Die Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche blickt in der diesjährigen Ausgabe ihres Magazins unter dem Titel „Gehet hin in alle Welt. Ich bin bei euch! (Mk. 16, 15 und Mt. 28, 20)“ darauf, wie in handwerklichen Betrieben eine wertschätzende Personalführung gelebt wird. Klar ist: Wertschätzung gab es schon immer, vor allem im Handwerk mit seiner engen betrieblichen Kooperation und Fürsorge. Aber die Vorstellungen und Instrumente haben sich im Laufe der Zeit geändert – durch äußere wie auch innere Faktoren. So hat sich auch im Handwerk aus manch traditionellem Familienbetrieb ein professionell geführtes mittelständisches Unternehmen entwickelt. Im Magazin wird wertschätzende Personalführung nicht nur theologisch und psychologisch begründet, sondern auch auf Basis des DGB-Index Gute Arbeit empirisch analysiert. Darüber hinaus wird der Einfluss einer wertschätzenden beruflichen (Aus-)Bildung diskutiert. Abgerundet wird das Heft durch Stimmen aus der Praxis: von Handwerkerinnen, Auszubildenden, Funktionären der Handwerksorgane und Pastorinnen.
Sie können das aktuelle Magazin online herunterladen. Gedruckte Exemplare erhalten Sie bei der Evangelischen Akademie Thüringen.
Mit dem Zitat „Der Sommer zog über die Gräber her“ stand die ausgebuchte Tagung „Schriftsteller und der Erste Weltkrieg“ unter einem Motto aus Bertolt Brechts „Legende vom toten Soldaten“. Das facettenreiche Programm hielt beeindruckende Vorträge bereit, die zu – teilweise durchaus kontroversen – Debatten einluden. Im Mittelpunkt standen die Entwicklungen vom euphoriegesättigten Augusterlebnis des Jahres 1914 über die rasch einsetzenden Ernüchterungsprozesse bis hin zu den Bewältigungsstrategien in Weimarer Republik und Nationalsozialismus. Aber auch die Frage nach der gegenwärtigen Relevanz literarischer Auseinandersetzungen mit dem Krieg, seinen Ursachen und Folgen, oder die kritische Analyse des revolutionären Freiheitspathos der Jahre 1918/19 drängten sich in den Vordergrund der Gespräche. Eine besondere Eindrücklichkeit erhielt die Tagung nicht zuletzt durch die kommentierte Präsentation der Texte Stefan Georges und Bertolt Brechts, aus der erkennbar wurde, wie Zeiterleben und kritische Zeitgenossenschaft in faszinierender Dichtung bleibenden Ausdruck und Gestalt gewinnen können.
Es duftet wunderbar nach frischem Gebäck: Leckere Kekse aufgereiht auf Blechen, der Kuchen ist fertig und der Teig für die Brötchen des nächsten Morgens liegt in der Klimakammer. Das übliche Programm ist erledigt. Und doch gehen die Bäcker noch nicht nach Hause. Heute sind zwölf Konfirmandinnen und Konfirmanden in die Bäckerei Morgenstern nach Helbra eingeladen, um dort Brot für die Welt zu backen. Sie kommen aus verschiedenen Orten im Mansfelder Land und haben von den Älteren gehört, was für eine super Aktion dies ist. Zum fünften Mal seit 2014 sind Konfis der Region bei Hanspeter und Karin Corente in der Bäckerei Morgenstern zu Gast.
„Das Backen ist immer wieder ein Erlebnis und ergänzt perfekt den Konfirmandenunterricht, wo wir über Brot und Wein, das Abendmahl, aber auch den Wert der uns von Gott geschenkten Lebensmittel nachdenken. Und Fragen der globalen Gerechtigkeit beschäftigen uns dabei sehr. Deshalb ist es großartig, dass die Konfis bei dieser Aktion selbst aktiv werden. Wir sind sehr dankbar, dass wir Jahr für Jahr hier backen dürfen“, sagt Pfarrer Klemens Niemann aus dem Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda.
