Trotz aktueller Sorge um Ansteckungsgefahren aufgrund des kursierenden Corona-Virus konnte die Thüringenausstellung auch dieses Jahr ihre Tore öffnen und die hereinströmenden Menschen willkommen heißen. Mittendrin ist, wie schon in den Vorjahren, der gemeinsame Stand der EKM und des Bistums Erfurt aufgebaut. Wer von Halle 1 zu den Hallen 2 und 3 weiter will, kommt daran vorbei, und wen das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz interessiert, der bleibt auch mal stehen.
Am Montag Vormittag hatte die Evangelische Akademie Thüringen ihren Einsatz am Stand. Sabine Zubarik berichtet, was es zu erleben gab: „Ich war sehr gespannt, wie die Voting-Station genutzt werden würde. Es geht um die Frage, ob man zugunsten des Tierwohls bereit wäre, einen höheren Preis für Fleisch zu bezahlen. Anfangs wurden die kleinen Bälle nur sehr zögerlich in die Ja- und Nein-Röhren geworfen, doch gegen Mittag war die Ja-Seite voll und bei Nein lagen nur 2 Stimmen. Das zeigt doch eine klare Tendenz.“
Der Hauptteil des Stands besteht aus informativen Stellblöcken, die von RENN, den Regionalen Netzstellen für Nachhaltigskeitsstrategien, entwickelt wurden. Dort gibt es Fakten, Bilder, Diagramme, Filmclips und Hörbeiträge zu Themen wie CO2-Emissionen und Mobilität, Lebensmittelvergeudung und nachhaltige Zukunft.
Die meisten Interessierten jedoch bleiben einfach am Runden Tisch stehen, unterhalten sich mit den beiden Standbetreuern – nicht nur über die Kirche – und nehmen gern die Postkarten mit, auf deren Rückseite leckere Rezepte der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ zu finden sind, z.B. zur Verarbeitung von nicht mehr ganz frischem Brot in Süßspeisen oder einem Brotsalat.
Was die Kirche auf der Thüringenausstellung, mitten im Verkaufsgetümmel zwischen Gartengeräten, Gesundheitsprodukten und Essständen will? Das, was sie grundsätzlich will: mit Menschen ins Gespräch kommen, hören, worüber sie sich sorgen oder freuen, ansprechbar und präsent sein – auch auf dem Erfurter Messegelände.
Diakonie-Chef Ulrich Lilie erklärt Anfang Februar: Wenn wir im Kampf gegen die Einsamkeit nicht vorankommen, dann werden sich Kliniken und Psychiatrien mit kranken Menschen füllen. Da diese nicht arbeiten, ist ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden zu erwarten. Zudem sind einsame und abgehängte Menschen empfänglicher für extreme Parteien. Doch steht es wirklich so schlimm? Ist Einsamkeit eine „verborgene Epidemie“ (laut Lilie), die hochansteckend um sich greift?
Oder geht es bei diesem Thema in erster Linie um die Gruppe der Hochbetagten, der einsamen Menschen 80+? Auf letztere ist die Arbeit des Bundesfamilienministeriums ausgerichtet, auch wenn es im Koalitionsvertrag heißt, man werde „Strategien und Konzepte entwickeln, die Einsamkeit in allen Altersgruppen vorbeugen und Vereinsamung bekämpfen.“
Die Tagung „Einsamkeit“ vom 21. bis 23. Februar bewegte sich im hier skizzierten gesellschaftspolitischen Spannungsfeld. Nachdem Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich zu Beginn die Pole der Debatte beschrieben hatte, plädierte der Psychologe Dr. Marcus Mund (FSU Jena) zunächst für Begriffsklarheit: Zu unterscheiden seien a) soziale Isolation als objektiver Mangel an sozialen Beziehungen, b) Einsamkeit als subjektiv negativ empfundenes Gefühl, c) Alleinsein als subjektiv positiv empfundenes Gefühl. In der öffentlichen Debatte und auch in der Politik ginge das oft durcheinander. Deren Maßnahmen richteten sich meist gegen soziale Isolation. Einsamkeit sei aber eher mit den Mitteln von Seelsorge und Psychotherapie zu bearbeiten.
