Wer kennt Ideen für ein gemeinwohlorientiertes, solidarisches, nachhaltiges oder soziales Wirtschaften? Und wie können solche Ideen helfen, dass Wirtschaft und Gesellschaft Kurs auf Nachhaltigkeit setzen? Das Wissen um Klimawandel, endliche Ressourcen und unausgeglichene Machtverhältnisse ist größer als je zuvor, und doch scheint eine konsequent nachhaltige Politik so fern wie eh und je.
Bei einem gemeinsamen Online-Workshop zum Thema „Nachhaltige Ökonomie“ der Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen trafen sich 13 Wissenschaftlerinnen und Aktivisten, um über konkrete Praxisansätze nachhaltigen Wirtschaftens nachzudenken. Während des zweitägigen Workshops wurden in der Praxis exemplarisch erprobte Konzepte alternativen Wirtschaftens diskutiert, aber auch die Frage bewegt, wie diese Überlegungen breiter kommuniziert werden können. In den kommenden Monaten soll, da waren sich die Beteiligten einig, eine Online-Plattform entstehen, auf der die unterschiedlichen Formen nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaftens vorgestellt werden sollen. Denn es mangelt nicht an Ideen, sondern an ihrer Bekanntheit – und der Überzeugung, dass die nachhaltige Ausrichtung der Wirtschaft höchst dringlich ist.
Wer sich mit Moritz Mitzenheim befasst, gerät in ein emotionales bergauf und bergab. Das schickte Dr. Ehrhart Neubert seinem Vortrag über diesen Landesbischof auf der Tagung „100 Jahre evangelische Landeskirche in Thüringen“ im November voraus. Tatsächlich wird Mitzenheim als lutherisch-treuer Kämpfer für seine Kirche ebenso erinnert wie als „roter Moritz“, der sich mit Walter Ulbricht traf.
Wie also würde Neubert über ihn sprechen? Diese Frage stand nicht erst von da ab im Raum. Nur eines sei dazu verraten: Die Antwort kann überraschen. Denn Neubert hielt fest: Mitzenheim sei seinem Ziel immer treu geblieben, Raum zu schaffen für die Volkskirche. O-Ton Mitzenheim: „Raum für den Dienst der Kirche – freihalten, freimachen, wenn es sein muss, freikämpfen, mehr brauchen wir nicht. Diesen Raum zu füllen mit echtem christlichen Gemeindeleben, das ist unsere Sache.“
Inwiefern Neuberts These zutrifft, erfahren Sie in der Aufzeichnung seines Vortrag.
In der Tagungs-Präsentation von Archivleiterin Christina Neuß und Archivmitarbeiter Johannes Röder können Sie nicht nur den schwarzen Hut von Landesbischof Werner Leich bewundern. Auch die Stimme von Moritz Mitzenheim ist zu hören. Auf innerkirchliche Kritik an ihm sagt er, die Worte suchend: „Und wenn Sie in der Zeitung was lesen, dann müssen Sie immer sagen. Aha. Das ist ja nun, mmh, also, mmh, das was die Zeitung schreibt. In der Zeitung steht auch manchmal was Richtiges. Nicht?“
„Ich hab‚ da ein ganz mieses Gefühl…“. Diesen Satz, der in allen Filmen des STAR WARS-Universums zum Running Gag wurde, hören wir erstmals 1977 im zuerst veröffentlichten Teil, der als KRIEG DER STERNE in die Kinos kam. Im Film äußert die Figur Luke Skywalker diese Besorgnis, als er sich gemeinsam mit der Besatzung des Raumschiffs „Millennium Falke“ einer fast mondgroßen Raumstation nähert.
STAR WARS und Politik – ein ganz mieses Gefühl? Ein Werk der Popkultur als Gegenstand der Auseinandersetzung mit politischen Themen oder Bildung, geht das? Welche Bezüge zu politischen, sozialen, philosophischen, ethisch-moralischen oder religiösen Fragen finden sich in der STAR WARS-Saga?
Einen Blick auf diese Fragen warf die Tagung „Viel zu lernen du noch hast…“, die im November 2019 als gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Akademie, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, der Jugendbildungsstätte Junker Jörg und der Thüringer Landesmedienanstalt stattfand. Impulse, Überlegungen und praktische Erfahrungen zu Diskursräumen, die das STAR WARS-Universum bietet, sind nun in der neu bei der Landeszentrale erschienenen Publikation „Ich hab‚ da ein ganz mieses Gefühl…“ STAR WARS und Politik zusammengetragen.
Ausgehend von der Fachtagung beleuchten die Autorinnen und Autoren Bildungspotentiale, thematische Zugänge und Möglichkeiten zur kreativen und inhaltlichen Auseinandersetzung, die die Saga in Bereichen wie Medien, Gesellschaft, Künstliche Intelligenz, Identität, Demokratie, Politik und Religion ermöglicht.
Ein Auszug aus der Einführung von Wieland Koch gibt Einblick in die Anknüpfungspunkte, die die Beschäftigung mit STAR WARS gesellschaftspolitisch spannend machen: „Geht das: Galaktische Republik und Galaktisches Imperium beispielhaft für Gesellschaftsentwürfe im Sozialkundeunterricht. Meister Joda in der Kirchgemeinde als Inspirator zum Nachdenken über Philosophie und Glauben. KRIEG DER STERNE als Gesprächsgrundlage im sicherheitspolitischen Seminar der Bundeswehr. Liebenswerte Roboterfreunde wie R2-D2 und C-3PO oder fürchterliche Klonkrieger, die Wissenschaftsfreaks verleiten, über künstliche Intelligenz und Biotechnologien zu streiten. Ein Wiesen-Gespräch zwischen Padmé Amidala und Anakin Skywalker als Einstieg in eine Demokratie-Debatte. Weit zurückliegende Epochen, ferne Galaxien, spannende Handlungsstränge und Fantasiefiguren einer Weltraumoper, die im Freundeskreis, an Stammtischen, bei der WG-Party oder auf Tagungspodien – ob zufällig oder geplant – sowohl dem geneigten Fan als auch den ausgewiesenen Experten verschiedener Fachrichtungen Anlass und Gelegenheit zum Gespräch über interessante und relevante Fragen im Hier und Heute bieten können.“
Wenn die Monatsangabe im Kalender von elf auf zwölf wechselte, dann herrschte in der Akademie jedes Jahr ein betriebsamer Endspurt bis kurz vor den Feiertagen. Für gewöhnlich sah das so aus, dass noch letzte Bildungsveranstaltungen abgehalten wurden, Finanzabrechnungen anstanden, das neue Jahresprogramm in Druck und dann in Versand ging, aber auch schon viele Vorbereitungen für die Tagungen im neuen Jahr getroffen wurden. Außerdem begab sich das Kollegium im Dezember immer für einige Tage andernorts in intensive Klausur.
Zu den zahlreichen Sitzungen kamen auch gemeinschaftliche Aktivitäten im Evangelischen Zentrum, unter anderem die „Offene Bürotür“ als eine Art lebender Adventskalender zur Zeit des Mittagsgebets und natürlich die Planung der Weihnachtsfeier für alle Mitarbeitenden. Im Besprechungsraum der EAT sah unser Hauspatron Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, nicht nur zum Jahresende, wohlwollend auf ein vollversammeltes Team.
Dieses Jahr darf Zinzendorf den adventlich geschmückten Raum nur mit wenigen Anwesenden teilen, an manchen Tagen ist er gar allein. Advent 2020 gestaltet sich, Pandemie-bestimmt, etwas anders: keine Veranstaltungen, keine Zusammenkünfte, keine Dienstreisen, keine Feiern; wer irgend kann, bleibt im Home Office.
Aber langweilig wird es uns Mitarbeitenden keineswegs, denn die üblichen Aufgaben wollen erledigt werden. So bereiten wir Veranstaltungen, die zwischen den Lockdowns in kleinem Rahmen stattfinden konnten, digital auf und stellen Videoclips dazu bereit. Organisatorische Sitzungen mit Kooperationspartnern zur Nach- und Vorbereitung von Angeboten bewerkstelligen wir online und auch an Fortbildungen nehmen wir per Zoom-Konferenz teil – was sich nach vielen Stunden Bildschirmarbeit mitunter als anstrengender herausstellt als die präsentische Variante.
