Der neue Pogrammflyer für das erste Halbjahr 2025 ist da! Foto: (c) Zubarik/EAT
Mit Beginn des neuen Jahres starten wir in unser neues Programm für das erste Halbjahr 2025. Mit zahlreichen Themen und Veranstaltungsformaten aus insgesamt vier Studienbereichen laden wir Sie ein, mit uns über Aktuelles zu diskutieren, über Wirtschaft und Politik nachzudenken, Bücher und Filme zu besprechen, in Workshops Methoden, Tools und Spiele auszuprobieren und sich bei Werkstätten und Vernetzungsangeboten zu begegnen.
Lassen Sie sich von unserem Programmflyer, den Sie im Downloadbereich finden, inspirieren!
Besonders hingewiesen sei auch auf die Angebote unserer Schwesterakademie in der Landeskirche, der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, auf der anderen Seite des Programmflyers.
Auf der jeweiligen Webseite der beiden Akademien kann man sich über das genaue Veranstaltungsprogramm und die Anmeldemodalitäten informieren.
Wir freuen uns darauf, sowohl bekannte als auch neue Gesichter bei der einen oder anderen Gelegenheit (wieder) begrüßen zu dürfen und wünschen allen einen gesunden, inspirierten und geruhsamen Start ins neue Jahr 2025!
Schwebe hernieder,
Heilige Nacht,
Leuchte uns wieder,
Stern voller Pracht.
Greif in die Saiten,
Himmlischer Chor:
Schönste der Zeiten,
Steige empor!
(Clara Forrer, Schweizer Lyrikerin, 1868 – 1950)
Auch für das Team der Evangelischen Akademie ist nun die „stille Zeit“ gekommen: Wir begeben uns in die Winterferien und wünschen allen gesegnete Weihnachten, glückliche Feiertage und einen gesunden Übergang ins neue Jahr!
Jährliche Mitgliederversammlung des Freundeskreises am 13.12.2024 in Neudietendorf. Foto: (c) Metzdorf/EAT
Neben den offiziellen Tagesordnungspunkten ging es auch um gute Gespräche und adventliches Beisammensein. Foto: (c) Zubarik/EAT
Auch für den Freundeskreis der Akademie gibt es regelmäßig zum Jahresende hin ein „Alle Jahre wieder…“ – das ist die laut Satzung festgelegte jährliche Mitgliederversammlung. Dort wird, neben dem Tätigkeitsbericht und der Entlastung des Vorstands, auf die Akademiearbeit der letzten zwölf Monate zurückgeblickt, aber auch auf das kommende Programm geschaut und geprüft, wo die Freunde und Freundinnen der EAT mitwirken und unterstützen können, welche Vorschläge sie haben und wie neue Interessierte für die Arbeit des Freundeskreises, aber auch als Teilnehmende der Akademieveranstaltungen gewonnen werden können.
So wurde am vergangenen Freitag (13.12.2024) bei der im Begegnungsraum der EAT im Zinzendorfhaus Neudietendorf abgehaltenen Versammlung unter anderem beschlossen, dass im zweiten Halbjahr 2025 ein Klausurtag stattfinden soll, der zur ausführlichen Reflexion über die Zusammenarbeit des Freundeskreises und der EAT einlädt; dafür wurde eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung gegründet.
Neben der offiziellen Tagesordnung gilt es bei der Versammlung jedoch auch, die Möglichkeit zum Beisammensein vor Ort zu nutzen, gute Gespräche zu führen und sich freundschaftlich zu begegnen.
Besonderer Dank gilt dem Vorstand des Freundeskreises für seine unermüdliche Arbeit, dem Vorsitzenden Reinhard Hild, Ernst Herrbach und Konrad Rinke!
Weitere Mitglieder sind sehr herzlich willkommen! Falls Sie an einer Mitgliedschaft interessiert sind, melden Sie sich gerne bei uns; die Satzung des Freundeskreises sowie die Beitrittserklärung zum download finden Sie hier.
Am 10. und 11. Dezember zogen sich die Mitglieder des Akademie-Kollegiums zur Klausur nach Bamberg zurück. In angenehm-gastlicher Atmosphäre des Bistumshaus St. Otto nutzten sie die Gelegenheit, die Herausforderungen des nächsten Jahres zu besprechen, die Öffentlichkeitsarbeit zu reflektieren und neue Herausforderungen im Umgang mit Social Media zu diskutieren.
Neben der konzentrierten Arbeit durfte die Erholung nicht fehlen. Ein Bummel durch die weihnachtlich beleuchtete Stadt, eine Stippvisite am berühmten Dom, die Lust auf mehr gemacht hat, sowie die gemütliche fränkische Wirtshausatmosphäre hat diese zwei dichten Tage zu einer runden Sache gemacht.
