Ein Kreuz aus Metall. Hochfestes Material, kühl und glänzend, verwindungsfest, aber auch für Witterung und Rost empfänglich. Streben, die das gesamte Bauwerk stabilisieren. Last wird aufgefangen, verteilt und damit tragbar. Und doch ist dieses Kreuz mehr als etwa die stählernen Skelette der Hochspannungsmasten, die ähnlich aufgebaut sind. Denn hinter der metallischen Struktur scheint golden die Osterhoffnung hervor. Die Auferstehung transzendiert das irdische Gerüst. Das Chaos der Welt, ob rot von Feuer und Leid oder grau von der Witterung, findet seinen Fixpunkt im Strahlen der göttlichen Liebe. Mit diesem Hoffnungszeichen gehen wir in die letzte, schmerzlichste Woche der Passionszeit.
Die digitale Transformation schreitet unaufhaltsam voran – darin waren sich die Gäste der 7. Thüringer Arbeitszeitkonferenz einig. 50 Teilnehmende hatten sich aus ganz Deutschland in die Online-Tagung eingewählt. Ihre Erfahrungen reichten vom Home Office über vollautomatische Hochregallager bis zur Elektromobilität. Sie teilten die Überzeugung, dass die Digitalisierung aktiv mitzugestalten sei.
Ob der digitale Wandel Jobs verändere oder überflüssig mache, sei nicht an einzelnen Branchen festzumachen, sagt Dr. Andreas Mayert vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD. Vielmehr sei eine Beschäftigungspolarisierung abzusehen: Während die Nachfrage nach hochqualifizierten Spezialisten und gering bezahlten Helfertätigkeiten zunehme, gerieten die Fachkraftberufe mit hohem Anteil Routinetätigkeiten unter Druck. Und dies gelte sowohl für die schon Jahrzehnte laufende Automatisierung in den Produktionsberufen also auch für die „neue Automatisierung“ in Büroberufen.
Dirk Neumann vom IG Metall Vorstand sieht im Strukturwandel Chancen und Risiken. Allerdings gelte es, den technologischen Wandel mit Entwicklungsperspektiven für die Beschäftigten zu verbinden. Obwohl Betriebsräte eine hohe Weiterbildungsbereitschaft ausmachten, bleibe diese häufig ungenutzt – mangels passender Angebote und zu hohem Zeit- oder Kostenaufwand. Folgerichtig setzt die IG Metall auf eine arbeitnehmernahe Weiterbildungsberatung im Betrieb. Detlef Horn-Wagner sieht die Unternehmen dabei vor der Herausforderung, sich zu lernenden Organisationen weiter zu entwickeln. Es gehe nicht nur um fachlich-technische Fortbildung, sondern um eine grundsätzlich neue Lernkultur, mit der auf sich schnell wandelnde Anforderungen reagiert werden könne.
Die Bundesagentur für Arbeit möchte diesen Prozess mit einer Weiterbildungsagentur unterstützen, die Unternehmen und Beschäftigte berät und Beschäftigungsverhältnisse präventiv, also bevor Jobs verloren gehen, stabilisiert. Sie könne, so Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, auch den Zugang zu Fördermitteln erleichtern.
Die Vorträge der Tagung sind in Kürze auf dem Youtube-Kanal der Evangelischen Akademie Thüringen nachzuhören. Die Unterlagen zu den Vorträgen sind hier abrufbar.
Mit einem Gottesdienst im Magdeburger Dom wurde daran erinnert, dass Kaiser Konstantin vor 1.700 Jahren den Sonntg zum allgemeinen Ruhetag erklärte und damit erstmals zum arbeitsfeien Tag machte. Foto: (c) Holger Lemme/EAT.
Rund 50 Menschen folgten der Einladung der Allianz für den freien Sonntag Sachsen-Anhalt und nahmen nach dem Gottesdienst gegenüber des Landtags auf Liegestühlen Platz. Foto: (c) Steffen Lehmann/Magdeburger Platte.
Bei frischer Luft und Musik schickten sie damit öffentlich ein Zeichen an den Landtag Sachsen-Anhalts, der gerade über Änderungen am Sonn- und Feiertagsgesetz und am Ladenöffnungszeitengesetz berät. Foto: (c) Holger Lemme/EAT.
