Einblick in ein Workshopzelt. Foto: (c) Tobias Thiel
UNBOX IT - Station Seltene Erden. Foto: (c) EAT
Vertrauen und Ausprobieren: Unter diesem Motto fanden dieses Jahr die beiden Konfi-Camps in Wittenberg statt. Jeweils fünf Tage lang wurde gespielt, gesungen, gebetet und vieles mehr. Im Vordergrund stand immer die Gemeinschaft auf dem Campgelände. Über 750 Jugendliche zogen in Zelte ein und verbrachten miteinander eine schöne Zeit.
Unser Jugendbildner Justus Müller war mit einem Bildungsangebot aus seinem Projektkontext „Gamebased Learning in der historisch-politischen Jugendbildung“ dabei und berichtet von der positiven Erfahrung vor Ort:
„Diese großartige Aktion der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt lies ich mir nicht entgehen und durfte sie auch mit einem Workshop mitgestalten. Unter dem Motto „Ressourcen aus aller Welt“ reisten die Jugendlichen und ich einmal um den Globus. Dabei beschafften wir Seltene Erden, tauchten nach Zinn, recycelten alte Smartphones und transportierten gefährliche Chemikalien. ‚Hm, vielleicht ist es doch nicht so schlimm, dass ich nur das gebrauchte Handy von meinem Vater habe und kein neues‚, fasste ein Jugendlicher seine Erkenntnisse zusammen.“
In schöner Arbeitsumgebung: Anne Tippelhoffer, neue Projektkordinatorin, im Garten des Zinzendorfhauses. Foto: (c) Zubarik/EAT
Zwei wichtige Kontexte für Anne Tippelhoffers Arbeit: Das Format "Buble Crasher" und das Rahmenprojekt "Geht's noch". Foto: (c) Zubarik/EAT
Mit politischer Bildung hatte Anne Tippelhoffer, seit Juni diesen Jahres neues Teammitglied der Evangelischen Akademie Thüringen, schon immer viel am Hut, selbst als sie noch im Kulturbereich tätig war. Die gebürtige Erfurterin war nämlich über zehn Jahre an verschiedenen Stadttheatern in Dresden, Berlin und Leipzig angestellt; als Theaterpädagogin und Dramaturgin hat sie dort an der Schnittstelle zwischen politischer und kultureller Bildung gearbeitet. Die Familienplanung brachte sie, mit drei kleinen Kindern an Bord, zurück nach Thüringen, wo sie zunächst als Kulturagentin bei der LKJ war.
Die Brücke zu ihren jetzigen Aufgaben an der Akademie ist also breit angelegt. Ihre Stelle ist neu geschaffen, im Rahmen des EAD-Projekts „Geht’s noch? Verständigungsorte in Ostdeutschland gestalten“, das in den vier Evangelischen Akademien in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen umgesetzt und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Konkret geht es dabei um die Gestaltung neuer Dialogräume sowie die Entwicklung innovativer Gesprächsformate, die Bürger:innen zum Austausch über lokale bzw. regionale Themen einladen sollen. An der EAT gilt es nun, das bereits seit mehreren Jahren in der Jugendbildung erprobte und bewährte Konzept „Bubble Crasher“ für die Zielgruppe Erwachsene anzupassen und weiter zu entwickeln.
Eng zusammenarbeiten wird Anne Tippelhoffer dabei auch mit der Schwesterakademie der Landeskirche in Sachsen-Anhalt. Unter anderem sind zwei gemeinsame Workshops im September in Magdeburg und Halle geplant. Aber auch mit den anderen beiden Akademien und der EAD steht sie in engem Austausch: Bei einem ersten online-Treffen wurden bereits rege Themenschwerpunkte, Methoden und Konzepte diskutiert und die gegenseitige Inspiration war groß. Im November folgt ein zweitägiges Präsenztreffen in Erfurt, um erste Erfahrungen und Ergebnisse, aber auch auftretende Fragen auszuwerten.
Warum sich Anne Tippelhoffer auf die Projektstelle beworben hat? „Es ist ein Thema, was mich umtreibt, auch im persönlichen Umfeld. Spannend daran finde ich zum einen, wie man bei Erwachsenen, die ja nicht mehr im Kontext der schulischen Bildung erreicht werden können, das Interesse an politischer Bildung wecken kann; zum anderen, wie sich der Bubble Crasher-Ansatz für erwachsene Gruppen zielführend gestalten lässt. Denn: Erwachsene Personen sind die Zielgruppe, die meist nicht vorrangig auf dem Radar der politischen Bildung blinkt, die aber mitunter besonders gefährdet ist, in Filterblasen abzutauchen.“
Nachdem sich Anne Tippelhoffer in ihren ersten Wochen in die Abläufe der Akademie eingearbeitet hat, ist sie nun eifrig dabei, die beiden eintägigen Workshops im September vorzubereiten und mit Blick auf weitere Angebote Kooperationspartner und Orte in Thüringen zu suchen.
