Was verbindet beide Länder? Die Lage im Südkaukasus. Eine christliche Geschichte, die bis in die Antike reicht. Beide Länder beziehen ihre kulturelle Identität wesentlich aus der je eigenen Sprache. Und lange schon und heute erneut bedrohlich: Der Einfluss Russlands.
In Reaktion auf Impulse, in den Podien und im Chat wurde lebhaft diskutiert. Grund: Die Eliten in Georgien agieren zunehmend autoritär und russlandfreundlich. Gesellschaft und Kultur sollen gleichgeschaltet werden. Dagegen aber regt sich der Widerstand der Zivilgesellschaft. Die georgische Kultur stecke in der Krise so wie nie, aber sie sei auch widerständig-aktiv wie noch nie, war zu hören.
In Armenien hingegen zieht sich Russland als „Schutzmacht“ zurück und die Angst vor einem Angriff durch Aserbaidschan, dem das Land mit 3 Millionen Einwohnern wenig entgegensetzen könnte, wächst. Fast einhellig wurde ein in Rede stehender Friedensvertrag zwischen Armenien und Aserbeidschan als unwahrscheinlich angesehen.
Was also ist zu tun? Podiumsgäste aus Georgien wie Armenien appellierten eindringlich an die 125 Teilnehmenden der Veranstaltung, sie nicht zu vergessen und baten um unseren, europäischen Beistand. Den Kirchen vor Ort käme die Aufgabe zu, Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammenzubringen und sie respektvoll miteinander umgehen zu lassen.
Eine Armenierin plädierte für einen Perspektivwechsel: Der Südkaukasus sei nicht nur ein Konfliktraum sondern zugleich ein Raum der kulturellen Begegnung und Verflechtung. Würde letzteres gestärkt, könnten sich Georgien und Armenien besser gegen Imperien und große Nachbarstaaten behaupten.
Beiträge dieses Studientages werden zeitnah online auf YouTube gestellt. Der nächste digitale Studientag der Evangelischen Akademien zur Friedensethik findet am 14. Mai um 16 Uhr statt. Thema: Belarus.
Thomas Krüger spricht im Thüringer Landtag bei der Feierstunde anlässlich der ersten und letzten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990. Foto (c): Thüringer Landtag/Steve Bauerschmidt.
Thomas Krüger signiert sein Bild von 1990. Foto (c): Thüringer Landtag/Steve Bauerschmidt.
Premiere des Films „Erfüllte Hoffnungen – Enttäuschte Erwartungen. Die Abgeordneten der 10. Volkskammer der DDR“ im Thüringer Landtag am 18. März 2025. Foto (c): Thüringer Landtag/Steve Bauerschmidt.
Nein, es war kein Verhörer: In den 8-Uhr-Nachrichten meldete der Deutschlandfunk am 18. März: „Im Thüringer Landtag soll am Abend eine Feierstunde stattfinden, an der auch ehemalige Volkskammerabgeordnete teilnehmen werden.“ Und zwar gleich im Anschluss der Meldung der Würdigung der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer durch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.
Offenbar war diese abendliche Feierstunde in Erfurt anlässlich der Volkskammerwahl 1990 eine Meldung wert, da sie die einzige in einem Landtag war. Gezielt hatten der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und die Evangelische Akademie Thüringen dieses Ereignis vor 35 Jahren zum Gegenstand des Gedenkens gemacht. Gerät doch die Arbeit jenes Parlaments oft in Vergessenheit angesichts der großen Erinnerungsdaten 9. Oktober 1989, 9. November 1989, 3. Oktober 1990.
Das sehr zu Unrecht, wie Landtagspräsident Dr. Thaddäus König in seiner Begrüßungsrede bemerkte. Denn die Arbeitsleistung dieses Parlaments war enorm. Nie habe er in seinem Leben so viel gearbeitet, erinnert sich etwa Dr. Eberhard Brecht (SPD), Volkskammer-, später Bundestagsabgeordneter und Oberbürgermeister von Quedlinburg.
Die Festrede hielt der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger. Selbst mit Anfang 30 nach dem Vikariat in Berlin und Eisenach in die Volkskammer gewählt, verband er persönliches Erleben, breitere historische Rückschau und gegenwärtige Herausforderungen für Demokratie und politische Bildung. Immer wieder schien dabei durch, welche Rolle Kirche und Theologie im Prozess der Friedlichen Revolution spielten. Systematische Theologen wie Wolfgang Ullmann und Richard Schröder motivierten ihre Schüler, politisch aktiv zu werden und waren selbst wichtige Köpfe in jenem Parlament. Neben vergleichsweise wenig ideologisch belasteten Naturwisschenschaftler_innen, Ingenieur_innen, Mediziner_innen bildeten Theolog_innen mit 7,1% der Abgeordneten eine große Gruppe. Anfänger in einem solchen Parlament aber waren praktisch alle.