Diese Dimension wurde abends in der Lesung der Theologin, Psychotherapeutin und Autorin Dr. Jutta Kranich-Rittweger (Weimar) deutlich. Vier Erzählungen aus ihrem Band „Die Einsamkeit des Kindes“ brachten im Gespräch manches zutage. Nicht zuletzt ging es um das Schicksal von Obdachlosen sowie den Verlust von Vätern im Krieg und um transgenerationelle Weitergabe von Verlassenheitsgefühlen.
Am zweiten Tag der Tagung bestätigte der Soziologe Dr. Janosch Schobin (Universität Kassel) den Forschungsstand der Psychologie: Anders als vielfach vermutet gibt es keine messbare Zunahme von Einsamkeit als Gefühl in Westeuropa. Allerdings machten moderne Gesellschaften sozial isolierter, so seine Auskunft. Vor allem sei Einsamkeit – anders als etwa in Lateinamerika – hier schambesetzt und könne kaum öffentlich benannt werden. Das Problem sei: Einsamkeit werde sozial exkludiert. Zudem schwächten sich in westlichen Gesellschaften die starken familiären und traditionellen Bindungen ab, so dass Menschen im höheren Alter zunehmend allein mit ihrer Einsamkeit wären.
Auf die Wissenschaft folgte die Praxis. Im anschließenden Podiumsgespräch wurden zwei unterschiedliche Praxis-Strategien anschaulich. Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge (Leiterin der Telefonseelsorge Halle und Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge Deutschland) stellte den Charakter dieser Arbeit vor, der auf garantierter Anonymität fußt und primär seelsorgerlich ausgerichtet ist. Pfarrer Martin Möslein (Erfurt) präsentierte die Projektidee von „Sempers“ (Senioren mit Perspektive im Erfurter Norden) dagegen als primär gegen soziale Isolation und auf den Face-to-Face-Kontakt ausgerichtet: Alte Menschen im Neubaugebiet sollen einmal pro Woche für eine Stunde besucht werden.
In vier Gesprächsgruppen ging es dann um eigene Erfahrungen von Einsamkeit, aber auch darum, wie Projekte gegen Einsamkeit erfolgreich arbeiten und sich vernetzen können. Wie kann etwa in der Telefonseelsorge in Gesprächen auf ein Projekt wie „Sempers“ hingewiesen werden? Wie kann – anders herum – alten, sozial isolierten Menschen die über 24 Stunden am Tag bestehende Möglichkeit eines Anrufs bei der Telefonseelsorge vermittelt werden?
Der zweite Tag klang aus mit einem Konzertgespräch. Der Psychiater und Liedermacher Karl-Heinz-Bomberg (Berlin) präsentierte Lieder, in denen er nicht zuletzt seine eigene DDR-Hafterfahrung verarbeitet. Besonders eindrücklich war der Auftritt von Kathrin Begoin (Weimar), die Isolation, Unterdrückung und Missbrauch im Jugendwerkhof erlebt hat und in ihren Liedern den Opfern eine Stimme gibt.
Der Sonntag war schließlich Formen von einsamem Leben gewidmet, die Menschen selbst suchen. Sei es um kreativ zu sein, sei es aus spirituellen Gründen. Der Film „Einsiedler -– Allein ist nicht genug“ porträtierte vier von ca. 90 Männern und Frauen, die in Deutschland als Eremiten leben. Hier war es besonders interessant zu sehen, wie Menschen, die den Rückzug leben, zugleich intensiv für andere da sind. Das gilt auch für das Leben im Kloster, das der ehemalige Mönch und Politikwissenschaftler Dr. Bernhard Heider (Universität Regensburg), nahebrachte, der zugleich lange als Lehrer arbeitete und jetzt als Dozent in der politischen Philosophie über Gemeinschaft und Gesellschaft forscht und lehrt.
Kann Einsamkeit auch verbinden? So lautete eine Frage in der Einladung zur Tagung. Über 50 Teilnehmende gaben darauf die Antwort: Ja.
