Vom 30. Juli bis zum 10. August verbringt Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich einige Urlaubstage auf der Halbinsel Mönchgut. Doch das stimmt – wie bereits vor zwei Jahren – nicht so ganz. Denn er wird in dieser Zeit auch als Kurpastor tätig sein.
Im Südosten Rügens können Sie ihn bei zwei Konzerten treffen: Am 1. August begleitet er ein Konzert mit kleinen klassischen Kostbarkeiten in der Dorfkirche Baabe und am 8. August moderiert er ebendort ein Programm mit impressionistischen und klassischen Streichquartetten und Gedichten. Beginn ist jeweils 19:30 Uhr.
Den Talar zieht Sebastian Kranich sicher dreimal an: Zum Abendgottesdienst am 31. Juli in der St.-Katharinen-Kirche in Middelhagen, zum Gottesdienst in Baabe am 7. August um 10:00 Uhr und erneut zum Abendgottesdienst am selben Tag in Middelhagen um 19:30 Uhr.
Hingewiesen sei auch auf das freitägliche Gebet für den Frieden in Göhren um 19 Uhr, das Sebastian Kranich am 5. August hält.
Wenn Sie in diesen Tagen ebenfalls auf Rügen oder sogar auf Mönchgut sind: Herzliche Einladung zu Gebet, Konzerten oder Gottesdiensten. Den gesamten Terminkalender der Kirchengemeinde Mönchgut-Sellin sehen Sie auf der Website der Gemeinde
Im Projekt „Alles Glaubenssache?!“ sprechen Jugendliche darüber, wie sie in einer vielfältigen Gesellschaft miteinander leben wollen. Denn das ist nicht so einfach und Konflikte sind vorprogrammiert. Das zeigt sich nicht nur auf politischen Bühne, sondern auch im Kleinen, wenn auf dem Schulhof Streit entsteht, weil unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen und Sichtweisen aufeinandertreffen und sich nicht aus dem Weg gehen können: Wo darf Fußball gespielt werden? Wer redet über wen? Was ist wichtiger: die Gruppenaufgabe rechtzeitig fertig haben oder gemeinsam Spaß haben? – Viele Streitpunkte beruhen letztlich auf Glaubensfragen: Was ist wichtig? Was ist richtig? Was ist wahr?
Damit aus solchen Konflikten nicht immer Streit oder sogar Prügeleien werden, gibt es an vielen Schulen die Streitschlichter. Das sind Schülerinnen und Schüler, die sich zu Mediator:innen ausbilden lassen und Streithähnen dabei helfen, eine Lösung für ihren Konflikt zu finden. Eine solche Gruppe gibt es zum Beispiel an der Regelschule Otto Lilienthal in Erfurt.
Im Rahmen des Projekts „Alles Glaubenssache?!“ arbeiteten die Streitschlichter:innen der Schule am 7. und 8. Juli an Fähigkeiten, die sie brauchen, um in Konflikten zu vermitteln. Angeleitet und unterstützt wurden sie dabei von Stefan Kratsch, Mediator und Jugendbildner, und Dr. Annika Schreiter von der EAT – beide gehören zum Projekt-Team von „Alles Glaubenssache?!“.
Gut zuhören und empathische Fragen stellen sind die ersten wichtigen Schritte. Dabei schärft sich, worin der Konflikt besteht, und meist zeigen sich dabei schon mögliche Lösungen. In Rollenspielen und Übungen zum Zuhören, Zusammenarbeiten und zum Perspektivwechsel wurde schnell klar: Streitschlichten ist keine einfache Aufgabe, aber eine, die enorm wichtig für das Zusammenleben ist.
Alle Sommer wieder… kommt der Literarische Garten – und mit ihm lesebegeisterte Menschen, die über Bücher sprechen wollen. Sie bringen ihre Lektürefunde mit und lauschen den Empfehlungen der anderen. Die erste diesjährige Runde fand am Mittwoch, den 6. Juli auf dem Balkon der Evangelischen Akademie Thüringen statt, windgeschützt und mitten in der Abendsonne.
