten zu den „Gottesdiensten in neuer Gestalt“, „OPV Hai“ und „OPK Patengemeinde“ – Henry Bernhard das Gespräch. Der Thüringer Landeskorrespondent für den Deutschlandfunk nahm sogleich Bezug auf den Bußgottesdienst für Jürgen Hauskeller am 7. Juni 2025 und spielte O-Töne davon ein. Dieser sagte daraufhin sichtlich bewegt, dieser Gottesdienst sei die „geistliche Aufarbeitung“ gewesen, die er immer gewollt habe. Das Feature von Henry Bernhard darüber gebe die dichte Atmosphäre wieder und treffe die Sache genau.
An einer Kirche, der es nicht gelang, mit eigener Schuld umzugehen, sei er zuvor zwischenzeitlich „irre geworden“. Weshalb Kirchenleitende nach 1989 mit einem „apologetischen Reflex“ auf Vorwürfe und Fragen nach Verstrickungen im SED-Staat bis hin zu „Täterschutz“ reagierten, analysierte der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Friedemann Stengel. Offenbar musste erst eine Generation in Leitungsfunktionen gelangen, die selbst durch die damalige Jugendarbeit geprägt und bereit ist, die Defizite ihrer Vorgänger offener zu betrachten.
Zu dieser Generation gehört auch Regionalbischof Tobias Schüfer. Er vermochte, in der Causa Hauskeller einen neuen Impuls zu geben, der einen Prozess anstieß, an dessen Ende das Unrecht, das Jürgen Hauskeller seitens der Kirche widerfuhr, offiziell geistlich anerkannt wurde. Im Gespräch lieferte Tobias Schüfer einige Nahaufnahmen vom Weg bis hin zum Bußgottesdienst in Zella.
Bei all dem hielt Jürgen Hauskeller fest: In seiner Gemeinde habe er zu DDR-Zeiten unglaublich viel Zuspruch erhalten, sei getragen, ja geliebt worden. In einer „erlebnisorientierten“ Gemeindearbeit habe man damals „Glauben gelebt“. Im Nachhinein sei es besonders befremdlich, dass Hauskellers Jugendgottesdiensten der Gottesdienstcharakter bestritten worden sei, so Tobias Schüfer. Deshalb enthalte die EKM-Erklärung zu Pfarrer Hauskeller den schlichten Satz: „Diese Jugendgottesdienste waren Gottesdienste.“
Einig waren sich die drei Gesprächsteilnehmer darin: Der eigentliche Druck auf die Kirchen in der DDR rührte von der herrschenden Partei, der SED, her. Die Staatssicherheit war der SED als ausführendes Organ nachgeordnet. Kirche und Christen waren zuerst einer offenen Unterdrückung, später einer Politik der Nadelstiche ausgesetzt. Kirche im Rückblick als Hauptschuldige für das DDR-Unrecht verantwortlich zu machen, ist absurd.
Jürgen Hauskeller wusste die Konflikte mit Vertretern des SED-Staates mit etlichen Begebenheiten und Anekdoten zu untermalen und gestand zugleich zu, an bestimmten Punkten auch Angst gehabt zu haben. Im Nachhinein hätten ihn besonders die minutiösen Maßnahmepläne des MfS gegen ihn schockiert, die darauf zielten, sein Leben kaputtzumachen.
Ein knappes Jahr nach dem Bußgottesdienst in Zella ein Abend in Sondershausen: Was bedeutete er für Jürgen Hauskeller und viele Weggefährten, die gekommen waren? Ich habe meinen Frieden in Zella gefunden, so Hauskeller. Sondershausen sei noch offen gewesen. Jetzt sei er auch mit diesem Teil seiner Lebensgeschichte im Reinen. Nach vielen Konflikten vor Ort hieß und heißt die jetzige Pfarrerin Viktoria Bärwinkel in Sondershausen zum Ende der Veranstaltung herzlich willkommen. Seinen 90. Geburtstag kann und will Jürgen Hauskeller in seiner ehemaligen Gemeinde feiern.
Am 17. Mai feierte das Lutherhaus Eisenach sein 70-jähriges Bestehen als Museum. Zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Landeskirche kamen am frühen Abend zu einer feierlichen Veranstaltung mit musikalischer Untermalung zusammen. Ein besonderer Höhepunkt war die Rede von Friedrich Kramer, der die Bedeutung des Hauses als Ort der Erinnerung, Bildung und Auseinandersetzung würdigte.