Eine Gruppe junger Menschen sitzt am Freitagabend im Kreis beisammen, jeder hält einen Zettel mit dem eigenen Namen in der Hand. „Wer nach 20 Minuten die meisten Zettel hat“, erklärt Annika Schreiter, „darf eine Regel aufstellen, die für alle verbindlich für das Wochenende gilt“. Weitere Informationen gibt es nicht. Es dauert nicht lang und die Anwesenden bringen Vorschläge an und kommen in eine Diskussion, an deren Ende eine Regel für das gemeinsame Miteinander stehen wird.
Vom 21. bis 23. Februar 2020 fand in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg das Seminar „Deine Themen – Deine Politik“ statt, in dem es unter anderem um Beteiligung, Mitsprache und – zuweilen herausfordernde – demokratische Prozesse ging. Der Bund der evangelischen Jugend in Mitteldeutschland (bejm) und die Evangelische Akademie rufen gemeinsam das Jugendpolitische Team (JPT) ins Leben. Das JPT soll Ort und Vorhaben gleichermaßen sein, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in politischen Gremien der Jugendverbandsarbeit mehr Raum für Beteiligung zu geben. Themen und Entscheidungen, die junge Menschen (jugendpolitisch) unmittelbar betreffen, sollen von ihnen in die Gremien gebracht und konkrete Projekte geplant werden können.
Im Workshop ging es nun darum, sich auszutauschen, kennenzulernen und Vereinbarungen für die Arbeit an gemeinsamen Vorhaben zu treffen. In Diskussionsrunden, einem Council und Open Space trugen die Teilnehmenden dazu Themen und Ideen zusammen, die sie aktuell beschäftigten und für die es Handlungsbedarf gab. Aus dem gemeinsamen Austausch entstanden so konkrete Planungen unter anderem für das Evangelische Jugendfestival im September, Gestaltungsmöglichkeiten für die Jugendkammer des bejm sowie Unterstützung bei einzelnen Beratungsanliegen der Teilnehmenden.
Das JPT wird künftig im Rahmen thematischer Workshops und individueller Treffen zu Planung, Austausch und Vernetzung weiterarbeiten.
Am Dienstag, den 4. Februar, lud die Evangelische Akademie alle Mitarbeitenden nach Dienstschluss zum alljährlich stattfindenden Neujahrsempfang ein. Bevor es an das leibliche Wohl geht, wird traditionell meist ein Film angeschaut. In diesem Jahr aber war alles anders…
Die Jugendbildungsverantwortlichen an der Akademie stellten dem Kollegium eine Methode der politischen Jugendbildung vor: LARP. LARP steht für „Live Action Role Playing“ und ist, wenn überhaupt, aus dem Fantasy-Bereich bekannt. Die Akteure laufen beispielsweise in historisch-futuristisch anmutenden Kostümen durch Wälder und verteidigen imaginäre Königreiche. Relativ neu ist, dass LARP auch in Bezug auf Alltagssituationen angewendet werden kann. Was lag also näher als eine klassische Akademiesituation zu verwenden – den Beginn einer Tagung. Diese jedoch mit dem Titel: „Wider den Edutainment-Wahn!“. Schon der Einladungstext lies das Kollegium wenigstens schmunzeln, denn er verurteilte das Spielen als zeitgemäße Methode zur Demokratieförderung genau als den falschen Weg, der direkt in den bildungspolitischen Abgrund führt.
Augenzwinkernd war auch das Programm der Tagung angelegt, wie Vorträge zum Thema: „Genug gelacht! – Warum wir zum heiligen Ernst zurück müssen“ oder über „Form-based Learning – Warum Bürokratie die Antwort ist“. Es gelang, mitunter nur mit allergrößter Beherrschung der Teilnehmenden nicht lauthals loszulachen und dank einer exzellenten Vorbereitung, dennoch, die Situation quasi-realistisch durchzuspielen. Gefördert wurde die Tagung übrigens von der Stiftung „Erziehung zur Ernsthaftigkeit“, welche u.a. Publikationen wie „Der Rohrstock an und für sich. Ein Mittel durchschlagender Erfolgspädagogik.“ herausgibt.
