Das Leben kann kein anderes Ziel haben als das Glück, Freude.
Nur dieses Ziel – Freude – ist des Lebens völlig würdig.
Verzicht, das Kreuz, Hingabe des Lebens, alles für die Freude.
Leo Tolstoj, Tagebücher (1892)
Unsere Online-Aktion „Kreuze“, in der wir mit Kunstwerken von Andrea Terstappen und dazugesellten Texten unterschiedlicher Autorinnen und Autoren zum Thema Kreuz durch die Fastenzeit begleiteten, findet nun zum Ostersonntag mit der zehnten Station ihren Abschluss. Über Gedanken und Feedback zur Aktion freuen wir uns auch in den kommenden Tagen und Wochen. Die Ausstellung einer größeren Auswahl von Terstappens Kreuzen ist für den Herbst 2021 vor Ort im Zinzendorfhaus Neudietendorf geplant.
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht Ihnen ein frohes, gesegnetes Osterfest, viel Anlass zur Freude und schöne Frühlingstage!
„Es ist geformt aus lauter kleinen Putzlappen. Sie gehörten meiner Mutter, die vor einigen Jahren völlig unerwartet gestorben ist. Nach ihrem Tod mussten wir 5 Geschwister das Haus ausräumen und ein ganzes Leben sichten. Schmerzlich und schön zugleich. Dabei fielen mir diese Lappen in die Hände.
Die jetzt vergoldeten kleinen Putzlappen sind übersät mit Löchern vom häufigen Gebrauch und illustrieren damit auch den Stoßseufzer: ‚Es ist ein Kreuz mit dem Putzen‘. Die goldene Farbe symbolisiert natürlich auch die Kostbarkeit dieses ganz speziellen Nachlasses. Wenn ich bedenke: wie oft hat meine Mutter diese Löcherlappen in der Hand gehabt und damit gearbeitet? Deshalb konnte ich sie auf gar keinen Fall wegwerfen. Im ‚Kreuz 261‘ sind sie nun im besten Sinne aufgehoben und können nicht mehr verloren gehen.
Meine Mutter war eine gläubige Katholikin. Allerdings hat sie nicht an die Auferstehung und das ewige Leben geglaubt. Das wundert mich, die Ungläubige, bis heute. Es handelt sich ja immerhin um fundamentale christliche Glaubensgrundsätze. Das Putzlappenkreuz hätte meine Mutter sicher zum Lachen gebracht. Diese Sorte Humor hat sie gemocht. Vielleicht schaut sie jetzt von irgendwoher amüsiert zu.“
Wie lassen sich spielerisch Zugänge zu gesellschaftlichen Themen, politischen Fragen und Herausforderungen öffnen? Wie kann politische Bildung mit spielbasierten, lebensweltorientierten Methoden handlungsorientierter gestaltet werden? Antworten auf diese Fragen können in Ansätzen und Methoden aus dem Game-based Learning – Lernen durch und am Spiel – gefunden werden.
Der Einsatz von Spielen für Bildungszwecke ermöglicht einen emotionalen und ganzheitlichen Zugang zu individuellen Perspektiven auf Gesellschaft und komplexe Sachverhalte. Es können Transferprozesse angestoßen werden, die die Spielerfahrung auf die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit beziehen. Gleichzeitig erleben die Spielenden ein Empowerment: Im Spiel erfahren sie einen Schutzraum, in dem sie sich in unterschiedlichen Rollen, Situationen und Entscheidungen ausprobieren und die Spielwelt partizipativ mitgestalten können.
Um spielbezogenes Lernen und Bildungserleben in Spielwelten ging es auch bei der Veranstaltung „Junker Jörg to go – Game-based Learning in der politischen Bildung“, die am 24. März stattfand. In offener Gesprächsatmosphäre tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit spielbasierten Methoden in der (Jugend-)Bildungsarbeit aus, gaben einander Tipps für den Einsatz digitaler Tools und knüpften Kontakte für die Umsetzung künftiger Projektideen.
Miriam Meir und Tobias Thiel von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V. stellten zusammen mit Jan Grooten vier ausgewählte Methoden und damit verbundene Erfahrungen aus der Arbeit mit Game-based Learning an den Akademien und der Jugendbildungsstätte Junker Jörg vor: In Liverollenspielen (LARP) schlüpfen die Teilnehmenden in unterschiedliche Rollen, um in einem fiktiven Setting gemeinsam eine Geschichte zu spielen. Mit der App „Actionbound“ lassen sich digitale Schnitzeljagden und interaktive Rallyes mit Medieninhalten erstellen, die mit Rätseln und Inhalten zu verschiedenen Themen verknüpft werden können. Die Computerspiele „Minecraft“ und „Minetest“ ermöglichen es, digitale Welten, Gebäude und Mechanismen zu bauen und so eigene Bildungsprojekte umzusetzen – wie beispielsweise „MineHandy“ der Jungen Akademie Wittenberg. Escape Games wiederum versetzen die Spielenden in ein fiktives Ausbruchsszenario, in dem etwa in einem Zeitlimit von 60 Minuten bestimmte Aufgaben und Rätsel gelöst werden müssen, um aus einem Raum zu „entkommen“. Die Erfahrungen mit diesen und weiteren Lernformen fließen in eine Handreichung ein, die demnächst verfügbar sein wird.