Gemeinsam durch unsichere Zeiten. Foto: Anton Filonenko
Aus Ungarn zugeschaltet: András Nyirati von der Power of Humanity Foundation. Foto: Anton Filonenko
Was Solidarität praktisch bedeuten kann, besprachen Frederik Damerau (VereinT Zukunft bilden e.V.) und Josina Monteiro (Antidiskriminierungsnetzwerk Thüringen) moderiert von Maria Gehre. Foto: Anton Filonenko
Neue Strategien für politische Bildungsarbeit? Ein paar Ansätze gab es in den Workshops, wie hier mit Tabea Sternberg (Starmountfilm – Narrative für Nonprofits). Foto: Anton Filonenko
Neben den Inputs gab es viel Zeit für Austausch. Foto: Anton Filonenko
Die Lage vieler Träger und Akteure in politischer Bildung, zivilgesellschaftlichem Engagement und Demokratiebildung ist derzeit schwierig bis desolat. Fehlende Haushalte und Übergänge in großen Förderprogrammen wie „Demokratie leben!“ treffen auf zunehmenden politischen Druck und unsichere Regierungskonstellationen – in Thüringen wie im Bund.
Es gab also viel zu besprechen bei der Veranstaltung „Über den Winter kommen. Solidarisierung in der politischen Bildung“ am 28. November im Erfurter Zughafen. Eingeladen hatte die Akademie gemeinsam mit dem Netzwerk für Demokratiebildung Thüringen, dem Bildungswerk ver.di Thüringen e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, um die aktuelle Lage zu analysieren und gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen, um Bildung für Demokratie und friedliches, vielfältiges Miteinander krisenfest(er) zu machen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit zwei Erfahrungsberichten aus Situationen, wie sie manche in Thüringen (be)fürchten. Özcan Karadeniz, ehemaliger Geschäftsführer des Dachverbands Sächsischer Migrant*innenorganisationen, berichtete, wie immer mehr Rückforderungen vom Landesrechnungshof zur Insolvenz seiner Organisation geführt hatten. Er sprach davon, dass es durchaus kleinere, technische Fehler bei der Bewirtschaftung der Fördermittel gegeben habe, die zweifelsfrei zu beanstanden waren. Allerdings habe es in dem Verband auch viel Engagement für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie gegeben und keinerlei kriminelle Energie. Die Beanstandungen und Rückforderungen seien überzogen gewesen. Er sprach von einer „politisierten Bürokratie“, die gegen die migrantischen Organisationen gearbeitet habe. Unterstützer:innen in Politik und Zivilgesellschaft seien zudem im vorauseilenden Gehorsam vor einem immer weiter nach rechts rückenden Zeitgeist eingeknickt und hätten Hilfe vermissen lassen.
Nicht weniger bedrückend war der Bericht von András Nyirati, Präsident der Power of Humanity Foundation, der aus Ungarn zugeschaltet wurde. Er berichtete, wie die ungarische Regierung systematisch politische Bildung und Zivilgesellschaftliches Engagement verhindert. Staatliche Unterstützung dieser Arbeit gibt es in Ungarn gar nicht, ein Gesetz zum Schutz von Kindern und Jugendlichen verhindere politische Bildung in der Schule weitestgehend und Fördergelder aus dem Ausland anzunehmen werde kriminalisiert – sogar wenn sie von der Europäischen Union stammt. Sein Input trug daher auch den Titel „How to work with acitve citizenship, democracy and community in a hostile enviroment“ also „Wie man aktive Zivilgesellschaft, Demokratie und gesellschaftliches Engagement in einer feindlichen Umgebung möglich macht“. Und so zeigte er, was er und viele Ehrenamtliche dennoch leisten. Bewährte Strategien seien junge Menschen in Zivilgesellschaft einzubinden, Bürger*innenbeteiligung zu fördern, Zusammenarbeit von Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu forcieren und Gamebased Learning zur Sensibilisierung einzusetzen.
Am Nachmittag widmeten sich die Teilnehmenden dann neuen Wegen, um Zivilgesellschaftliche Arbeit und politische Bildung zu finanzieren. Themen waren Crowdfunding, Fundraising und alternative Modelle der internen Bezahlung.
Julia Lange, Koordinatorin des Netzwerks Demokratiebildung in Thüringen, fasste als ihre Beobachtung des Tages die folgenden Begriffe zum Abschluss zusammen, die helfen können, um über den Winter zu kommen: Geduld, Wärme, Solidarität, Wertschätzung, Zuversicht und Inspiration.
Sex und Politik. Gleich zwei Themen, über die Jugendliche nur sehr ungern mit Erwachsenen sprechen. Trotzdem oder gerade deshalb fanden sich bei der Tagung „Let´s talk about Sex and Politics – Politische Bildung und Sexuelle Bildung im Gespräch“ viele Menschen aus Bildungs- und Jugendarbeit zusammen, die über die Schnittmenge sprechen wollten. Dabei war die fachliche Bandbreite der Teilnehmenden groß: von stationärer Jugendhilfe bis offene Jugendarbeit, von Schulsozialarbeit bis Kindertagesstätte und von Kirche bis freiberufliche Trainer:innen waren viele Arbeitsbereiche vertreten.