Bereits am Nachmittag erwartete die Besucherinnen und Besucher auf dem Lutherplatz ein buntes Programm für Klein und Groß. Kreative Angebote wie Kalligraphie, Linoldruck und das Herstellen von Kräutersalz luden zum Mitmachen ein und sorgten für lebendige Begegnungen rund um das Museum.
Auch die Jugendbildungsstätte Junker Jörg, ein wichtiger Kooperationspartner des Lutherhauses, beteiligte sich mit eigenen Aktionen am Jubiläum. Neben einem Quiz zu Luther, Reformation und Eisenach konnten Kinder und Jugendliche die Lutherrose mit Knetmasse modellieren und sich spielerisch mit der Geschichte der Reformation auseinandersetzen.
Darüber hinaus bot das Lutherhaus Einblicke in seine dauerhafte Sonderausstellung zum sogenannten „Entjudungsinstitut“, die an die problematische Rolle der Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert und wichtige Impulse für die historische Bildungsarbeit setzt.
„Mit der Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK, 2006) hat sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, ‚ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen‘ (Art. 24 (1) UN-BRK) zu verwirklichen. Auch die politische Bildung steht seither in besonderer Verantwortung, von Ausgrenzung betroffene Menschen vermehrt einzubeziehen.“
Unter diesen Prämissen kamen diese Woche in Tutzing an der Akademie für Politische Bildung vom 11. bis 12. Mai Politik-, Sozial- und Erziehungswissenschaftler:innen sowie in der Bildungsarbeit Tätige zur Tagung „Inklusive Gesellschaft?!“ zusammen.
Mit dabei waren Mark Medebach, Bereichsleiter für politische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. und Dr. Sabine Zubarik, Studienleiterin für Medien, Kunst und Gesellschaft an der Evangelischen Akademie Thüringen. Sie präsentierten in ihrem gemeinsamen Vortrag unter dem Titel „Alle(s) mitdenken?! Inklusive und barrierearme politische Bildung und Diskursarbeit in Evangelischen Akademien“ Ergebnisse aus der vierjährigen Zusammenarbeit der Innovationsgruppe Inklusive Politische Bildung und dem 2025 veröffentlichten Working Paper.
Mark Medebach und Sabine Zubarik fragten in ihrem Beitrag, wie das Leitbild einer inklusive(re)n Gesellschaft, in der eine gerechte und selbstbestimmte Teilhabe für potentiell alle Menschen möglich ist, prozesshaft in der Bildungspraxis umgesetzt werden kann. Ausgehend von einem breiten Verständnis von Inklusion, der den Fokus von Menschen mit Behinderungen erweitert auf vielfältige Differenzen und besondere Bedarfe in heterogen zusammengesetzten Gruppen, sprachen sie vom Ziel einer möglichst weitgehenden Barrierearmut für alle Beteiligten statt Barrierefreiheit für Einzelne. Es geht also um Kompromisse und Aushandlungen, insbesondere auch im Rahmen der vorhandenen Ressourcen wie Personal, Finanzmittel, bauliche und strukturelle Gegebenheiten und nicht zuletzt Zeit.
Eine solche Herangehensweise erfordert auch die (selbst-)reflexive Haltung der Bildungsanbieter:innen: Welche Vorurteile und Haltungen bringen wir in unsere Arbeit mit ein, aus welchen gesellschaftlichen Positionen heraus und mit welchen Privilegien agieren wir? Was halten wir für „normal“? Welcher Beitrag für eine Veranstaltung scheint uns „wertvoll“? Wo können wir etwas Neues lernen statt vermeintlich schon „zu wissen“?
Diesbezüglich ist bereits in der Planung und Vorbereitung einer Veranstaltung wichtig, Personen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen von Anfang an miteinzubeziehen und ihre Expertise bei der Themenauswahl und der Durchführung ernst zu nehmen, aber auch über Grenzen und Hürden zu sprechen und diese zu akzeptieren. Manchmal bedeutet das, Zielgruppen durchaus Methoden oder Themen „zuzumuten“: Warum keine europäische Erinnerungsarbeit mit Menschen mit geistiger Erinnerung angehen oder Personen mit Legasthenie zu einer Erzähl- und Schreibwerkstatt einladen? Manchmal bedeutet es auch ein Umdenken in der Vielfältigkeit von Partizipation: Wenn jemand nicht auf dem Podium exponiert sein möchte, kann beispielsweise ein vorab aufgenommenes Videointerview gezeigt werden.
