Jedes Jahr nach der Sommerpause dürfen wir in der Akademie ein neues Gesicht zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) Politik begrüßen – in diesem Jahr: Jakob Funk. Inzwischen hat er sich im Büroalltag und ihm Team gut eingefunden.
Jakob ist 16 Jahre alt, wohnt in Kornhochheim und hat im Sommer seinen Realschulabschluss an der Friedrich-Schiller-Schule Erfurt gemacht. Um die FSJ-Stelle an der Evangelischen Akademie hat er sich ganz bewusst beworben: „Die Themen auf der Website fand ich spannend.“ Außerdem kann er die Strecke nach Neudietendorf sehr gut mit dem Fahrrad bewältigen, was ihm als echte Sportskanone entgegenkommt.
Nach dem FSJ möchte Jakob Funk gerne eine Ausbildung beim Zoll machen. Dafür steckt er schon mitten im Bewerbungsverfahren. „Die Arbeit an der Akademie bereitet mich auf viele Aufgaben beim Zoll tatsächlich ganz gut vor“, erklärt er. Berichte schreiben zum Beispiel oder Reisekostenabrechnungen bearbeiten.
Trotz der Pandemie konnte Jakob schon an einigen Veranstaltungen online und vor Ort teilnehmen. Besonders eindrücklich fand er die Tagung „Menschenrechte unter Druck“. Für das kommende Jahr freut er sich auf den Workshop „Grüner wird´s nicht“ und auf sein eigenes Projekt, bei dem er sich filmisch mit dem Thüringer Wald auseinandersetzen möchte. Wir freuen uns im Team über die Verstärkung und sind gespannt, was uns das gemeinsame Jahr mit Jakob noch alles bringt!
Das Böse hat einen Namen - und zeigt in Geschichten und im Film meist zahlreiche Gesichter und Facetten. Foto: TETrebbien auf Unsplash
In den Kacheln der Videokonferenz auf dem Bildschirm lauschen Teilnehmende gebannt der Musik. Die Gedanken kreisen, in den Köpfen legen sich alle eine Bild von schillernden Schurkinnen und fürchterlichen Fieslingen zurecht, während ein düsterer Soundtrack aus den Lautsprecherboxen tönt. Wie mag wohl das Böse klingen?
Diese Frage bildet den Einstieg zur Online-Veranstaltung „Das Böse hat einen Namen“ vom 26. November 2021. Ob nun der Joker aus „Batman“, die bösen Königinnen aus „Schneewittchen“ und „Dornröschen“ oder Voldemort aus „Harry Potter“ – Geschichten und Filme stecken voller vielseitiger Gegenspieler:innen, die anderen das Leben schwer machen. Sie sind böse, gruselig und gefährlich, aber auch faszinierend. Brauchen wir sie, die Fieslinge, Schurken und bösen Hexen? Damit die Geschichte spannend wird und einen Sinn hat? Brauchen wir das fiese Gegenüber, um zu wissen, wer wir sind?
Schon eingangs wurde im Online-Forum deutlich, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Bösen geben kann, etwa wenn wir uns zu eingespielter Filmmusik den passenden Bösewicht ausmalen sollen. Sound und Thema, mit dem Schurkin und Fiesling die Bühne betreten, lösen bei uns bereits verschiedenste Assoziationen dazu aus, mit welcher Persönlichkeit wir es wohl zu tun bekommen.
Dass das (personifizierte) Böse im Film dabei nicht eindimensional, sondern facettenreich ist, zeigte auch der Impuls von Autor und Poetry Slammer Marius Hanke. Anhand einiger Filmschurk:innen beschrieb er Typen, die das Böse charakterisieren. Der „Urtypus“ des Bösen etwa ist böse um des Bösen willen – ihm oder ihr geht es darum, Zerstörung und Unheil zum bloßen Selbstzweck anzurichten. Eine klassische Figur dessen wäre etwa der Teufel. Das „psychopathische Böse“ wiederum richtet Schaden aufgrund einer Persönlichkeitsstörung oder psychotischen Neigung an. Hier wären beispielsweise Serienmörder:innen aus Filmen zu nennen, die Böses aus Freude daran tun. Ein weiterer Typus, das „gewordene Böse“, zeigt nachvollziehbare Gründe in der eigenen Biografie, die diese Person zu dem Handeln treiben, dass wir nun vielleicht als böse einstufen würden.
Der Frage, welchen Namen denn nun das Böse trägt, widmeten sich die Teilnehmenden zum Abschluss des Online-Forums. Dazu waren alle eingeladen, ihre ganz persönlichen Widersacher und Gegenspielerinnen zu zeichnen, die ihnen momentan im Alltag begegnen. Von Corona über fehlende Zeit oder die eigene Trägheit bis hin zu inneren Dämonen war auch hier eine breite Palette an Herausforderungen vertreten. So stellen sich uns die persönlichen Antagonisten, die es zu überwinden gilt und an denen wir womöglich wachsen, in ebenso vielen privaten wie gesellschaftlichen Bereichen entgegen.