Und dann sind da ja noch unsere Pläne für 2021 – viele spannende Themen und Formate – auf die wir trotz Corona nicht verzichten wollen. Das Jahresprogramm, vielseitig und voll, steht bereits seit einigen Wochen; was in vielen Punkten unklar bleibt, ist die Frage, in welcher Form die Veranstaltungen stattfinden werden: ob online oder vor Ort, ob mit großem oder kleinem Publikum und mit welchen jeweils aktuellen Regeln des Infektionsschutzes. Die Devise lautet: Auf alles gefasst sein, flexibel planen und bei Bedarf spontan umdenken!
Denn politische Auseinandersetzung, gesellschaftliche Bildung und kultureller Austausch darf nicht auf der Strecke bleiben. Dafür setzen wir uns auch im Home Office und über neue Kanäle der Kommunikation weiter ein – natürlich nicht ohne die gewaltige Vorfreude auf ein körperliches Wiederbegegnen in baldiger Zukunft…
Frohen Advent, wenn auch anders als sonst, wünscht von Herzen das Team der EAT!
Am 25. November ist der Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandrien. Stationen aus ihrem Leben erzählt der mittelalterliche Altar in der Dorfkirche Middelhagen auf Rügen. Der Legende nach war Katharina die wunderschöne Tochter eines heidnischen Königs. Deshalb trägt sie auch eine goldene Krone.
Im Bild oben links, da reitet sie auf einem weißen Ross zu einem Mann, der aus einem Haus schaut. Dieser Mann ist ein Einsiedler. Er gewinnt Katharina – im Bild oben rechts – für den christlichen Glauben. Man beachte ihre gefalteten Hände. Der Ritter im Hintergrund braucht sich ab jetzt keine Hoffnungen mehr auf sie zu machen. Doch Katharina hatte sowieso keinen ihrer Verehrer gewollt. Sie waren ihr alle nicht schlau genug. Selbst den Sohn des Kaisers soll sie abgelehnt haben, da dieser ihr an Schönheit und Weisheit nicht entsprochen habe. Im Bild unten links erleidet sie dann schon den Tod als Märtyrerin. Und unten rechts ist sie bereits in den Händen der Engel.
Auf der goldenen Festtagsseite sind vier – oder eigentlich nur drei – Stationen aus dem Leben der heiligen Katharina zu sehen. Doch was geschah zwischen dem Händefalten und dem Schwertstreich? Dazu hat Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich vor 10 Tagen im Akademischen Gottesdienst in der Andreaskirche Erfurt gepredigt. Anlässlich des Katharinentages können Sie seine Predigt als Download nachlesen.
Buchcover "Vom Umgang mit der Todesangst", Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020
Todesangst gehört zum Leben. Doch ist sie verschieden ausgeprägt. Die Psychotherapeutin und Theologin Dr. Jutta Kranich-Rittweger hat über einen Zeitraum von 10 Jahren Einstellungen zu Sterben, Tod und dem Danach erforscht.
Grundlage des Buches, das Anfang Dezember 2020 erscheint, ist eine umfangreiche Befragung von Gesunden und Erkrankten in einer ostdeutschen Großstadt, methodisch unterstützt von Dr. Wolfgang Langer (MLU Halle). Leitfragen waren: Welche Vorstellungen haben Menschen heute vom Ende des Lebens? Was kann die Angst vor dem Tod als dem „Nichts“ reduzieren?
Die Neuerscheinung bietet methodische Zugänge für die psychotherapeutische und seelsorgerliche Praxis zum Umgang mit der Todesangst. In einer dazu spracharmen Zeit finden Erkrankte in einem therapeutischen Prozess Bilder über die Angst hinaus. Ihre hochindividuellen Bilder greifen teils traditionelle, auch christliche Vorstellungen auf: Manche davon halten sich kontinuierlich, andere werden modernisiert oder sind am Verschwinden, wie Mitautor Dr. Sebastian Kranich (Ev. Akademie Thüringen) aufzeigen kann.
Im Vorwort schreibt die Autorin: „Diese Arbeit zum ‚Umgang mit der Todesangst‚ ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen professionellen Arbeit mit überwiegend krebskranken Menschen. Trotzdem bleibt ein solches Unterfangen immer ein Wagnis. Wenn Fragen zur eigenen Endlichkeit und Existenz im seelsorgerlichen und psychotherapeutischen Raum auftreten, ist eine persönliche Auseinandersetzung ebenso nötig wie bei unmittelbar betroffenen Menschen.“