Zwei mitgebrachte Veranstaltungsbeispiele der Akademien Bad Boll und Thüringen berichteten, wie dies in der Praxis angegangen werden kann.
Die Tagungsbeiträge sollen im Nachgang der Veranstaltung in einem Sammelband veröffentlicht werden.
„Prekäre Arbeit – Wohlstand hat seinen Preis. Schaut hin!“ Informationskampagne des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) und des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA).
Kampagnenmotiv: Prekäre Arbeit in der in der Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP).
Kampagnenmotiv: Prekäre Arbeit in der häuslichen Pflege.
Prekäre Arbeit - Schaut hin! Eine Fürbitte.
Schöne neue Arbeitswelt! Der Spruch war wohl noch nie ganz ernst gemeint. Zum 1. Mai ist es aber angebracht, sich die gelebte Arbeit einmal ganz genau anzuschauen. Nicht alle können schließlich die KI für sich arbeiten lassen… „Leistung“, „Flexibilität“, „Eigenverantwortung“ – die Anforderungen an Arbeitende bleiben hoch. Manchmal zu hoch, wenn man bedenkt, unter welchen Voraussetzungen viele arbeiten müssen. Gerade wenn der Arbeitsmarkt schwächelt, erhöht sich der Druck noch weiter.
Viele Arbeitende erleben auch ohne aktuelle Wirtschaftskrisen Zustände, die den Arbeitsplatz zum Angstgegner machen. Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und keine Aussicht auf Besserung – das sind die Perspektiven, die in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Politik schon im wirtschaftlichen „Normalbetrieb“ zu oft hinten runterfallen. Und jetzt auch das noch: In der Krise fordern führende Politiker und Interessenverbände, mehr und länger zu arbeiten.
KWA-Kampagne: „Prekäre Arbeit – Wohlstand hat seinen Preis. Schaut hin!“
„Prekäre Arbeit – Wohlstand hat seinen Preis. Schaut hin!“ Mit dieser Informationskampagne wollen der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai den Blick dorthin lenken, wo (nicht selten unbezahlte) Mehrarbeit noch nie weg war und das tägliche Arbeiten sicher nicht mit „Selbstverwirklichung“ zu verwechseln ist.
In Deutschland arbeiten schätzungsweise mehrere Millionen Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, wie zum Beispiel in Teilzeitjobs, Leiharbeit oder Minijobs. Die genaue Zahl kann variieren, aber Berichte deuten darauf hin, dass es sich um etwa 7 bis 8 Millionen Menschen handeln könnte, die in solchen Beschäftigungsverhältnissen tätig sind. Hier drei ausgewählte Beispiele:
Von den prekären Arbeitskräften kommen viele aus Osteuropa. Schätzungen zufolge könnten mehrere Hunderttausend bis über eine Million dieser Arbeitskräfte aus Ländern wie Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn oder der Slowakei stammen. Sie sind so unentbehrlich für uns, wie sie unsichtbar sind. Es ist wie auf einem großen Kreuzfahrtschiff: Von den bis zu 2.000 Besatzungsmitgliedern bekommen Sie als Fahrgast nur einen Bruchteil zu Gesicht.
Heute ungesehene Zumutungen können schon morgen die eigene Arbeitsrealität sein
Prekäre Arbeit ist oft das Ergebnis von Globalisierung und der Suche nach Kostensenkungen. Auch Deregulierung unter den Etiketten der „Entbürokratisierung“ oder der „Wettbewerbsfähigkeit“ gehört zu den Ursachen. Unternehmen lagern Arbeitsplätze aus, setzen auf kurzfristige Verträge und minimieren ihre Verantwortung gegenüber den Beschäftigten. Dies führt zu einer Entwertung von Arbeit und einem Anstieg von Armut trotz Vollzeitbeschäftigung.
Argumente gegen prekäre Arbeit aus christlicher Sicht
Wir müssen diese Themen offensiv ansprechen und uns für eine solidarische Gemeinschaft einsetzen, die für faire Arbeitsbedingungen und ein gerechtes Wirtschaftssystem sorgt. Denn was wir anderen ungesehen zumuten, kann schon morgen unsere Arbeitsrealität sein!
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Im Downloadbereich finden Sie die aktuelle Pressemitteilung des KWA zum 1. Mai 2026. Weitere Informationen, Materialien und Handreichungen finden Sie auf der zentralen Kampagnen-Website des KWA: