Evangelische Akademie Thüringen

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Eine Landschaft, die verbindet: Entdeckungen an der Saale-Unstrut

  • Die Neuenburg verdankt ihen Erhalt dem jahrzehntelangen Einsatz von ehrenamtlicher Arbeit. Foto: (c) Robinson/EAT
    Die Neuenburg verdankt ihen Erhalt dem jahrzehntelangen Einsatz von ehrenamtlicher Arbeit. Foto: (c) Robinson/EAT
  • Die Region um Freyburg an der Saale-Unstrut ist geprägt vom Weinbau. Foto: (c) Robinson/EAT
    Die Region um Freyburg an der Saale-Unstrut ist geprägt vom Weinbau. Foto: (c) Robinson/EAT
  • Die Strecke zwischen Freyburg und dem Pegel an der Stadtgrenze Naumburg wurde auf dem Wasser per Schlauchboot zurückgelegt. Foto: (c) Robinson/EAT
    Die Strecke zwischen Freyburg und dem Pegel an der Stadtgrenze Naumburg wurde auf dem Wasser per Schlauchboot zurückgelegt. Foto: (c) Robinson/EAT
  • In der Mühle Zeddenbach erfuhren die Teilnehmenden viel über die Schwierigkeit, traditionelles Wissen des Müllerhandwerks zu bewahren und heute noch anzuwenden. Foto: (c) Robinson/EAT
    In der Mühle Zeddenbach erfuhren die Teilnehmenden viel über die Schwierigkeit, traditionelles Wissen des Müllerhandwerks zu bewahren und heute noch anzuwenden. Foto: (c) Robinson/EAT

Die Stille des Wassers -
wie die Weite aus einem Heißluftballon.
Wir gleiten entlang wie Treibgut auf der Unstrut.
Finden Achtsamkeit auf holprigen Straßen,
sammeln mit Bedacht, wo oft Unbedacht herrschte.
Ob Flüsse, Straßen, Grenzen – unsere Federn lassen uns darüber gleiten.
Nicht nur Gott isst gerne Käsekuchen, sondern wir auch.
Entdecken neue Perspektiven, von weit oben, durch Kinderaugen, von ruhigen Gewässern.
Spüren nach, über die Leidenschaften, den Frust und die Vielseitigkeit der Menschen.
Ein Wechselbad der Gefühle bleibt zurück.
Zeigen Dankbarkeit über jeden Moment
im Beisammensein mit Eisvögeln, Wasserspeiern und Begegnungen miteinander.


In der Auswertungsrunde am letzten Tag der Wander- und Begegnungswerkstatt in Freyburg an der Unstrut fasste Praktikantin Rebecca Robinson die Eindrücke der Teilnehmenden zusammen zu diesem Spontan-Gedicht. Vier Tage lang, vom 17. bis 20. September 2026, waren die 22 Teilnehmenden unter dem Motto „Zeiten, Landschaften, Menschen – verbunden am Fluss“ gemeinsam unterwegs, um in der Saale-Unstrut-Region Ausschau zu halten, was die Bewohner:innen vor Ort bewegt und wie sie ihre Umgebung mitgestalten.

Und tatsächlich war das Ausmaß der Mitwirkung und des zivilgesellschaftlichen Engagements an vielen Orten beispielhaft und geradezu überwältigend: Schon bei der ersten Exkursion hoch zur Neuenburg bestaunten die Teilnehmenden, wieviel Arbeit und Gemeinschaftssinn seitens der Bürger:innen in die Restaurierung und Erhaltung dieser Burg geflossen sind, die ungefähr dreimal so groß wie die Wartburg und eine der größten historischen Burganlagen Deutschlands ist.

Der Landschaft selbst kam die Gruppe am nächsten Tag per Schlauchboot und zu Fuß näher, durch den Blütengrund entlang der Strecke vom Pegel am Stadtrand Naumburgs zurück nach Freyburg kundig geführt von Rolf Hausch, früher hauptamtlich, nun ehrenamtlich tätig im Naturschutz des Burgenlandkreises. Abends luden der Pfarrer und aktive Gemeindemitglieder der Kirchgemeinde St. Marien zu einem Austausch ein, bei dem die Gäste erfuhren, wie die Gemeinschaft aus insgesamt sieben Teilgemeinden lebendig bleibt. Bei der abschließenden Kirchbesichtigung wurde draußen zwischen den Gebäuden gerade der Ausklang des kürzlich stattgefundenden Winzerfests gefeiert.

Am dritten Tag standen Handwerk und Unternehmen im Mittelpunkt: In der Mühle Zeddenbach berichtete der Müller, wie schwierig es heutzutage durch die staatlich-bürokratischen Auflagen und die landwirtschaftlichen Entwicklungen ist, traditonelles Handwerk auszuüben und Wissen anzuwenden bzw. weiterzugeben. Hautnah war die Frustration darüber zu spüren und der Verlust nachzuvollziehen. Die Teilnehmenden diskutierten noch bis zum Ende der Veranstaltung intensiv über diese Begegnung und die ungelösten Fragen.

Dem gegenüber stand der Besuch der nahegelegenen privaten Kaffeerösterei Moness, die sich von einer in der Garage betriebenen Hobbyrösterei zu einem erfolgreichen Unternehmen mit Hotel-, Veranstaltungs- und Cafébetrieb entwickelt hat, mitten im Unstruttal am Rande des Tausendseelenorts Balgstädt. Der Inhaberin des kleinen Cafés „Lavendelblüte“, das 2025 in Naumburg öffnete und schon bekannt ist für seine exquisite Patisserie, ist solch eine Erfolgsgeschichte ebenso zu wünschen, da waren sich die Gäste nach dem Gespräch beim nachmittäglichen Besuch einig.

Der Sonntag begann mit einer Reflexionsrunde darüber, was bisher an Eindrücken und Erlebnissen, aber auch Fragen gesammelt wurde. Anhand des „Fundstücks des Tages“, das die Teilnehmenden von jedem Veranstaltungstag mitbringen sollten, wurden denkwürdige Momente und Begegnungen zusammengetragen. Anschließend machte sich die Gruppe auf die letzte Wanderug zum Herzoglichen Weinberg am Rande Freyburgs, um bei einer Führung zu erfahren, wie sehr der Weinbau das Leben der Menschen bestimmt hat und noch immer gesellschaftlich zusammenhält – denn hier kann oft nur in Gemeinschaft kultiviert werden, was ein Einzelner nicht schaffen würde. Wie schon am ersten Tag auf der Neuenburg erlebt, zeigte sich wieder, wie wichtig das Engagement in Vereinen für den kulturellen Erhalt, aber auch für die Teilhabe an politischen Entscheidungen ist.

Die Wander- und Begegnungswerkstatt wurde von den beiden Evangelischen Akademien Thüringen (Studienleiterin Dr. Sabine Zubarik) und Sachsen-Anhalt (Studienleiterin Siegrun Höhne) in Kooperation mit der EAD organisiert und ist Teil des von der Bundeszentrale für politische Bildung noch bis Ende 2026 geförderten Modellprojekts Landwandel – Bewegung und Begegnung in ländlichen Räumen.