Sie kneten und formen den Brotteig, dessen Hauptbestandteil Dinkel ist. Dabei stellen sie fest, wie klebrig der Teig ist – und dass man ihn mit etwas Mehl binden und dann besser kneten kann. Bevor die 23 geformten Laibe in die Backformen kommen, werden sie in Sesamkörnern gewendet. Dann gehen sie eine gute halbe Stunde, bevor sie 40 Minuten im Ofen backen. In der Zwischenzeit werden Plätzchen gebacken und über Brotsorten sowie die Arbeitsbedingungen im Bäckerhandwerk gefachsimpelt. Dann ist es soweit: Die duftenden, warmen Brote werden aus dem Ofen gezogen. Handwarm werden sie verpackt. Die frischen Brote nehmen die Konfis mit für ihre Familien, und einige verkosten das Brot gleich an Ort und Stelle. Denn natürlich hält es sich nicht bis zum 1. Advent, wenn die Aktion „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ im Gottesdienst im Zentrum Taufe (St. Petri-Pauli) in Eisleben ihren Abschluss findet. Dann wird noch einmal gebacken, und die Gemeindeglieder bekommen knusprig frische Brote. Im Gegenzug spenden sie für Brot für die Welt. Denn noch einen Effekt hat diese Aktion: Mit den Einnahmen sollen Ausbildungsprojekte in El Salvador, Indien und Äthiopien unterstützt werden.
Vom 7. bis 9. November fand in Landau/Pfalz die Mitgliederversammlung der Evangelischen Akademien in Deutschland statt. Neben den wechselseitigen Informationen über die Arbeit in den 17 Akademien und Organisatorischem war auch Zeit für einen grundsätzlich-inhaltlichen Austausch.
Dabei lautete eine wichtige Frage: Was ist das Besondere an Evangelischen Akademien? Dazu lassen sich zwei Dinge sagen: Zum einen ist es der Diskurs. Denn Akademien bieten Raum für den Austausch von unterschiedlichen Akteuren mit verschiedenen Positionen auf der Basis von Hörbereitschaft und Argumentationsfähigkeit. Zum anderen ist es eine spezifische Spiritualität, die auf jenen Diskurs und seine Inhalte bezogen ist. In Evangelischen Akademien wird Spiritualität als Tiefendimension der Sacharbeit erlebt.
Doch sind Akademien heute noch zeitgemäß? Ja, mehr denn je. Denn tagtäglich ist es zu hören und zu sehen: Eine Gesprächskultur, die den Namen verdient, ist vielfach auf dem Rückzug. Damit gehen Veränderungen im vorpolitischen und politischen Raum einher, die für den Bestand einer freiheitlichen Demokratie gefährlich werden können. Gerade heute bieten Akademien einen Schutzraum für ein Gespräch, in dem mehr geschehen kann als Polemik und das starre Behaupten von Positionen.
Zugleich ist festzuhalten: Auch der akademische Diskurs verändert sich durch Digitalisierung und vermittels Sozialer Medien. Auch vor, während und nach einer Tagung wird getwittert und gepostet und im Anschluss von Veranstaltungen werden Blog-Beiträge geschrieben, wie dieser, den Sie gerade lesen. Fakt ist: Wir erleben und gestalten längst eine Verschränkung von Kommunikation unter Anwesenden mit Abwesenden. Diskurse werden so in einem weiteren Rahmen geführt. Zugleich werden sie oft unübersichtlich aufgrund der Vielzahl der Kommunikationskanäle.
Eine wichtige Erkenntnis dabei ist: Starke Inhalte dringen durch, die Kommunikationskanäle übergreifend. Für Protestanten ist das nichts Neues. Denn das war schon in der Reformation so. Die Thesen und Schriften Martin Luthers wurden verbreitet, ob per Flugblatt oder per Buch. Vieles andere wurde seinerzeit auch gedruckt und massenhaft verbreitet. Es erlangte aber bei weitem nicht solche Reichweiten und nachhaltige Wirkungsgrade.
Menschenfeindlichkeit, Hass und Ablehnung gegenüber Jüdinnen und Juden bleibt ein beständiges Problem der Gesellschaft. Historisch gewachsen und verwurzelt in Ideologien, zeigt er sich bis heute auf offener Straße, beispielsweise in Gewalt und Angriffen. Manchmal ist er jedoch auch nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar und verbirgt sich in Vorurteilen, Verschwörungstheorien oder alltäglichen Sprichwörtern. Welche Bedeutung hat der historische Antisemitismus noch für unser heutiges Leben? Und in welchen Erscheinungsformen begegnet uns moderner Antisemitismus im 21. Jahrhundert? Fragen wie diesen widmete sich das Seminar „Antisemitismus heute“, das vom 9. bis 11. November 2018 in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg stattfand.