Im Eröffnungsvortrag gab Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß vom Institut für Angewandte Sexualwissenschaft der Fachhochschule Merseburg einen ausführlichen Überblick zur empirischen Befundlage zur Sexualität junger Menschen. Dabei analysierte er auch die Entwicklungen der vergangenen Jahre vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Pluralisierung. Entschieden widersprach er dem Klischee, dass Jugendliche immer früher sexuell aktiv seien. Liebe und Partnerschaft ist Jugendlichen heute viel wichtiger als in vergangenen Jahrzehnten und viele warten auf den Richtigen oder die Richtige. „Jugend verwahrlost nicht, sondern ist sehr auf Grenzwahrung und sexuelle Identität bedacht, womit sie Erwachsene schon mal überfordern können,“ so Voß. Dennoch sei die sexuelle Bildung – vornehmlich in Rahmen der Schule vorzufinden – vor allem auf negative Aspekte von Sexualität bedacht. Da ginge es vornehmlich um den Schutz vor Krankheiten oder Schwangerschaftsverhütung. Individuelle Bedürfnisse und Identitätsentwicklung spielten weniger eine Rolle. Auch ginge es viel zu selten um sexualisierte Gewalt, obwohl fast die Hälfte aller jungen Menschen damit Erfahrungen habe.
Dr. Toni Simon, Fachdidaktiker für das Grundschulfach Sachkunde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, spannte in seinem Vortrag den Bogen zur politischen Bildung. Beide Fachbereiche hätten einen emanzipatorischen Kern und sollen Selbstbestimmung in einer Pluralen Gesellschaft bei gleichzeitiger Verantwortungsübernahme für andere ermöglichen. „Fragen der Sexualität waren und sind Gegenstände der Politik und des Politischen“, stellte Simon klar. Beispiele dafür fanden sich sowohl in seinem wie auch im Vortrag von Hein-Jürgen Voß viele: Ob der Umgang mit Künstlicher Intelligenz, mit der pornografische Inhalte erstellt werden, die Frage nach einem All-Gender-Klo in der Schule oder auch das Suchen nach Konzepten, um mit rechtsextremen Jugendlichen zu Geschlechterstereotypen zu arbeiten – die Verbindung von gesellschaftspolitischer Debatte und Sexualität liegen auf der Hand. Somit sorgten die Vorträge für einen regen Austausch unter den Teilnehmenden.
Dass die Verbindung von Sex und Politik auch kein gegenwärtiges Phänomen ist, zeigte die Historikerin Flora Hochschild am zweiten Tag. In ihrem Vortrag zeigte sie anhand eines anonymen Gedichts aus dem 17. Jahrhundert, wie Sexualität kunstvoll verhandelt und dabei so manches Tabu der Zeit gebrochen wurde. Solange die Konventionen der Kunst eingehalten wurden, war der Freiraum da, auch ins Perverse Abgleitende zu veröffentlichen. In der Diskussion wurden schnell die Parallelen ins Jetzt gefunden: Nichts anderes zeigt sich in Diskussionen um Schlager- oder Rammstein-Texte, in denen es um sexualisierte Gewalt geht. Die Melodie ist Mainstream, der Text kann mit Tabus brechen. Auch weitere benannte Phänomene wurden in der Diskussion des Vortrags als allzu bekannt beschrieben. So ermöglicht nur eine gewisse Macht die Möglichkeit, Freiräume in der eigenen Sexualität auszuleben. Hochschild beschrieb dies anhand der höfischen Kultur des Barock. Doch auch heute gehen Freizügigkeit und Macht oft Hand in Hand – zum Beispiel bei bekannten Musikern. „Queeren Menschen wird häufig Macht unterstellt, die sie selbst gar nicht so wahrnehmen“, berichtete Flora Hochschild aus ihrem eigenen Erleben. Schon allein die Tatsache, sich Freiräume zu nehmen, führe offenbar zu dieser Zuschreibung.
Zum Abschluss der Tagung diskutierten die Teilnehmenden dann in einem Mini-Barcamp eigene Erfahrungen und Methoden. So entwickelten sie ad hoc gemeinsam Formatideen, lernten voneinander in der Erstellung von Schutzkonzepten und tauschten in der „Methoden-Schlacht“ Materialien und Methoden aus. Themen und Gründe gibt es also genügend, um mit jungen Menschen über Sex und Politik ins Gespräch zu kommen. Alle Teilnehmende nehmen viele Impulse und Ideen mit, wie das gelingen kann.