Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen: Braucht es eine aggressive Differenziertheit?

Zu dieser spannenden Fragestellung kamen am 04.09.2024 über hundert Personen digital zusammen. Mit Ratlosigkeit, Frust und Unverständnis blickten sie teilweise auf das Wochenende zurück. Daher war das Interesse an den Einschätzungen der von der Evangelischen Akademie Loccum, der Evangelischen Akademie Sachsen und der Evangelischen Akademie Thüringen eingeladenen Expertin und den Experten entsprechend hoch.
Im ersten Teil äußerten sich Katharina Osterhammer, Journalistin für Nachrichten und Politik beim MDR Thüringen, Christian Demuth, Politischer Berater der SPD in Sachsen, André Brodocz, Professor für Politische Theorie an der Universität Erfurt und Cornelius Pollmer, Kulturkorrespondent bei der Süddeutsche Zeitung, zum Wahlkampfverhalten der Parteien.
Dabei wurde der starke Populismus, das Verwenden von wirtschaftlichen Schwierigkeiten und reinen Niedergangsnarrativen zur Stimmungsmache sowie der Themenfokus auf Bundes- und Europathemen kritisiert.
Darauffolgend ging es um die Wahlergebnisse in Thüringen und Sachsen, den Umgang damit und Lösungsansätze für eine Veränderung. Neben der Forderung zur direkteren Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und der Stärkung „gesellschaftlicher Frustrationstoleranz gegenüber komplexen, schwierig zu lösenden Problemen“ stach vor allem die Forderung von Christian Demuth hervor. Er fordert eine „aggressive radikale Differenziertheit“.
„Demokraten müssen lernen anders zu kommunizieren“, so Demuth. Es hilft nicht, wenn sich gesellschaftspolitische Akteure auf den Populismus und die starke Vereinfachung von Themen einlassen. Stattdessen müssen sie und wir immer wieder radikal und auch emotional auf die Komplexität verweisen und eine klare Differenzierung einfordern.
Parallel wurde auch im Chat fleißig diskutiert. Themen waren unter anderem der Presseausschluss bei der Wahlparty der AfD und die Wirtschafts- und Rentenlage in Ostdeutschland.
Andre Brodocz erklärte, dass zwar die Wahlen als „Stimmungs- und Personaltest“ für die Bundestagswahlen 2025 verstanden werden, aber mit etwa 10% der insgesamten Wahlberechtigten nur einen geringen Ausblick darauf liefern. „Die spannendste Frage besteht nun darin, wie die CDU mit ihren Unvereinbarkeitsbeschlüssen bezüglich AfD und Die Linke umgeht und ob nicht auch Richtung BSW entsprechende Beschlüsse folgen“ so Brodocz.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Superwahljahr 2024: Politische Konsequenzen der Kommunal-, Landtags-, Europa- und US-Wahlen“ statt. Diese geht am 11. November in ihre vierte und letzte Runde mit dem Thema: „Neuer alter Präsident: Was wird aus der Demokratie in den USA und was heißt das für uns?“
Veröffentlicht am 06. September 2024