Wir sind gespannt auf die Entwicklungen im Projekt und werden im Blog berichten. Informieren kann man sich ebenso auf unserer Projektunterseite zu Bubble Crasher und auf der EAD-Webseite zum Innovationsprojekt Geht’s noch.
Auf den Spuren der Smartphones einmal um die Welt. Foto: (c) Müller/EAT
Erste Übertragungen vom Spiel in die echte Welt werden sichtbar. Foto: (c) Möller/EAT
Bio-Raketen im Bau. Foto: (c) Müller/EAT
Die Titelseiten der entstandenen Werke. Foto: (c) Müller/EAT
Einen Schatz gefunden, Bücher gedruckt, eine nachhaltige Stromversorgung entworfen, der Herstellung von Smartphones hinterhergereist und am Ende mit einer Bio-Rakete ins All gestartet. Was nach ewig viel Arbeit aussieht, schafften Kinder von sieben bis elf Jahren im Sommerferienprogramm der Jugendbildungsstätte Junker Jörg innerhalb einer Woche.
Los ging es am Montag den 14.07. auf den Spuren Martin Luthers, der heiligen Elisabeth, Johann Sebastian Bachs, Ludwig des Springers und Fritz Zyliacs von der Wartburg. Die Detektivgeschichte führte die Gruppe nicht nur durch die Vergangenheit, sondern auch hin und her durch die Bildungsstätte und über das Gelände.
Am Dienstag ging es dann weiter mit Johannes Gutenberg und der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Beim „1, 2, oder 3 des Buchdrucks“ wurde erst das eigene Wissen bewiesen und schließlich mit Druckplatten und Farbe eigene Werke geschaffen.
Von der bahnbrechenden Erfindung des Buchdrucks ging es weiter in die ganze Welt. Nachdem sich die Kinder Mittwoch zunächst beim „Wissenschaftsjahr 2025 – Zukunftsenergie“ einen Überblick über mögliche Energieformen verschafft hatten, mussten sie selbst kreativ werden. In Minecraft entstanden unter anderem Photovoltaik-Anlagen, die gleichzeitig Tieren Schatten spendeten, Staudämme, die nebenbei die Landschaft begrünten, Geothermie-Werke und eine Schaukel zum Laden des Handys.
Doch was braucht es alles, bevor ich mein Handy an der Schaukel laden kann? Dieser Frage gingen die Kinder am Donnerstag nach. Vom mühsamen Ausgraben seltener Erden in China, über das lange Luftanhalten beim Tauchen nach Zinn in Indonesien, bis zum schwierigen Zusammenbauen am Fließband in Vietnam wurde alles erprobt. Als dann auch noch in Ghana alte Geräte recycelt werden mussten, wurde spätestens deutlich, wie viel Aufwand, harte Arbeit und Umweltbelastungen in jedem Smartphone stecken.
Deutlich nachhaltiger waren die am Freitag gebauten Raketen. Diese wurden mit Ressourcen wie Moos, Blättern, Rinde und Ästen aus dem anliegenden Wald zusammengebaut. Nachdem dann noch ein paar Grundfragen zu Planeten, der Sonne und der vergangenen Weltraumforschung geklärt waren, konnte es losgehen. Doch was braucht es eigentlich, um sich auf einem anderen Planeten anzusiedeln und wie könnte eine Gesellschaft dort aussehen?
Nach einer erfolgreichen Rückkehr in die Bildungsstätte Junker Jörg war die Begeisterung groß und es wurden gleich viele Themenideen für nächstes Jahr gesammelt. Mal sehen, wohin die Reise in den nächsten Ferien führt.
Die eigene Heimatstadt Tiamast besetzt, vertrieben an einen Ort, an dem man nicht mal zwei Tage bleiben darf, verfolgt von den Besatzern des Drei-Reiche-Bunds, umgeben von Räubern, Krankheiten und Spionen. Diesem Szenario stellten sich 20 Jugendliche beim Live-Aktion-Rollenspiel (LARP) „Ein neuer Grundstein“ vom 04.-06.07 im Lutherpark bei Erfurt. Dabei schlüpften sie in verschiedene, selbstentwickelte Rollen, zogen sich Gewandungen an und bewaffneten sich mit Zelt, Isomatte, Schlafsack und LARP-Schwert.
Wenn sie erst die Gefahren des Weges hinter sich gebracht hatten, galt es ein Lager zu errichten, Essen über dem Feuer zuzubereiten, sich für den Kampf zu wappnen und die Umgebung zu erkunden. Dabei tauchten schnell alchemistische Schriften und verschlüsselte Botschaften auf. Doch mit Essen, Lagerfeuer und mehr oder weniger erfolgreicher Banditenabwehr verging die Zeit recht schnell und bald bezogen alle ihre Nachtlager.