Den Auftakt zum Seminar bildete am 9. November, dem 80. Jahrestag der Pogromnacht, der Kinofilm „Wir sind Juden aus Breslau“. Der Film begleitet 14 Zeitzeugen, die als Kinder in Breslau zu Hause waren, und zeichnet in Interviews und Gesprächen mit heutigen Jugendlichen ihre Lebensschicksale unter den Schrecken des Nationalsozialismus nach. Im anschließenden Filmgespräch mit allen Kinobesuchern betonte Regisseur Dirk Szuszies die besondere Verantwortung des Gedenkens, die die Gesellschaft heute habe. Das Erinnern und Lernen aus der Vergangenheit ist nun, in einer Zeit, in der die letzten jüdischen Zeitzeugen des Nationalsozialismus leben, umso wichtiger, um heutigem Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit begegnen zu können.
Im weiteren Verlauf des Seminars beschäftigten sich die Teilnehmenden mit aktuellen Tendenzen des Antisemitismus, unter anderem am Beispiel der diesjährigen ECHO-Verleihung. In Gesprächsrunden und Diskussionen sprachen sie über Erscheinungsformen und Erkennbarkeit von Antisemitismus sowie darüber, wie er als Risiko für die Demokratie zu beurteilen ist. In thematischen Einheiten und einer Übung wagten sie den „Blick des Anderen“: Wie kann Ich die Perspektive von Betroffenen einnehmen? Wie würde sich mein eigenes, gewohntes Leben in Familie, Gesellschaft und Beruf eventuell verändern, wenn ich selbst Jude oder Jüdin wäre? „Ich spüre bei mir selbst, dass ich das ungerecht finde: Ich als Nicht-Betroffener kann mich relativ problemlos vom Thema Antisemitismus zurückziehen, wenn es mir zu viel wird. Jüdinnen und Juden können das nicht“, fasste ein Seminarteilnehmer seine Gedanken zusammen.
Zum Seminarprogramm gehörte auch eine Exkursion in Eisenach. Kulturkoordinatorin Thekla Bernecker führte die Teilnehmenden dabei auf die Spuren jüdischen Lebens, aber auch antisemitischer Vorfälle, durch die Straßen der Stadt.
Das Seminar fand statt im Rahmen des Projekts „Antisemitismus und Protestantismus“ der Evangelischen Akademien in Deutschland.
Gerade erschienen: Die Doktorarbeit von Annika Schreiter. Foto: Privat
Wie sich die Auseinandersetzung Jugendlicher mit Politik entwickelt, ist für die Demokratie ein zukunftsbestimmendes Thema. Die Doktorarbeit von Annika Schreiter widmet sich dieser Entwicklung bei Thüringer Jugendlichen zur Zeit ihres Schulabschlusses und analysiert die Veränderungen während dieses lebensgeschichtlichen Umbruchs. Diese Arbeit ist nun im kopaed Verlag unter dem Titel „Von der Schulbank an die Wahlurne… Die politische Kommunikation Jugendlicher im Wandel der Lebenskontexte nach dem Schulabschluss“ erschienen. Sie ist an der Schnittstelle von Kommunikationswissenschaft, politischer Bildung und Medienpädagogik angesiedelt und entstand daher neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung auch auf Grundlage der praktischen Erfahrungen in der politischen Jugendbildung der Evangelischen Akademie.
Aus der Analyse werden Rückschlüsse auf das Zusammenwirken der zentralen Sozialisationsinstanzen Schule, Familie und Peergroup bei der Entwicklung der politischen Kommunikation gezogen. Die Ergebnisse heben die Schulzeit als prägende Phase dafür hervor und zeigen, wie unterschiedlich sich Jugendliche dem Themenkomplex Politik nähern und damit umgehen. Zudem streicht die Arbeit die Notwendigkeit einer lebensnahen und variantenreichen politischen Bildung heraus sowie die Schlüsselrolle der Medienkompetenz als Teil der Bürgerkompetenz.