Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
Schöne Blumen der Vergangenheit.
Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
Und das alte Lied von Gott und Christ
Bebt durch Seelen und verkündet leise,
Dass die kleinste Welt die größte ist.
(Joachim Ringelnatz)
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht allen ein gesegnetes Fest mit vielen glücklichen Momenten, besinnlichen Stunden und schönen Begegnungen. Frohe Weihnachten!
Die neue Bundesregierung ist gerade gebildet und nimmt ihre Arbeit auf. In der Sozialpolitik hat sie sich nicht weniger vorgenommen als Hartz IV zu überwinden und durch ein Bürgergeld zu ersetzen. Um zu hören, was sich konkret hinter diesen Ideen verbirgt, hatten die Diakonie Deutschland und der Ev. Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) am 17. Dezember 2021 zu einem Online-Fachtag „Hartz IV überwinden. Bürgergeld als Neustart für die Existenzsicherung?“ eingeladen. An diesem Gespräch mit Politiker:innen der Ampelkoalition und der LINKEN nahmen Engagierte aus der Selbstvertretung von Erwerbslosen, aus Beratungseinrichtungen und dem Jobcenter teil. Die Aufzeichnung des Online-Fachtags ist im Youtube-Kanal der Evangelischen Akademie Thüringen abrufbar.
Bezugnehmend auf das vorab publizierte Gemeinsame Papier von Diakonie und KWA erläutert Wolfgang Strengmann-Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen), dass mit dem Koalitionsvertrag eine neue Kultur angestrebt werde: Teilhabevereinbarungen zwischen Jobcenter und Leistungsberechtigten würden auf Augenhöhe vereinbart und die Vermittlung in (oft prekäre oder kurze) Arbeitsverhältnisse soll nicht mehr Vorrang vor vollqualifizierenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen haben. Pascal Kober (FDP) setzt auf eine verständliche und einladende Kommunikation zwischen Jobcenter und Leistungsberechtigten. Er betont, dass sich beide Seiten an die Teilhabevereinbarung gebunden fühlen müssen – eine nur einseitige Verpflichtung lehnt er ab. Dagmar Schmidt (SPD) sagt, dass die geplante Kindergrundsicherung die Situation von Familien verbessern wird und sieht in der Digitalisierung die Chance, den Zugang zu Leistungen zu vereinfachen.
Selbstverständlich beginnt die Arbeit der Regierungskoalition jetzt erst, denn alle geplanten Änderungen am Sozialgesetzbuch müssen weiter konkretisiert und beschlossen werden. Dabei wird auch die Anpassung des Regelsatzes, den Jessica Tatti (LINKE) auf 650 € zu erhöhen fordert, und die Handhabung von Sanktionen weiter zu diskutieren sein. Als konkretes Arbeitsziel formuliert Pascal Kober, dass er eine Lösung für die Einkommenslücke bei Arbeitsaufnahme (denn das erste Gehalt gibt es in der Regel erst am Monatsende) suchen möchte. Aus der Opposition wird Jessica Tatti die Regelungen für Kindergrundsicherung und getrenntlebende Paare im Gesetzgebungsverfahren besonders im Blick behalten.
Fest steht: Die Diakonie Deutschland und der KWA werden die politische Debatte zum Bürgergeld und zu den geplanten Reformen der Sozialpolitik im kommenden Jahr weiter kritisch begleiten.
Jüngere sollen sich solidarisch an Regeln halten, um Ältere vor Corona zu schützen. Erwachsene sollen solidarisch ihren Lebensstil einschränken, um Kindern und Jugendlichen die Erde zu erhalten. Die reichen Industrienationen sollen endlich solidarischer werden und den Menschen im Globalen Süden nicht länger die Lebensgrundlage entziehen…
Die Rufe nach Solidarität sind laut und die Perspektiven darauf vielfältig. Grund genug, dass die Zeitschrift „das baugerüst“ für Jugend- und Bildungsarbeit sich in der aktuellen Ausgabe dem Thema widmet.