Am nächsten Tag ging das bunte Lagerleben weiter. Es wurde geschmiedet, Körbe geflochten, Söldner rekrutiert und weiter merkwürde Knochen mit alchemistischen Zeichen gesammelt. Doch die Lage verschlechterte sich zusehends. Zunächst verschwanden immer wieder Lebensmittel, die Ressourcen wurden knapper und die beiden ursprünglichen Bewohnerinnen der Waldlichtung pochten immer wieder auf ein Weiterziehen der Flüchtigen. Als auch noch ein verstecktes Lager im Wald und ein toter Briefkasten mit Botschaften an den Drei-Reiche-Bund entdeckt wurden, schien die Situation zu kippen. In einem verzweifelten Moment griff ein Alchemist aus dem Lager eine vorbeiziehende Patrouille an. Er tötete zwei Soldaten und schlug den letzten in die Flucht. Nur der Festsetzung des Alchemisten, der Überführung des Spions, und dem Verhandlungsgeschick des Söldnermeisters war es am Ende zu verdanken, dass die angerückten Truppen des Drei-Reiche-Bundes ohne Blutvergießen weiterzogen.
Als auch noch ein abendlicher Banditenüberfall ohne große Verluste, dank der Hilfe von Tränken, aus den mittlerweile entschlüsselten alchemistischen Schriften, abgewehrt werden konnte, kehrte Frieden im Lager ein.
Wie es mit der Handlung weiter geht, kann beim Pen and Paper-Stammtisch miterlebt und erspielt werden. (Jeden vierten Montag im Monat in der Offenen Arbeit Erfurt)
Am Sonntag kehrten die Jugendlichen aus der LARP-Welt Tiamast wieder in die Realität zurück. Nun stellten sich viele spannende Fragen. Ist Moral käuflich und was unterscheidet sie von Ehre? Ist es okay Lebensmittel für einen Kranken zu stehlen? Was tun, wenn man nirgends willkommen ist? Die Erlebnisse der letzten zwei Tage führten zu angeregten Gesprächen und Diskussionen. Dabei kamen die Jugendlichen schnell von der Situation rund um Tiamast zu Erlebnissen in ihren Lebenswelten. Im Lager hatte der mit den meisten Waffen die meiste Macht, aber wie läuft das in der eigenen Klasse oder Schule? Wer bestimmt, was moralisch ist und was nicht? Wie kann ich mich einbringen, wenn ich merke, dass Dinge schieflaufen? Auch konnten die Jugendlichen überlegen welche Eigenschaften ihrer Charaktere sie gerne selbst mehr ausleben würden und welche sie sofort hinter sich lassen möchten.
Insgesamt waren es drei Tage voller Spaß, spannenden Erlebnissen, wilden Kämpfen und guten Gesprächen. Daher verwundert es kaum, dass der Wunsch nach einer Wiederholung 2026 direkt lautgeworden ist.
Herderkirche Weimar am 13. Juli 2025. 138 Gäste besuchten den Gottesdienst im Rahmen der 11. Bach Biennale. Foto: (c) Claudia Kunde
Viele Nachgespräche an der Kirchentür gab es nach dem Gottesdienst am 13. Juli in der Herderkirche Weimar im Rahmen der 11. Bach Biennale. Gerade Gäste aus Bayern, Baden-Württemberg oder Hamburg wollten sich über das Gehörte austauschen. Denn unter dem Motto des Sonntags „Seid barmherzig“ wurde eine anregende Kost geboten.
Es ging um Großherzigkeit und Weite gemäß der Prämisse „Wie Gott mir, so ich Dir“, aber auch um den „Druck zur Vergebung“, dem Betroffene und Geschädigte im Verlangen nach Wiederherstellung harmonischer Gemeinschaft ausgesetzt sein können sowie darum, an welchen Orten und auf welche Weise heute gesellschaftliche Verständigung wieder gelingen kann. Die Predigt von Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich zu Lk 6, 36-42 kann hier nachgelesen werden.
Musikalisch ausgestaltet wurde der Gottesdienst von Kilian Homburg (Orgel) und Lili Hein (Sopran) mit Werken von J.S. Bach, seinen Freunden und seiner Familie.
Nicole Trunt interpretiert Stings Song „If I Ever Lose My Faith in You“. Foto: (c) Kranich/EAT
Rosen in der Rosenkirche des Augustinerklosters zu Erfurt. Foto: (c) Kranich/EAT
„Ein Tritonus ist beunruhigend. Da fühlt man sich unwohl. Also fangen wir so an.“ So Sting zum ersten Tonschritt in „If I Ever Lose My Faith in You“. Live interpretiert von Sängerin Nicole Trunt und textlich ausgelegt von Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich stand dieser Song im Mittelpunkt des Auftakts der Gottesdienstreihe „Hits from Heaven“ in der Rosenkirche des Augustinerklosters zu Erfurt.
Woran kann man seinen Glauben verlieren? Worauf glauben, hoffen, vertrauen wir dennoch? Woraus speist sich die Kraft, zu handeln? Diese Fragen bewegten die zahlreichen Besuchenden in einer intensiven Gottesdienststunde unter freiem Himmel und in etlichen Gesprächen danach.
„Wenn ich jemals meinen Glauben in Dich verliere, es gäbe für mich nichts mehr zu tun“. Wer dieser Einsicht des britischen Musikers nachsinnen möchte, der mag die Predigt hier nachlesen.