Corona macht auch dem Handwerk das Leben schwer. Die jährliche Bundestagung des Arbeitskreises Handwerk und Kirche fand kürzlich mit einem Jahr Verspätung (2020 wurde sie abgesagt) und unter strengen 2G+-Bedingungen im thüringischen Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster statt.
Und natürlich steht die Pandemie im Mittelpunkt: Das Handwerk schaut mit gemischtem Blick auf die aktuelle Lage, doch schon jetzt ist absehbar, dass die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen langfristig weiter steige, sagt Dieter Vierlbeck, Vorsitzender des Arbeitskreises. Daher ist die Personalgewinnung ein zentrales Thema: Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen, und Alexander Ladwig, Geschäftsführer des Bildungscampus, berichten eindrücklich von den lokalen Aktivitäten, um die Aus- und Weiterbildung der künftigen Fachkräfte aus dem In- und Ausland zu fördern.
Im Rahmen der Tagung werden außergewöhnliche Thüringer Orte besucht, etwa die nach einem Brand 2012 wieder aufgebaute Kirchenburg in Walldorf/Werra und die Wartburg in Eisenach. Außerdem stellt sich der Ehrenvorsitzende und Altbischof Axel Noack den Fragen der Delegierten nach seinem politischen und sozialen Engagement während der Wiedervereinigung und den darauffolgenden Jahren hoher Arbeitslosigkeit, bei der Fusion von EKD und Kirchenbund der DDR und in den Jahren des Bischofsamts. Angesichts der wieder aufgebauten Kirchenburg berichtete er von den zahlreichen aktiven Kirchbauvereinen in der EKM. Er sei oft gefragt worden, was man in den Kirchgebäuden so alles machen dürfe. Seine Antwort damals wie heute: Wo ganz viel gebetet wird, kann auch ganz viel anderes in den Kirchen stattfinden.
In ihrer Mitgliederversammlung vom 18.11.2021 wählte die Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte einen neuen Vorstand. In der unmittelbar anschließenden Vorstandssitzung wurden der Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Dr. Sebastian Kranich, als Vorstandsvorsitzender und die Leiterin des Landeskirchenarchivs der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, Christina Neuß, als seine Stellvertreterin benannt.
Die Mitglieder dankten Dr. Thomas A. Seidel für seinen über zwanzigjährigen Einsatz für den Verein und somit für die Pflege territorialkirchengeschichtlicher Forschung und Bildung in Thüringen.
Dr. Sebastian Kranich betonte, dass Dr. Seidel sich mit diesem Engagement seit dem Jahre 2000 weit über Thüringen hinaus große Anerkennung bei kirchenhistorischen Profis und Laien erworben habe.
Verbunden mit seinem Dank für die Wahl sagte er: „Ich begreife es als eine große Ehre und eine spannende Herausforderung, dass ich diesen Staffelstab übernehmen darf. Wie unter dem Direktorat von Thomas A. Seidel rücken Akademie und Geschichtsverein zu beiderseitigem Nutzen zusammen.“
Kranichs Forschungsschwerpunkte sind die Rezeption der Reformation sowie der Protestantismus im 19. und 20. Jahrhundert. Eingehend befasst hat er sich mit der Kirchengeschichte in Mitteldeutschland.
Bei Martin Luther war es anders: Als ungeübter Reiter kam der Augustinermönch am 4. Mai 1521 auf der Wartburg an. Besser reiten musste er in seiner Wartburgzeit erst noch lernen. Für ihn hieß es dann bei seinem Ritt inkognito nach Wittenberg: Hinauf aufs Ross. Doch blieb ihm die adlige Lebensweise eher fremd. Die Ritterkost vertrug er nicht und der Jagd konnte er nichts abgewinnen.
Am Anfang der Tagung „Alias Junker Jörg“ ließ sich viel historisch Detailliertes über Martin Luthers Zeit im „Reich der Vögel“ und zur aktuellen Debatte um die Datierung der ersten Darstellung des Reformators mit Bart – 1537 oder 1521? – erfahren.
Dann standen „der Adel“ bei Meister Eckart und die Legende vom heiligen Georg auf dem Programm. Der adlig geborene Eckart predigte, dass alle Menschen „edel“ seien und relativierte so die Standesprivilegien. Der wohltätige Drachentöter Georg wiederum wurde zur Chiffre einer humanistisch ausgelegten Ritterlichkeit.
Für den geistlichen Ritterorden der Johanniter galt schon im 11. Jahrhundert: „Die Kranken sind die Herren“. Was das für den Johanniterorden heute bedeutet, wurde im zweiten Teil der Tagung intensiv diskutiert. Auch gegenwärtig sind dessen Mitglieder eher Privilegierte, die sich ganz praktisch um Alte, Kranke und Kinder kümmern. Ihre Ritterschaft verstehen die Johanniter metaphorisch – wenn es um Waffen und Rüstung geht, so sind diese geistlich gemeint.
