Evangelische Akademie Thüringen

‹ alle Blogartikel anzeigen

Nicht einig? Na und! Bubble Crasher bei der Tagung "Zwischen Rissen und Kitt: Politische Bildung im öffentlichen Raum"

Vortrag über das Bubble-Crasher-Projekt auf der Tagung "Zwischen Rissen und Kitt: Politische Bildung im öffentlichen Raum" Fotos: (c) EAT
Vortrag über das Bubble-Crasher-Projekt auf der Tagung "Zwischen Rissen und Kitt: Politische Bildung im öffentlichen Raum" Fotos: (c) EAT

Wie kann politische Bildung im öffentlichen Raum aussehen? Und was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen? Mit diesen Fragen war das Bubble Crasher-Projekt in Kassel bei der Tagung „Zwischen Rissen und Kitt: Politische Bildung im öffentlichen Raum“ der Evangelischen Akademien Hofgeismar und Berlin zu Gast. In ihrem Vortrag hat Anne Tippelhoffer das Projekt vorgestellt und dabei den Blick auf die Frage gelenkt, welches Verständnis von politischer Bildung Bubble Crasher zugrunde liegt und was sich verändert, wenn Demokratiebildung den Seminarraum verlässt.

Besonders spannend war die Perspektive des Beitrags, der ihrer Projektvorstellung vorausging. Ausgehend von radikaldemokratischen Theorien wurden gängige Dialogformate der politischen Bildung kritisch betrachtet. Denn der Wunsch nach Verständigung und Konsens kann auch dazu führen, Unterschiede zu überdecken, Machtverhältnisse aus dem Blick zu verlieren oder politische Auseinandersetzungen zu individualisieren. Für Bubble Crasher war das eine interessante Ausgangslage. Denn wenn wir Begegnung und Dialog fördern, geht es dann darum, Menschen zusammenzubringen und Verständigung herzustellen oder gerade darum, Unterschiede und Konflikte sichtbar und besprechbar zu machen?

Die Antwort liegt für Bubble Crasher weniger in der Auflösung von Unterschieden als in der Fähigkeit, mit ihnen umzugehen. Politische Bildung bedeutet für das Projekt nicht, Menschen von einer Position zur nächsten zu bringen oder am Ende einen Konsens herzustellen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Perspektivwechsel, Ambiguitätstoleranz und die Erfahrung, auch mit Menschen im Gespräch bleiben zu können, die anders denken oder leben. Der öffentliche Raum wird dabei zum besonderen Lern- und Experimentierfeld. Irritationen, spielerische Interventionen und ungewohnte Begegnungen können Routinen unterbrechen und neue Gespräche ermöglichen.

Die Tagung selbst bot dafür einen passenden Rahmen. Unterschiedliche theoretische Zugänge, Praxisbeispiele und Draußen-Formate machten deutlich, wie vielfältig die Fragen rund um politische Bildung im öffentlichen Raum sind. Für Bubble Crasher war besonders bereichernd, das eigene Verständnis von Begegnung und Dialog einmal aus einer radikaldemokratischen Perspektive heraus befragen zu lassen. Nicht jede Differenz muss überbrückt werden, aber vielleicht brauchen wir mehr Gelegenheiten, sie auszuhalten, sichtbar zu machen und miteinander auszuhandeln.