Deutlich wird in den Beiträgen, Solidarität ist der innere Zusammenhalt der Gesellschaft sowohl im Großen – zum Beispiel in der gelebten Solidarität zwischen Kirchen des globalen Nordens und Südens – wie auch im ganz Kleinen – zum Beispiel im Zugehörigkeitsgefühl zum Freundeskreis oder der Gemeindegruppe. Dabei ist Solidarität kein Selbstzweck aus Sonntagsreden, sondern elementar wichtig zum einen für die Gesellschaft, wie es Dieter Heidtmann, Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität, in seinem Beitrag drastisch formuliert: „Wenn wir nicht lernen, weltweit solidarisch zu leben, werden wir nicht überleben!“ Zum anderen sichert Solidarität auch die individuelle Entfaltungsfreiheit des Einzelnen ab, wie Wolfgang Blaffert, Theologe und Redaktionsmitglied bei „das baugerüst“ schreibt: „Nur wenn ich meinen Beitrag leiste, das Gemeinwohl zu erhalten, immer und immer wieder, nur dann bleibt mir der Raum, meine eigene Freiheit zu realisieren.“
Aus der Evangelischen Akademie Thüringen sind gleich zwei Beiträge in „das baugerüst“ zu lesen. Studienleiterin und Redaktionsmitglied Dr. Annika Schreiter geht in ihrem Beitrag der Frage nach, wie und warum Jugendliche sich in Gruppen solidarisieren. Dabei wird deutlich, dass eine kleine, hochengagierte Minderheit es der Mehrheit ermöglicht, sporadisch und kurzfristig gesellschaftlich aktiv zu werden. Ein Beispiel dafür ist „Fridays for Future“. Und FSJler Jakob Funk ist mit einem Statement zum Zusammenhalt zwischen den Generationen vertreten.
Hier kann in die aktuelle Ausgabe hineingelesen und sie bestellt werden.
Jedes Jahr nach der Sommerpause dürfen wir in der Akademie ein neues Gesicht zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) Politik begrüßen – in diesem Jahr: Jakob Funk. Inzwischen hat er sich im Büroalltag und ihm Team gut eingefunden.
Jakob ist 16 Jahre alt, wohnt in Kornhochheim und hat im Sommer seinen Realschulabschluss an der Friedrich-Schiller-Schule Erfurt gemacht. Um die FSJ-Stelle an der Evangelischen Akademie hat er sich ganz bewusst beworben: „Die Themen auf der Website fand ich spannend.“ Außerdem kann er die Strecke nach Neudietendorf sehr gut mit dem Fahrrad bewältigen, was ihm als echte Sportskanone entgegenkommt.
Nach dem FSJ möchte Jakob Funk gerne eine Ausbildung beim Zoll machen. Dafür steckt er schon mitten im Bewerbungsverfahren. „Die Arbeit an der Akademie bereitet mich auf viele Aufgaben beim Zoll tatsächlich ganz gut vor“, erklärt er. Berichte schreiben zum Beispiel oder Reisekostenabrechnungen bearbeiten.
Trotz der Pandemie konnte Jakob schon an einigen Veranstaltungen online und vor Ort teilnehmen. Besonders eindrücklich fand er die Tagung „Menschenrechte unter Druck“. Für das kommende Jahr freut er sich auf den Workshop „Grüner wird´s nicht“ und auf sein eigenes Projekt, bei dem er sich filmisch mit dem Thüringer Wald auseinandersetzen möchte. Wir freuen uns im Team über die Verstärkung und sind gespannt, was uns das gemeinsame Jahr mit Jakob noch alles bringt!
Das Böse hat einen Namen - und zeigt in Geschichten und im Film meist zahlreiche Gesichter und Facetten. Foto: TETrebbien auf Unsplash
In den Kacheln der Videokonferenz auf dem Bildschirm lauschen Teilnehmende gebannt der Musik. Die Gedanken kreisen, in den Köpfen legen sich alle eine Bild von schillernden Schurkinnen und fürchterlichen Fieslingen zurecht, während ein düsterer Soundtrack aus den Lautsprecherboxen tönt. Wie mag wohl das Böse klingen?
Diese Frage bildet den Einstieg zur Online-Veranstaltung „Das Böse hat einen Namen“ vom 26. November 2021. Ob nun der Joker aus „Batman“, die bösen Königinnen aus „Schneewittchen“ und „Dornröschen“ oder Voldemort aus „Harry Potter“ – Geschichten und Filme stecken voller vielseitiger Gegenspieler:innen, die anderen das Leben schwer machen. Sie sind böse, gruselig und gefährlich, aber auch faszinierend. Brauchen wir sie, die Fieslinge, Schurken und bösen Hexen? Damit die Geschichte spannend wird und einen Sinn hat? Brauchen wir das fiese Gegenüber, um zu wissen, wer wir sind?