Der Cellist Matthias Marggraff spielte für diejenigen, die sich um das Transparent "SONNTAG - Ein Geschenk des Himmels" versammelt hatten, ein kurzes Konzert. Foto: (c) Holger Lemme/EAT.
Mit einem Gottesdienst im Magdeburger Dom wurde daran erinnert, dass vor genau 1.700 Jahren, am 3. März 321 n. Chr., der römische Kaiser Konstantin ein wegweisendes Edikt erließ: „Alle Richter, Stadtleute und Gewerbetreibenden sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne (dies solis) ruhen.“ Damit galt zum ersten Mal in der Geschichte der Sonntag als allgemeiner Ruhetag, als staatlich geschützter arbeitsfreier Tag.
Heute ist die Sonntagsruhe im Grundgesetz geschützt. Vor gut 100 Jahren wurde der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung in der Weimarer Reichsverfassung verankert. Dieser Artikel gilt bis heute gemäß Art. 140 GG fort.
Und doch bleibt der Sonntag nur dann ein besonderer Ruhetag, wenn er nicht zum siebten Werktag wird – leider wird die Sonntagsruhe in vielen Wirtschaftsbranchen schon ausgehöhlt. Daher setzt sich die Allianz für den freien Sonntag, ein Zusammenschluss aus gewerkschaftlichen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, für den Erhalt der Sonntagsruhe ein.
Am 14. März 2021 folgten rund 50 Menschen der Einladung der Sonntagsallianz Sachsen-Anhalt und nahmen nach dem Gottesdienst vor dem Dom auf Liegestühlen Platz. Bei frischer Luft und Musik schickten sie damit öffentlich ein Zeichen an den Landtag Sachsen-Anhalts, der gerade über Änderungen am Sonn- und Feiertagsgesetz und am Ladenöffnungszeitengesetz berät. Denn der Sonntag ist kein Tag zum Shoppen und Schuften. Er gehört dem Glauben, der Familie, der Kultur, dem Sport, der Geselligkeit und der Erholung.
Für historisch Interessierte: Mit dem Erlass des Kaisers Konstantin wird das Nundinum, der Neun-Tages-Rhythmus im römischen Kalender, abgelöst. Die im Judentum schon lange übliche Sieben-Tage-Woche wird rechtlich verbindlich. Allerdings erklärt Konstantin nicht den Sabbat (den siebten Tag nach alttestamentarischer Zählung), sondern den Sonntag (den Tag der Auferstehung Christi) zum Ruhetag. Nach langen Jahren der Verfolgung können die Christinnen und Christen nun den Gottesdienst an einem Tag ohne Arbeitsverpflichtungen feiern. Allerdings dauert es noch gut ein Jahrhundert, bis der Sonntag auch in der kaiserlichen Gesetzgebung offiziell den christlichen Namen „dies dominicus“ (Tag des Herrn) erhält.
„Während meiner Schulzeit unternahm ich eine Reise nach Irland. Neben vielen anderen interessanten Eindrücken von „der grünen Insel“ sind mir besonders auch die irischen Steinkreuze, auch keltische oder Hochkreuze genannt, in bleibender Erinnerung geblieben. Viele von ihnen sieht man alleinstehend oder auch auf alten Grabstätten nahe und rund um bedeutende historische Sehenswürdigkeiten, wie etwa bei Clonmacnoise, einer Klosterruine im Herzen Irlands, deren Geschichte bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht. Die Kreuze sind den teils rauen Wind- und Wetterbedingungen ausgesetzt, sie zeigen deutliche Spuren ihres Alters. Still und stumm ragen sie auf, als Zeugnisse sakraler Kunst des mittelalterlichen Christentums auf den Britischen Inseln. Regen, Zeit und Kälte haben sich in ihnen eingegraben, Flechten und Wurzeln klammern sich an sie und verleihen ihnen ein eigenes Muster.
Das Gestein und das Kreuz – geht das zusammen? Die raue, manchmal auch glatte Oberfläche des Steins, ein Material, das ohne Bewegung, das zu schweigen scheint. Weder atmend, noch lebendig. Auf der anderen Seite – der Glaube an Erlösung, an Auferstehung und das ewige Leben nach dem Tod, dem Symbol des Kreuzes immanent.
