2019 wird der 100. Jahrestag der ersten Demokratie in Deutschland sein. Das Jubiläum ist Anlass dafür, die Demokratie- und Menschenrechtsbildung in Thüringen zu stärken. Im Netzwerkprojekt Thüringen 19_19 sollen in Kindertagesstätten, Schulen und der außerschulischen Bildung langfristig wirksame und professionell abgesicherte Formen der Demokratie- und Menschenrechtsbildung mit Bildungspartnern etabliert werden. Thüringen 19_19 wird von rund 30 unterschiedlichen Akteuren und Initiativen aus allen Bildungsbereichen unterstützt, die sich auf Einladung der Evangelischen Akademie Thüringen und der Landeszentrale für Politische Bildung zusammengefunden haben.
Seit diesem Jahr gibt es für dieses Netzwerkvorhaben die nötigen Mittel, um Maßnahmen anzugehen. Dafür suchen wir engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dieses Projekt gestalten und umsetzen. Zu besetzen sind 4 Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (50%) und eine Stelle für die Buchhaltung und Verwaltung des Projekts (75%). Anstellungsträger ist Demokratisch Handeln e.V. Der Dienstort ist Jena.
Der Nutzen von Grenzen ist umstritten – sie können einengen und Freiheit beschneiden, sie können aber auch Schutzräume bieten. Bei der Tagung „Immer! Alles! Jetzt!“ am 8. und 9. März 2018 standen sie im Mittelpunkt des Diskurses um Entgrenzung und Berufseinstieg. Ausgangspunkt war die These, dass die Megatrends Individualisierung und Digitalisierung die Lebensphase der Jugend als auch die Arbeitswelt grundlegend verändern. So hat Prof. Dr. Lothar Böhnisch, Universität Bozen, in seinem Vortrag dargelegt, wie vorteilhaft der Schutzraum der Jugend aus entwicklungspädagogischer Perspektive ist. Gleichwohl wird dieser Schutzraum von grundsätzlich grenzenlosen digitalen Medien ausgehöhlt und damit entgrenzt. Juliane Bublitz und Lukas Bosch berichteten von ihren Erfahrungen in der modernen Arbeitswelt – sie arbeiten in einem Coworking Space und gestalten ihre Arbeit flexibel, um für den gemeinsamen Sohn sorgen zu können: Entgrenzung als Möglichkeit, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.
Am zweiten Tag wendeten sich die Tagungsgäste den Bedürfnissen der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern zu. Die Psychologin Prof. Dr. Bärbel Kracke skizzierte anhand von Jugendstudien die veränderten Erwartungen der jungen Leute an das Berufsleben. In den sich anschließenden Diskussionen in Kleingruppen wurden darauf aufbauend die Herausforderungen an die Berufsberatung, die Beschäftigten und die Arbeitgeber herausgearbeitet. Denn mit den Veränderungen in der Gesellschaft sind auch in der Arbeitswelt die Rahmenbedingungen und Grenzen neu zu definieren – und zwar umfassend, und nicht nur in Bezug auf die digitalen Medien!
Arbeit ist anstrengend, aber auch sinnstiftend. Nur dürfe sie nicht zu einer Belastung werden, die die Gesundheit angreift. Darin waren sich die rund 70 Tagungsgäste einig, die sich in der vergangenen Woche zur 5. Arbeitszeitkonferenz in Neudietendorf getroffen hatten. Unter dem Titel „Gesunde Arbeit? Prävention als Kern des betrieblichen Gesundheitsschutzes“ diskutierten Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen, im Gesundheitssektor Tätige und interessierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, wie Arbeit so gestaltet werden kann, dass sie auch über das gesamte Berufsleben förderlich für die Gesundheit ist.
Die Thüringer Arbeits- und Gesundheitsministerin Heike Werner sieht viel Handlungsbedarf auf dem Feld der Gesundheitsvorsorge und machte deutlich, dass entsprechende Aktivitäten bereits zielgerichtet angegangen würden – von der Landesregierung, aber auch von den Sozialversicherungsträgern und weiteren Partnern. Mit gesundheitspolitischen Sprecherinnen der Fraktionen im Thüringer Landtag wurde über die Möglichkeiten und Grenzen der Einflussnahme der Landespolitik diskutiert. Einige der Forschungs- und Beratungsprojekte in diesem Feld stellten ihre Arbeit auf der Tagung vor, so z.B. das Netzwerk Gesunde Arbeit, das Modellvorhaben Gesund Arbeiten in Thüringen oder die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V.
Den Tagungsgästen war insbesondere das Kennenlernen von Ansätzen zur betrieblichen Präventionsarbeit als auch der Austausch untereinander wichtig. Denn nur mit dem Wissen und den Erfahrungen unterschiedlicher Akteure lassen sich passgenaue Antworten auf die Herausforderungen an den jeweiligen Arbeitsplätzen finden. Es wurde deutlich: Arbeits- und Gesundheitsschutz ist kein Kosten-, sondern ein Produktivfaktor, ein Gewinn für alle. Prof. Dr. Heinrich Geissler belegte denn auch, dass der Erhalt der Arbeitsfähigkeit durch Anerkennungskultur, alternsgerechte Berufsverläufe und Prävention psychischer Gefährdungen eine wohldurchdachte Investition ist. Und Manfred Scherbaum von der IG Metall machte deutlich, dass gerade die Arbeitszeit im betrieblichen (Schicht-)Alltag eine äußerst wichtige Stellschraube ist, um Belastungen für die Beschäftigten zu reduzieren. Dazu sei der aktuelle Tarifabschluss mit der Möglichkeit zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Stunden ein „Meilenstein“ auch für die Gesundheit.