Krüger sprach von den Spannungen zwischen Bürgerrechtlern und „Blockflöten“, dem Verhältnis zu konservativen „DSU-Newcomern“ und auch darüber, wie die Kernparolen sich zuvor gewandelt hatten: Vom „Wir sind das Volk“ zum „Wir sind ein Volk“, wobei sich manche schon gefragt hätten, ob sie noch dazugehörten. Zugleich sei eine Pluralität in der DDR sichtbar geworden, die vorher verdeckt gewesen wäre. In der Demokratie gebe es Wahrheit eben nur im Plural. Das Ringen um Entscheidungen mache aber Demokratie aus. Nur Demagogen versprächen etwas anderes, so Krüger unter Beifall.
In einem kurzen Podiumsgespräch wurde schließlich bekanntgegeben: Um „Erfüllte Hoffnungen – Enttäuschte Erwartungen“ damals und seither wird es im Juni und im August auch in insgesamt sechs Veranstaltungen von Landesbeauftragtem, Landeszentrale und Akademie in Thüringen gehen, bei denen aktive Landrät_innen mit Abgeordneten der 10. Volkskammer ins Gespräch kommen. Somit bildete diese Feierstunde keinen Schlusspunkt, sondern einen Auftakt für aktive Erinnerung an die erste 1990 freigewählte Volkskammer 2025 in Thüringen.
Wie weiter in Zivilgesellschaft, Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit? Dieser Frage stellten sich über 80 Teilnehmende an einer Fachtagung im Augustinerkloster vom 10.03-11.03.2025. Neben spannenden Vorträgen zu „Rechtsextremismus in Ostdeutschland“ und zu „Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft“ gab es viel Raum zum Austausch über die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen. Egal ob im Beruflichen oder Privaten, überall erleben wir einen zunehmenden Druck auf die Zivilgesellschaft, einen Anstieg an Anfeindungen und Verrohung der Debattenkultur.
Konnte es zwar auf die Frage in Abschlussrunde „Was macht euch Mut?“ keine universelle Antwort geben, so kam das klare Signal: „Das sich so viele zu so einer Tagung treffen und vielseitige Ideen einbringen, das kann Mut machen“.
In vier Workshops wurden einige dieser Ideen am Dienstagvormittag intensiver besprochen und ausprobiert. Die Akademie war mit einem Workshop zu Forumstheater in der politischen Bildung beteiligt. Diese von Augusto Boal entwickelte Theaterform aus dem Theater der Unterdrückten macht in kleinen Bühnenstücken Unterdrückungsmomente deutlich. Diese werden dann aber nicht einfach so stehen gelassen. Sie werden wieder und wieder gespielt und das Publikum wird zum Forum, das sich einbringt. Ersetzt man die Unterdrückten und versucht sich anders zu verhalten? Stellt man sich beschützend dazwischen? Holt man andere zur Hilfe? Alles kann spielerisch ausprobiert werden. „Auch wenn es aus zeitlichen Gründen nur ein kleines Reinschnuppern war, hat es auf jeden Fall mein Interesse am Forumstheater geweckt und motiviert mich damit zukünftig nochmal intensiver zu beschäftigen. Und wer weiß, vielleicht auch mal in der Praxis einzusetzen“ fasste Lisa Weise, aus der Offenen Arbeit Erfurt, ihre Erlebnisse beim Workshop zusammen.
Bildserie: Impressionen von der 11. Thüringer Arbeitszeitkonferenz (AZK). Die AZK ist ein aktives Konferenzformat der Allianz für den freien Sonntag und der Evangelischen Akademie Thüringen. Foto: Fehlberg/EAT.
Die Thüringer Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) gibt einen Impuls und stellt sich den Fragen der Anwesenden. Die "Brombeerkoalition" sei nicht "SPD pur", gab Schenk zu Protokoll. Foto: Lübbers/EAT.
Tim Stolze vom Landesamt für Vebraucherschutz, Abteilung Arbeitsschutz (li.) und Julia Langhammer vom DGB (re.) resümieren Workshopergebnisse. Foto: Fehlberg/EAT.