Es ist dieser vermeintliche Kontrast, der mich an den irischen Steinkreuzen bei näherem Hinsehen besonders beeindruckt hat: Grau steht auf Grün. Die Kreuze sind umgeben von den grünen Wiesen und Hügeln, für die Irland vielerorts bekannt ist. Grün wie die Hoffnung, grün wie das Leben.
Aus Stein werden Dinge gebaut, von denen erwartet wird, dass sie auch nach vielen Jahren unverändert Bestand haben. Steine sind nicht immer grau, sie sind facettenreich, bunt und erzählen uns Geschichten vom Antlitz der Erde aus Zeiten, die weit zurückliegen. Und so mögen uns steinerne Kreuze ebenso daran erinnern, dass Hoffnung und Zuversicht beständig sind, unabhängig vom Wandel der Zeiten.“
Der Tod rückt uns in der Pandemie ganz schön auf die Pelle. So hieß es in einem Radiovorbericht zur Buchvorstellung „Vom Umgang mit der Todesangst. Empirische Untersuchungen und ihre praktische Relevanz“. Tatsächlich war das Interesse daran groß und das Gespräch intensiv.
Zur Präsentation des neuen Buches von Dr. Jutta Kranich-Rittweger nur zwei Punkte. Denn die gut 50 sehenswerten Minuten sind online auf YouTube verfügbar.
Die Psychotherapeutin und Theologin plädierte auf dem Hintergrund ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Krebspatienten für eine Auseinandersetzung mit Sterben und Tod. Denn diese vermag Ängste zu lindern. In ihrer Praxis arbeitet sie mit kreativen Methoden. Angst und Hoffnung kann so Gestalt gegeben werden: in Bildern, kleinen Kunstwerken, Briefen, Geschichten. Aber sie können – von einer Bäckerin – auch gebacken werden: in einer Torte des Todes und einer Torte des Lebens. Kreativität ist eine Antwort auf des Sterbenmüssen, so Kranich-Rittweger.
Spannend auch: In einer ostdeutschen Großstadt, dem Untersuchungsort, hat immerhin die Hälfte der Befragten ein Bild oder eine Idee über den eigenen Tod hinaus. Und diese Bilder sind allesamt positiv besetzt. Das Jenseits schreckt nicht, sondern wird unterschiedlich vorgestellt und ausgemalt. Traditionelle Vorstellungen werden dabei mit neuen Elementen kombiniert oder ausgeschmückt. Viele sehen sich oder die Verstorbenen in einem Himmel, etwa in einer himmlischen Wohnung oder auf einer himmlischen Wiese. Das Paradies kann dann z. B. sein wie „Woodstock ohne Drogen.“
Das anschließende Gespräch dauerte knapp eine Stunde. Hier hatten eigene Erfahrungen ihren Raum. Etwa die, dass ein hochbetagter Mann in der Klinik nicht sterben darf, künstlich am Leben erhalten wird, weil ihn Ärzte nicht sterben lassen. Aber auch: Wie 70jährige Kinder es nicht fassen können, dass ihr über 90jähriger Vater nun stirbt und diese die Ärzte deshalb mit Vorwürfen überziehen und unter Druck setzen.
Was die eigene Angst vor dem Tod angeht, machte Jutta Kranich-Rittweger auf Nachfrage noch einmal deutlich: Pathologische Angststörungen lassen sich psychotherapeutisch gut behandeln. Die Angst vor dem Tod könne man aber nur lindern. Da sei sie ganz bescheiden geworden. Todesangst gehöre nun einmal zum menschlichen Leben. Warum? Das habe der Theologe Paul Tillich grundsätzlich so gefasst: „Existenz schließt Endlichkeit ein, und Angst ist das Gewahrwerden der eigenen Endlichkeit.“
Ein Fazit der Diskussion lässt sich ziehen: Wir brauchen eine neue Sterbekultur. Nicht nur das Leben, auch das Lebensende bedarf der Gestaltung. Dazu braucht es eine Gesprächsfähigkeit, zu der diese Buchvorstellung ein Beitrag war.