Meister Eckhart? – Meister Eder!

Dr. Sebastian Kranich eröffnet die Tagung | Foto: Copyright EAT/Zubarik 
Dr. Freimut Löser | Foto: Copyright EAT/Zubarik 
Julia Koll liest aus ihrem Roman "Das Buch Mechthild" | Foto: Copyright EAT/Hellwig 
Pfarrer Ralf Kühlwetter-Uhle bei der Andacht im Raum der Stille | Foto: Copyright EAT/Zubarik
Wie bekannt ist Meister Eckhart? Geboren in Tambach oder in Hochheim im Nessetal. Mönch und Prior im Dominikanerkloster Erfurt. Einer der bedeutendsten Philosophen, Theologen und Mystiker des Mittelalters mit weiteren Wirkungsstätten in Köln, Paris und Straßburg. Wenn ich die Leute auf Meister Eckhart anspreche – so eine Stimme zu Beginn – bekomme ich zur Antwort: „Meister wer? Meister Eder kenne ich – und seinen Pumuckl. Aber Meister Eckhart?“
Gänzlich unbekannt war Eckhart von Hochheim (1260-1328) den Teilnehmenden der Tagung „Arm und Reich im Mittelalter – und heute. Meister Eckhart – Marguerite Porete – Mechthild von Magdeburg“ allerdings nicht. Eingeladen von der Evangelischen Akademie und der Meister-Eckhart-Gesellschaft waren sie zumeist mit einiger Vorkenntnis nach Neudietendorf gekommen.
Im Mittelpunkt der Tagung stand die Armutsproblematik im Mittelalter. Immer wieder ging es um die Verbindung von materieller und geistlicher Armut bei Waldensern, Franziskanern, Dominikanern und Beginen. Denn diese weibliche Lebens- und Frömmigkeitsbewegung, die Frauenmystik einer Mechthild von Magdeburg (1207-1282) und einer Marguerite Porete (1250/60-1310) sind es ebenso wert, Beachtung zu finden, wie die Schriften des hochgelehrten Magisters Eckhart.
Die literarische Qualität von Mechthilds Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ wurde vermittels des kongenialen Romans „Das Buch Mechthild“ von Professorin Dr. Julia Koll vermittelt. Die Autorin las aus ihrem funkensprühenden Debüt. Auch sonst wurde unter Anleitung von Prof. Dr. Freimut Löser meist eng an den Texten der mittelalterlichen AutorInnen gearbeitet, um deren Denken und Erleben nahe zu kommen. Dabei ergaben sich mitunter überraschende Parallelen zur inneren und äußeren Armut der Gegenwart sowie das Empfinden eines großen Abstands zur Welt des Mittelalters.
Sicher: Meister Eder und sein Pumuckl stehen vielen aus Kindertagen näher. Meister Eckhart sollte uns näher rücken. Im Blick auf sein 800. Todesjahr 2028 wird die Evangelische Akademie weiterhin ihren Teil dazu beitragen.