80 Jahre Kriegsende in Creuzburg – Friedensgebet und Denkmalspläne

Der Krieg erreichte Creuzburg am Ostersonntag 1945 – Sirenengeheul statt Glockengeläut. Zu Hunderten verließen die Einwohner ihre Stadt und flohen in die umliegenden Wälder. Es war eine Entscheidung, die Leben retten sollte. Denn Tage zuvor hatte Gauleiter Fritz Sauckel befohlen, der US-Armee den Übergang über die Werra mit allen Mitteln zu versperren, die „Werralinie“ zu halten.
Schon am Ostersamstag hatte der sogenannte Volkssturm zusammen mit wenigen Soldaten der Panzerjägerersatzabteilung 9 und einer einzelnen Kanone in den Hügeln über dem östlichen Ufer der Werra Position bezogen. Panzersperren wurden aufgebaut. Die mittelalterliche Brücke über den Fluss war vermint, stand aber noch.
Die Aufforderung zur kampflosen Übergabe der Stadt beantworteten die Verteidiger sinnloserweise mit dem Beschuss der US-amerikanischen Stellungen. Einen Tag dauerte der Kampf über den Werraübertritt der US-Army und forderte Dutzende Tote. Am Ende war Creuzburg durch Beschuss zu 73 Prozent zerstört. Nur die Burg, die ehemalige Brauerei und einige Gebäude am Markt überstanden das Inferno.
Bis heute sind die Narben in der planvoll wiederaufgebauten Stadt sichtbar. Wenngleich die seelischen Narben allmählich verblassen, hat sich das Geschehen in das Gedächtnis Creuzburgs bleibend eingebrannt. Und so war auch der 1. April 2025 ein wichtiger Gedenktag der Stadt.
Begangen wurde er mit einem Friedensgebet in der Nicolaikirche und der öffentlichen Vorstellung von drei Ideen zu einem Gedenkort. Im Friedensgebet predigte Landesbischof Friedrich Kramer über das Wort „Der Friede Gottes bewahre eure Herzen und Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus“. Anschließend ging es mit brennenden Kerzen zur Abendveranstaltung im Saal Klostergarten. Moderiert von Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich wurden ein Schulprojekt vorgestellt, die drei Entwürfe für einen Gedenkort präsentiert und anschließend auf einem Podium diskutiert.
Etwaige Befürchtungen, es könnte zu technisch werden, erwiesen sich als unbegründet. Die teils stadtplanerisch, teils landschaftsplanerisch angelegten Entwürfe wurden von ihren Urheberinnen mit Herzblut präsentiert. Auf dem Podium kamen Landesbischof Kramer, Bürgermeister Rainer Lämmerhirt und zwei weitere Mitglieder des Denkmalsauschusses über den Sinn des Gedenkens in ein intensives Gespräch. Dabei wurde deutlich, was man sich von solch einem Denkmal erhofft: Es solle ein Ort lebendiger Erinnerung über die Generationen hinweg sein. Aber auch die Frage wurde beantwortet, was es nicht sein darf: Der Platz für irgendeine Verherrlichung oder Relativierung der NS-Zeit.
Veröffentlicht am 03. April 2025