24/7-Ladenöffnung?! Dr. Ralf Stroh (Mitte sitzend), theologischer Referent Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung, und Knut Bernsen (re. stehend), Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Thüringen, im Pro-und-Contra-Format. Foto: Fehlberg/EAT.
Dass die neue Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) auf der 11. Thüringer Arbeitszeitkonferenz Präsenz zeigte, spricht angesichts der noch frischen „Brombeerkoalition“ (CDU, SPD, BSW) für die Schwerkraft dieser jährlichen Neudietendorfer Fachtagung. An die Teilnahmen ihrer Vorgängerin Heike Werner (LINKE) anknüpfend, gab Schenk einen Impuls an die Konferenz und nahm viele Impulse wieder mit in das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie.
Eines der Schwerpunkthemen in diesem Jahr war die sozial-ökologische Transformation im ländlichen Raum Thüringens, welche anhand des Verbundprojekts ECO2WEL im Eichsfeld ein konkretes Gesicht mit Vorbildcharakter erhielt. Aus Bremen und Wien in Österreich kamen mit Dr. Carsten Sieling und Valentin Wedl Vertreter der dortigen Arbeitskammern, um deren Verortung im (deutschen) Wirtschaftskammerwesen zwischen Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Berufskammern deutlich zu machen. Schließlich fand auch wieder das „Brot-und-Butter-Thema“ seinen angestammten Platz: die Beschäftigung mit dem Arbeitszeitgesetz und dem Arbeitsschutz, welche in fachlich-gründlicher Weise von Mitarbeitenden des Landesamts für Verbraucherschutz angeleitet wurde.
Themen von Arbeitskammer bis Sonntagsöffnung
Am zweiten Veranstaltungstag wurde eine kontroverse Debatte ausgefochten, welche sich beim Gespräch mit der Ministerin am Morgen schon stark angekündigt hatte: Wie hältst Du’s mit den 24/7-Ladenöffnungszeiten?! Schon in der Färbung der Publikumsfragen an Schenk zeigte sich, dass die Arbeitszeitkonferenz maßgeblich von der Allianz für den freien Sonntag organisiert wird, einem Bündnis aus Gewerkschaften, den ökumenisch verbundenen Kirchen und weiteren Organisationen, welche sich für den arbeitsfreien und zumal gesamtgesellschaftlich als Ruhe- und Gemeinschaftstag anerkannten Sonntag einsetzen.
Als Kontrahenten eines von der Moderatorin Alexandra Husemeyer ausgestalteten Pro-und-Contra-Formats traten Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Thüringen, und Dr. Ralf Stroh, theologischer Referent für Wirtschafts- und Sozialethik am Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Ev. Kirche in Hessen und Nassau, in die „Arena“. Während Bernsen mit den Wünschen und Bedürfnissen von Politik, Handel und Konsumenten argumentierte, schärfte Stroh das Bewusstsein dafür, dass der Sonntag nun mal kein Werktag sei und die 24/7-Ladenöffnung für „Kleinstsupermärkte“ in Wahrheit zu einem Dammbruch für den grundgesetzlich geschützten Sonntag werden könne.
Warnung: Dammbruch des grundgesetzlichen Sonntagsschutzes
Das Publikum zeigte nach den Plädoyers eine zwar kritische, aber durchaus differenzierte und eigenständige Haltung gegenüber der 24/7-Ladenöffnung. Es wurde deutlich, dass die Argumentation von Politik und Handel in Richtung „digitaler Dorfläden“ als Sympathieträger für eine „Belebung des ländlichen Raums“ nicht ohne weiteres verfängt. Der schmerzlich vermisste Dorfladen, so die vielfach geäußerte Befürchtung, könne als Türöffner für den gesamten stationären Einzelhandel missbraucht werden, der die strukturellen Probleme des ländlichen Raums ganz sicher nicht löse.
Die tatsächliche Entwicklung der Gesetzgebung in Mitteldeutschland nährt diese Zweifel erheblich. In Thüringen – dies hat zumal Ministerin Schenk in ihrem Konferenz-Impuls bekräftigt – sei eine entsprechende Gesetzesänderung zugunsten digitaler „Verkaufsstellen ohne Personal“ eine Frage der Zeit. In Sachsen-Anhalt ist kürzlich bereits eine Gesetzesänderung beschlossen worden: Diese sieht keinerlei Flächenbegrenzungen für „vollautomatisierte Verkaufsstellen“ mehr vor, wie es in anderen Bundesländern wie etwa Hessen noch der Fall ist. Es wird mit keinem Wort mehr der ländliche Raum fokussiert. Das umfassende „Aufbohren“ des Möglichkeitsraums für die allgemeine Sonntagsöffnung ist damit einen gehörigen Schritt näher gerückt.