Demokratie ist mehr als nur eine Staatsform, sie ist auch eine Gesellschafts- und Lebensform. Für viele junge Menschen, die auf der Suche nach Schutz und einem besseren Leben in der jüngsten Vergangenheit nach Deutschland gekommen sind, ist sie oft fremd. Wie kommt man über demokratisches Zusammenleben über Sprachbarrieren hinweg ins Gespräch? Wie erklärt man Regeln und Normen und diskutiert dabei auf Augenhöhe?
Referent Stephan Schack stellte in dem dreitägigen Workshop „Demokratie für mich“ vom 21. bis 23. Februar 2018 in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach einen erfahrungsbasierten Ansatz für Demokratielernen vor. Diesen hat er mit einer Kollegin in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung in Nordrhein-Westfalen für die politische Bildungsarbeit in Sprachförderklassen entwickelt. Dabei werden verschiedene Themen wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit oder persönliche Freiheit in den Blick genommen. Kennzeichnend für den Ansatz ist ein Fünfschritt: Das Ergründen der persönlichen Erfahrung ist der Ausgangspunkt für eine Beobachtung. Im Anschluss werden notwendige Vokabeln erarbeitet und damit Fragen formuliert, mit denen dann in einen Dialog eingetreten wird. Diese fünf Schritte werden je nach Thema mit verschiedenen Methoden umgesetzt. Im Workshop mit Multiplikatorinnen aus politischer Bildung und der Arbeit mit Geflüchteten wurden Methoden dieses Ansatzes ausprobiert und diskutiert, wie diese in die außerschulische Bildungsarbeit übertragen werden können.
Am vergangenen Samstag ist Akademiedirektor Prof. Dr. Michael Haspel von Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), in einem Gottesdienst seines Amtes entbunden worden. Zwölf Jahre lang hat er die Evangelische Akademie Thüringen als Direktor geleitet. „Orte und Gespräche brauchen glaubwürdige Personen, die dafür einstehen, dass die Orte als Kirche erkennbar sind und einen guten Geist bezeugen. Michael Haspel ist für mich ein Zeuge eines solchen guten Geistes und das fühlt man auch in Neudietendorf“, bemerkte Dr. Rüdiger Sachau, Direktor der Evangelischen Akademie zu Berlin, in seinem Grußwort. Neben Friedrich Kramer, Akademiedirektor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, fanden auch Ullrich Ballhausen, Vorsitzender des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten, und Mike Corsa, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), anerkennende Worte für die Zusammenarbeit mit Michael Haspel. Für das Evangelische Zentrum Neudietendorf dankten ihm Cornelia Thönert, Geschäftsführerin des Zinzendorfhauses, und Pfarrer Tobias Schüfer, der die regionale Studienleitung für die Vikarsausbildung in der EKM verantwortet. Propst i.R. Dr. Hans Mikosch, Vorsitzender des Kuratoriums der Evangelischen Akademie Thüringen, hatte zuvor die 120 Gäste im Chorsaal des Zinzendorfhauses zum Symposion und einem anschließenden Abendessen mit Jazzmusik begrüßt.
Prof. Dr. Michael Haspel wird ab dem Sommersemester 2018 in der Forschungsstelle „Sprache. Kommunikation. Religionsunterricht“ am Martin-Luther-Institut der Universität Erfurt Aufgaben in Forschung und Lehre übernehmen.
Wie die Thüringer Allgemeine über die Verabschiedung berichtete, lesen Sie hier.
Am vergangenen Mittwoch zeigte das Kino „Capitol“ in Eisenach um 19 Uhr den Dokumentartfilm „Als Paul über das Meer kam“. Der bewegende Film zeigt, wie der Kameruner Paul Nkamani aus seinem Heimatland bis nach Europa flüchtet. Auf seinem Weg begegnet ihm der Dokumentarfilmer Jakob Preuss. Dieser schildert in seinem Film in Tagebuchform und eindrücklichen Bildern von der schicksalhaften Begegnung der beiden Männer. Im gut besetzten Kino hatten die Besucherinnen und Besucher nach der Filmvorführung die Möglichkeit, mit dem Regisseur Jakob Preuss ins Gespräch zu kommen. Ein Zuschauer bemerkte, dass der Film ja sehr sympathisch sei, aber zu wenig auf die wirtschaftliche Dominanz des Westens und damit auf Fluchtursachen eingehe. „Und was passiert mit Flüchtlingen, die nicht das Glück haben, einen deutschen Filmemacher zu treffen?“, fragte eine Besucherin in den Kinosaal. Ein junger Mann, der selber die Flucht bis nach Deutschland erlebt hat, würde Paul gern persönlich treffen. „Wir müssen Menschen, die eigentlich nichts falsch machen, eine realistische Perspektive neben dem Asyl geben, damit sie bleiben können“, bemerkt Jakob Preuss, der ursprünglich als Jurist gearbeitet hat. „Sonst raubt die deutsche Bürokratie ihnen jede Energie, mit der sie es nach Deutschland geschafft haben“.
Wie die Thüringer Allgemeine darüber berichtete, lesen Sie hier.