Falk-Jahr-Finale 2026 in Weimar

Grabstätte von Johannes Falk auf dem Historischen Friedhof Weimar | Bild: © Sebastian Kranich/EAT 
Johannes-Umzug auf dem Marktplatz in Weimar | Bild: © Sebastian Kranich/EAT 
Johannes-Umzug am Falk-Denkmal am Graben in Weimar | Bild: © Claudia Kunde 
Dr. Sebastian Kranich stellt Prof. Dr. Holger Zaunstöck im GSA Weimar vor | Bild: © Claudia Kunde 
Prof. Dr. Holger Zaunstöck spricht im GSA Weimar | Bild: © Claudia Kunde
Anlässlich des 200. Todestages von Johannes Falk (1768–1826) erinnerte das Falk-Jahr 2026 an den Schriftsteller, Pädagogen und Sozialreformer. Eine Vortragsreihe, ein Festgottesdienst und weitere Veranstaltungen haben sein vielfältiges Wirken beleuchtet und neue Impulse für die Beschäftigung mit seinem Werk gegeben.
In einem Pressegespräch zeigten sich die Organisatoren zufrieden mit der Resonanz auf das diesjährige Falk-Jahr. Ziel sei gewesen, Falk gerade in Weimar aus seinem Nischendasein zu holen, sagte der Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Dr. Sebastian Kranich.
Aufgrund seiner sozialpolitischen Bedeutung für das 19. Jahrhundert sei Johannes Daniel Falk (1768-1826) ebenso wichtig wie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich Schiller (1759-1805). Die „Soziale Frage“ sei heute wieder aktueller denn je, betonte Kranich. Als einer der Gründerväter des Diakonischen Werkes komme Falk besondere Bedeutung zu.
Der Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs, Dr. Christian Hain, kündigte an, mittelfristig den schriftlichen Nachlass Falks katalogisieren zu wollen. Das Archiv verwahrt rund 24.000 Blätter mit Briefen, Patientenakten und weiteren Dokumenten. Bislang fehle jedoch eine archivalische Tiefenerschließung. Detaillierte Findbücher könnten Falk für die wissenschaftliche Forschung wieder stärker zugänglich machen. Das Falk-Jahr habe dafür neues Interesse geweckt.
Zum Finale des Jahrs führte Sebastian Kranich am 22. Oktober im Herderzentrum Weimar zum Thema „Krisenreaktion: Der soziale Protestantismus in Mitteldeutschland im 19. Jahrhundert“ aus: Mitteldeutschland sei das Kernland der Reformation und zugleich die Region einer gewaltigen Industrialisierung im 19. Jahrhundert gewesen. Der daraus erwachsenden „Sozialen Frage“ hätten sich Gründer von Rettungs- und Gründerinnen von Diakonissenhäusern, Stadtbürger und Unternehmer, Genossenschaftstheoretiker und Nationalökonomen, Pfarrer und Politiker gestellt. Der Vortrag bot einen Einblick in das Laboratorium des „Sozialen Protestantismus“, in dem Johannes Falk, Philipp und Marie Nathusius, Mathilde Tholuck, Wilhelm Weitling, Victor Aimé Huber, Hermann Schultze-Delitzsch, Gustav Schmoller, Ernst Abbe, Carl Adolph Riebeck, Friedrich Naumann und viele andere arbeiteten und experimentierten.
Am 28. Oktober führte zunächst der traditionelle Johannes-Umzug von Falks Grab auf dem Historischen Friedhof über dessen einstige Wohnhäuser und den Lutherhof zum Johannes-Falk-Denkmal am Graben. Anschließend sprach Prof. Dr. Holger Zaunstöck im Vortragssaal des Goethe- und Schiller-Archivs über die Beziehungen zwischen den Franckeschen Stiftungen in Halle und der Stadt Weimar im langen 18. Jahrhundert. Dabei wurden Geschichten mit überraschenden Einblicken und Bezügen sichtbar. Der Leiter der Stabsstelle Forschung der Franckeschen Stiftungen band diese über einen roten Faden zu einer Geschichte zusammen, die so noch nicht erzählt ist. In ihr begegneten bekannte, weniger bekannte und unbekannte Akteurinnen und Akteure – von Francke bis Falk.
Getragen wurde das Falk-Jahr-2026 von der Klassik Stiftung Weimar, dem Johannes Falk e. V., der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (Kirchenkreis Weimar), der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein und der Evangelischen Akademie Thüringen.