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Im Downloadbereich dieses Beitrags finden Sie die Präsentationen der Referent:innen auf der 11. Thüringer Arbeitszeitkonferenz (PDF), sofern vorliegend und freigegeben.
Mein Bild über den Tod hinaus, gemalt von einer Teilnehmerin bei der Tagung. Foto (c): Kranich/ EAT.
Schneeglöckchen schmückten den Altar bei den Andachten. Foto (c): Kranich/ EAT.
Dieses Thema kennt keine Himmelsrichtung und kein Alter. Von zwei Studentinnen Anfang 20 bis hin zum 90-jährigen Senior reichte die Alterspanne bei der ausgebuchten Tagung „Mein Umgang mit der (Un-)Endlichkeit. Angst- und Hoffnungsbilder im Gespräch“. Gekommen waren ebenso viele Männer wie Frauen, die Hälfte der Teilnehmenden war im Osten, die andere Hälfte im Westen Deutschlands gebürtig.
Unter der Leitung von Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich und Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge (Supervisorin und klinische Seelsorgerin) ging es um den zeitgenössischen Umgang mit Sterben und Tod sowie um heutige Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Schon nach den wissenschaftlich fundierten Vortragsteilen wurde sehr persönlich diskutiert.
Noch offener verlief das Gespräch in den zwei Gruppen über die individuellen Erfahrungen mit dem Tod sowie die eigenen Bilder über den Tod hinaus. Alle Teilnehmenden waren bereit, ein solches Bild zu malen. So entstanden große Blätter in unterschiedlichen Farben und Formen: teils abstrakt und symbolisch, teils konkret und lebensgeschichtlich verankert.
Am Ende der Tagung war Dankbarkeit das vorherrschende Gefühl. Dankbarkeit für die Offenheit und wechselseitige Wertschätzung. Oder wie es eine Teilnehmerin in der Schlussrunde zusammenfasste: Ich konnte mich hier öffnen. Zugleich hatte ich immer die Kontrolle darüber, wie weit ich dabei gehen möchte.
Graphic Recording beim Vernetzungstreffen des EAD-Projekts "Landwandel": Grafik: (c) Alix Einfeldt
Für den Austausch kamen Studienleitende aus unterschiedlichen Ev. Akademien in Hofgeismar zusammen und diskutierten über Veranstaltungsangebote in ländlichen Räumen. Foto: (c) Medebach/EAD
Mit dem demografischen Wandel wird auch in ländlichen Räumen die Frage nach ausreichenden Versorgungsstrukturen sowie nach einer guten Lebensqualität für die älteren Generationen zunehmend gestellt. In Hofgeismar trafen sich vom 26. bis 27. Februar zwölf Studienleitende der Evangelischen Akademien in Deutschland, die mit ihren Themenbereichen und Veranstaltungen auf dem Land unterwegs sind, zu einer Vernetzungstagung und diskutierten unter anderem diese genannten Fragen.
Dr. Tobias Mettenberger vom Thünen-Institut in Braunschweig sprach in seinem Vortrag über die vielfältigen Alltagswelten der dritten und vierten Generation sowie über die vorhandenen Aktionsräume, bei denen vor allem auch bürgerschaftliches Engagement der sogenannten „jungen Alten“ eine große Rolle für die Lebenszufriedenheit spielt.
Dr. Anneli Sterzinger, Leiterin des Förderprogramms „Miteinander Reden“, berichtete am zweiten Tag aus ihrer Erfahrung von vier Förderphasen mit je hundert Einzelprojekten von den Gelingensbedingungen einer nachhaltigen Gestaltung von Projekten auf dem Land und zu ländlichen Räumen.
Ein weiterer wichtiger Baustein des Tagungsprogramms war der Austausch der Studienleitenden untereinander. So erzählten sie von erfolgreichen Veranstaltungsformaten, aber auch aufgetretenen Schwierigkeiten in der Planung und Durchführung. Dabei fand viel Beratung auf Augenhöhe statt und neue gemeinsame Vorhaben wurden besprochen.
Die nächste Vernetzungstagung wird im November diesen Jahres stattfinden. Außerdem stehen vier Begegnungswerkstätten in Thüringen, im Sauerland, am Wattenmeer und in Altenkirchen – ausgerichtet von unterschiedlichen Evangelischen Akademien – auf dem Programm.