Schon eingangs wurde im Online-Forum deutlich, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Bösen geben kann, etwa wenn wir uns zu eingespielter Filmmusik den passenden Bösewicht ausmalen sollen. Sound und Thema, mit dem Schurkin und Fiesling die Bühne betreten, lösen bei uns bereits verschiedenste Assoziationen dazu aus, mit welcher Persönlichkeit wir es wohl zu tun bekommen.
Dass das (personifizierte) Böse im Film dabei nicht eindimensional, sondern facettenreich ist, zeigte auch der Impuls von Autor und Poetry Slammer Marius Hanke. Anhand einiger Filmschurk:innen beschrieb er Typen, die das Böse charakterisieren. Der „Urtypus“ des Bösen etwa ist böse um des Bösen willen – ihm oder ihr geht es darum, Zerstörung und Unheil zum bloßen Selbstzweck anzurichten. Eine klassische Figur dessen wäre etwa der Teufel. Das „psychopathische Böse“ wiederum richtet Schaden aufgrund einer Persönlichkeitsstörung oder psychotischen Neigung an. Hier wären beispielsweise Serienmörder:innen aus Filmen zu nennen, die Böses aus Freude daran tun. Ein weiterer Typus, das „gewordene Böse“, zeigt nachvollziehbare Gründe in der eigenen Biografie, die diese Person zu dem Handeln treiben, dass wir nun vielleicht als böse einstufen würden.
Der Frage, welchen Namen denn nun das Böse trägt, widmeten sich die Teilnehmenden zum Abschluss des Online-Forums. Dazu waren alle eingeladen, ihre ganz persönlichen Widersacher und Gegenspielerinnen zu zeichnen, die ihnen momentan im Alltag begegnen. Von Corona über fehlende Zeit oder die eigene Trägheit bis hin zu inneren Dämonen war auch hier eine breite Palette an Herausforderungen vertreten. So stellen sich uns die persönlichen Antagonisten, die es zu überwinden gilt und an denen wir womöglich wachsen, in ebenso vielen privaten wie gesellschaftlichen Bereichen entgegen.
Corona macht auch dem Handwerk das Leben schwer. Die jährliche Bundestagung des Arbeitskreises Handwerk und Kirche fand kürzlich mit einem Jahr Verspätung (2020 wurde sie abgesagt) und unter strengen 2G+-Bedingungen im thüringischen Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster statt.
Und natürlich steht die Pandemie im Mittelpunkt: Das Handwerk schaut mit gemischtem Blick auf die aktuelle Lage, doch schon jetzt ist absehbar, dass die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen langfristig weiter steige, sagt Dieter Vierlbeck, Vorsitzender des Arbeitskreises. Daher ist die Personalgewinnung ein zentrales Thema: Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen, und Alexander Ladwig, Geschäftsführer des Bildungscampus, berichten eindrücklich von den lokalen Aktivitäten, um die Aus- und Weiterbildung der künftigen Fachkräfte aus dem In- und Ausland zu fördern.
Im Rahmen der Tagung werden außergewöhnliche Thüringer Orte besucht, etwa die nach einem Brand 2012 wieder aufgebaute Kirchenburg in Walldorf/Werra und die Wartburg in Eisenach. Außerdem stellt sich der Ehrenvorsitzende und Altbischof Axel Noack den Fragen der Delegierten nach seinem politischen und sozialen Engagement während der Wiedervereinigung und den darauffolgenden Jahren hoher Arbeitslosigkeit, bei der Fusion von EKD und Kirchenbund der DDR und in den Jahren des Bischofsamts. Angesichts der wieder aufgebauten Kirchenburg berichtete er von den zahlreichen aktiven Kirchbauvereinen in der EKM. Er sei oft gefragt worden, was man in den Kirchgebäuden so alles machen dürfe. Seine Antwort damals wie heute: Wo ganz viel gebetet wird, kann auch ganz viel anderes in den Kirchen stattfinden.