Die Online-Veranstaltung stellte den Auftakt zur Formatreihe „Junker Jörg to go“ dar. In loser Abfolge möchten wir einen digitalen Einblick in die Bildungsarbeit der Jugendbildungsstätte Junker Jörg geben, um über aktuelle Ideen, Themen und Herausforderungen von Jugendbildung und -politik ins Gespräch zu kommen. Dabei werden Methoden zum Ausprobieren angeboten oder Gespräche mit Expertinnen und Referenten über spannende Fragestellungen geführt. Thema, Termin und der Link zur Teilnahme werden jeweils rechtzeitig vorab bekanntgegeben.
Ein Kreuz aus Metall. Hochfestes Material, kühl und glänzend, verwindungsfest, aber auch für Witterung und Rost empfänglich. Streben, die das gesamte Bauwerk stabilisieren. Last wird aufgefangen, verteilt und damit tragbar. Und doch ist dieses Kreuz mehr als etwa die stählernen Skelette der Hochspannungsmasten, die ähnlich aufgebaut sind. Denn hinter der metallischen Struktur scheint golden die Osterhoffnung hervor. Die Auferstehung transzendiert das irdische Gerüst. Das Chaos der Welt, ob rot von Feuer und Leid oder grau von der Witterung, findet seinen Fixpunkt im Strahlen der göttlichen Liebe. Mit diesem Hoffnungszeichen gehen wir in die letzte, schmerzlichste Woche der Passionszeit.
Die digitale Transformation schreitet unaufhaltsam voran – darin waren sich die Gäste der 7. Thüringer Arbeitszeitkonferenz einig. 50 Teilnehmende hatten sich aus ganz Deutschland in die Online-Tagung eingewählt. Ihre Erfahrungen reichten vom Home Office über vollautomatische Hochregallager bis zur Elektromobilität. Sie teilten die Überzeugung, dass die Digitalisierung aktiv mitzugestalten sei.
Ob der digitale Wandel Jobs verändere oder überflüssig mache, sei nicht an einzelnen Branchen festzumachen, sagt Dr. Andreas Mayert vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD. Vielmehr sei eine Beschäftigungspolarisierung abzusehen: Während die Nachfrage nach hochqualifizierten Spezialisten und gering bezahlten Helfertätigkeiten zunehme, gerieten die Fachkraftberufe mit hohem Anteil Routinetätigkeiten unter Druck. Und dies gelte sowohl für die schon Jahrzehnte laufende Automatisierung in den Produktionsberufen also auch für die „neue Automatisierung“ in Büroberufen.
Dirk Neumann vom IG Metall Vorstand sieht im Strukturwandel Chancen und Risiken. Allerdings gelte es, den technologischen Wandel mit Entwicklungsperspektiven für die Beschäftigten zu verbinden. Obwohl Betriebsräte eine hohe Weiterbildungsbereitschaft ausmachten, bleibe diese häufig ungenutzt – mangels passender Angebote und zu hohem Zeit- oder Kostenaufwand. Folgerichtig setzt die IG Metall auf eine arbeitnehmernahe Weiterbildungsberatung im Betrieb. Detlef Horn-Wagner sieht die Unternehmen dabei vor der Herausforderung, sich zu lernenden Organisationen weiter zu entwickeln. Es gehe nicht nur um fachlich-technische Fortbildung, sondern um eine grundsätzlich neue Lernkultur, mit der auf sich schnell wandelnde Anforderungen reagiert werden könne.
Die Bundesagentur für Arbeit möchte diesen Prozess mit einer Weiterbildungsagentur unterstützen, die Unternehmen und Beschäftigte berät und Beschäftigungsverhältnisse präventiv, also bevor Jobs verloren gehen, stabilisiert. Sie könne, so Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, auch den Zugang zu Fördermitteln erleichtern.
Die Vorträge der Tagung sind in Kürze auf dem Youtube-Kanal der Evangelischen Akademie Thüringen nachzuhören. Die Unterlagen zu den Vorträgen sind hier abrufbar.