Die 90 Minuten Spielzeit vergingen wie im Fluge, und nachdem sich alle wieder in ihre „normale Alltagsrolle“ zurückbegeben hatten, wurde dann gegessen, getrunken und auch – und das nicht zu wenig – gelacht.
In manchen Akademien werden sie liebevoll „die Öffis“ genannt, in anderen pragmatisch mit „ÖA“ abgekürzt; gemeint sind die Zuständigen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – und ohne die kommt keine Einrichtung heutzutage mehr aus, insbesondere nicht, wenn sie gesellschaftswirksam und an aktuellen Diskursen beteiligt sein will. Einmal jährlich kommen die ÖA-Verantwortlichen der Evangelischen Akademien Deutschlands zusammen und tauschen sich aus: diesmal vom 12.-13. Februar in Hofgeismar.
Auch wenn die Strukturen der einzelnen Akademien sehr verschieden sind was Anzahl der Studienbereiche, feste Tagungshäuser sowie gewachsene Traditionen betrifft, so treiben sie doch ähnliche Fragen um: Sind gedruckte Flyer noch zeitgemäß? Welche von den marktführenden Social Media-Kanälen wollen wir nutzen? Wie berichten wir über Tagungsinhalte oder gewinnen Teilnehmende für Veranstaltungen?
Wie von den Beteiligten im Vorfeld gewünscht, stand die kollegiale Beratung im Mittelpunkt. So wurde anfangs ein Themenkatalog erstellt und nach Interessensprioritäten geordnet. An oberster Stelle landete die Frage nach Medien und Kanälen. Einig war man sich, dass wohl keine Akademie alles bespielen kann. Für die einen sind Youtube-Filme, für andere dagegen ein Print-Magazin gewinnbringend und machbar. Es mag überraschen – vielleicht auch beruhigen, dass bei Akademien, die die Informationsquellen bei ihren Gästen systematisch abfragen, noch immer „persönliche Empfehlung“ der meistgenannte Motivationsgrund für den Besuch einer Veranstaltung ist; relativ wirkungslos für „echte“ Anmeldungen scheint die Werbung auf Facebook zu sein, selbst wenn die Likes und Interessens- bzw. sogar Teilnahmebekundungen zur geposteten Veranstaltung hoch sind.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse nach der Thüringer Ministerpräsidentenwahl wurde ebenso dringend diskutiert, wie die sonst von langer Hand geplante Akademiearbeit auch schnell auf das politische Tagesgeschehen reagieren kann, ohne ihre Prinzipien der Gründlichkeit und Nachdenklichkeit zu verraten. So sprach die Runde davon, „Aktualität zu berechnen“, z.B. indem Debatten um anstehende Wahlen und Entscheidungen schon im Vorfeld mitkalkuliert werden; eine gute Strategie könnte es sein, Formate einzurichten, die eine kurzfristige und hochaktuelle inhaltliche Befüllung zulassen. Hier kommt der Öffentlichkeitsarbeit auch die Aufgabe zu, nicht nur in der üblichen Richtung „Akademie an Welt“ zu wirken, sondern auch die andere Richtung „Welt an Akademie“ im Blick zu haben.
Seit 2014 backen Konfi-Gruppen in ganz Deutschland mit ihrem lokalen Bäcker Brote zugunsten von Brot für die Welt. Mit den Spenden werden drei unterschiedliche Ausbildungsprojekte für Jugendliche in Ländern des Südens unterstützt. Dabei beschäftigen sie sich mit den biblischen Texten genauso wie mit Fragen globaler Gerechtigkeit und dem Wert von Lebensmitteln.
Im diesem Jahr beteiligen sich wieder alle Landeskirchen in Deutschland an der Aktion. Die EKM und die Landeskirche Anhalts haben ein Aktionsteam gegründet, um die hiesigen Aktivitäten zu koordinieren. Der eigentliche Backzeitraum liegt im Herbst 2020: Die Konfi-Gruppen des neuen Schuljahrs sind eingeladen, die Aktion mit Leben zu füllen. Weitere Informationen werden sukzessive auf der EKM-Website veröffentlicht.
„5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ ist eine bundesweite Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Schirmherr der Aktion ist Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.