Das Engagement der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Betrieb von Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten, Wohnprojekten zeugen von einem spezifisch christlichen Engagement in der Gesellschaft.
Am Ende der Tagung wurde klar: Zum nationalistischen Ritterbild des „Junker Jörg“, wie ihn das 19. und frühe 20. Jahrhundert sah und wie es etwa im Junker-Jörg-Jubiläum 1921 in Eisenach gezeichnet wurde, führt kein Weg zurück. Schon gar nicht in der Interpretation Luthers, wie sie der Liedermacher Stephan Krawczyk in seinem Programm „erdverbunden – luftvermählt“ bot.
Für die Johanniter heißt es auch heute: „Runter vom hohen Ross“. Entscheidend – auch für die Bruderschaft St. Georgs-Orden – bleibt die Zuwendung zu Gott und zum Mitmenschen. In diesem Sinne können die alten ritterlichen Tugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Mäßigung neu gelebt werden.
Der im 18. Jh. gestaltete Gottesname am Kanzelaltar der St. Marienkirche Bad Berka wurde 1934 durch ein Kreuz der Deutschen Christen ersetzt und 2018 rekonstruiert und zurückgebracht.
Morgen jährt sich das Gedenken an die Novemberpogrome vor 83 Jahren. In der Nacht des 9. November 1938 wurden ca. 1400 Synagogen und Gebetshäuser beschädigt und zerstört. Tausende jüdische Menschen wurden gefangen genommen und viele ermordet. Das Pogrom war ein massiver Gewaltakt gegen die jüdische Kultur und Religion. Diese Tat wurde von den Deutschen Christen begrüßt. Viele nationalsozialistische Christen setzten sich darüber hinaus für eine sogenannte „Entjudung“ des Christentums ein. Neben Theologie, Liturgie und Kirchenmusik betraf dies auch die kirchlichen Kunst- und Bauwerke.
Die Vorträge auf der Tagung „Braunes Erbe“ von Dr. Jochen Birkenmeier und Michael Weise zur „Entjudung“ thüringischer Kirchen sowie von Pfarrer Ulrich Spengler zur deutschchristlichen St. Marienkirche in Bad Berka legten den Fokus auf die Umgestaltung des Kirchenraums im Nationalsozialismus.
Diese Umgestaltungen geschahen unsystematisch, nicht zeitgleich, und meist ohne große Öffentlichkeit. Zu sehr scheute man den Vorwurf einer unkontrollierten Bilderstürmerei oder den Widerspruch der Gemeinden, schildert Michael Weise.
Die St. Marienkirche wurde beispielsweise bereits 1934 im Zuge einer Restaurierung und Renovierung umgestaltet. Der zuständige Pfarrer Rudolf Heubel brüstete sich damit, dass St. Marien damit die erste deutschchristliche Kirche in Thüringen sei. An der Orgelempore prangte nun der Spruch der Deutschen Christen: „Unser Auftrag ist Deutschland, unsere Kraft ist Christus“. Es wurde ein Lüftungsgitter aus Hakenkreuzen installiert und eine Hakenkreuzfahne hinter den Altar gehängt. Gleichzeitig ersetzte man den Gottesnamen in hebräischen Lettern (יהוה= JHWH) durch das Kreuz der Deutschen Christen und arisierte die Emporenbilder. Sie zeigten nun ein blondes und blauäugiges Jesuskind.
Nicht in allen Kirchenräumen wurde so schnell eine Umgestaltung vorgenommen. Bis 1939 hatte die „Entjudung“ des Kirchenbaus nicht überall Priorität, sondern vielmehr die neue völkische Theologie und Liturgie. Auch gab es keine einheitlichen Richtlinien dafür, wie mit jüdischen und alttestamentarischen Symbolen und Bildern umgegangen werden sollte. Das im Mai 1939 gegründete „Entjudungsinstitut“ in Eisenach sollte sich dieser Frage annehmen. Aus der Eisenacher Georgenkirche wurden schließlich auch alttestamentarische Sprüche und Bilder entfernt. Eine allgemeingültige Systematik schuf das Institut aber nie, wie Dr. Birkenmeier feststellte. Dennoch: Die vorgenommenen Umgestaltungen waren Teil einer antijüdischen und antisemitischen Haltung der christlichen Akteure. Die entstandenen Schäden können nicht mehr vollständig nachvollzogen oder rückgängig gemacht werden. Ulrich Spengler skizzierte in seinem Vortrag, wie holprig der Umgang mit der NS-Umgestaltung in der Bad Berkaer Kirche verlief. Erst durch seine Initiative ab dem Jahr 2008 wurde der Gottesname wieder in die Kirche zurückgebracht. Das Hakenkreuzgitter verließ endgültig die Kirche und wanderte ins Museum nach Eisenach.