Obwohl nie vorher abgesprochen wird, wer welches Buch vorstellt, war die Auswahl wie immer vielseitig: Erich Frieds Gedichtband Am Rand unserer Lebenszeit (1987) war dabei, Fjodor Dostojewskis Novelle Weiße Nächte (1848), Thea Dorns Briefroman Trost. Briefe an Max (2021), Charlotte Woods Roman Ein Wochenende (2019), aus dem Science Fiction-Genre Ursula K. Le Guins Kurzroman Das Wort für Welt ist Wald (1972), das von Mario Markus herausgegebene Werk 222 Juden verändern die Welt (2019) und das Sachbuch Klartext Ernährung (2020) des Autorenduos Petra Bracht & Claus Leitzmann.
Angeregt gesprochen wurde unter anderem, entsprechend der Buchinhalte, über Freundschaft und die Akzeptanz des anderen in seiner Eigenheit (Wood), Trauer- und Verlustbewältigung in Zeiten von Corona (Dorn), die von der Kolonialisierung verursachten irreversiblen Schäden an der einheimischen Bevölkerung (Le Guin), die einflussreichen und weltverändernden Leistungen jüdischer Persönlichkeiten und deren Bekanntheit in der Gesellschaft (Markus) sowie über Dostojewskis romantische Seite und die von ihm dafür eingesetzten Stilmittel. Neben allen großen und kleinen Themen in der literarischen Runde bleibt stets Raum, um sich ein wenig kennenzulernen. Zwei Stunden vergehen dabei wie im Fluge…
Ein Blick auf das derzeitige Logo oben auf unserer Webseite verrät es: Die Evangelische Akademie Thüringen feiert in diesem Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum. Das genaue Datum ist dabei vielleicht gar nicht so einfach zu bestimmen: „Schon 1955 wusste man es nicht mehr so richtig: War die Akademie schon 1946 gegründet worden oder erst 1949? Wenn Oberkirchenrat Gerhard Säuberlich es einmal so und dann anders notierte, dann sei ihm zugutegehalten: Einen offiziellen Gründungsakt gab es nicht“, beschreibt Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich die Schwierigkeiten der Datierung. Fest steht indes, dass der Jenaer Philosoph Gottfried Martin im März 1947 in einem Schreiben an Oberkirchenrat Erich Hertzsch eine thüringenweite Zusammenkunft christlicher Akademiker anregte. Der Landeskirchenrat erklärte darauf, man wolle „eine Rüstzeit für gebildete Gemeindeglieder auf dem Hainstein“ in Eisenach organisieren. Diese Rüstzeit zum Thema „Glauben und Wissenschaft“ vom 2. bis 4. August 1947 kann als Vorläufer-Veranstaltung dessen gelten, was in der Folgezeit die Evangelische Akademie werden sollte. Angetrieben vom Aufbruchsgedanken der Nachkriegszeit und dem Bedürfnis, mit der Schaffung von Diskursräumen etwas Neues aufzubauen, nahm die Akademie ihre Arbeit im Dialog von Kirche und Gesellschaft auf. Dabei sah sie sich stets auch der Frage gegenüber, welche Themen in diesem Dialog behandelt werden und wer für wen Akademiearbeit machen sollte. Erich Hertzsch etwa, der maßgeblich an der Gründung der Akademie beteiligt war, formulierte es noch kurz und bündig: „Das Ziel der ganzen Arbeit ist es, mit wissenschaftlich tätigen und wissenschaftlich interessierten Männern und Frauen der Thüringer evangelischen Kirche ins Gespräch zu kommen.“, so referierte Sibylle Wuttke in ihrem Vortragsteil. Heute, im Jahr 2022, versteht sich die Akademie als „ein Ort protestantischer Diskurskultur: Wir bieten Raum für die Auseinandersetzung mit relevanten Themen und bringen Menschen mit unterschiedlichen Positionen miteinander ins Gespräch. Auf diese Weise gestalten wir die öffentlichen Debatten mit, bringen christliche Perspektiven ein und beziehen Stellung.“
Am vergangenen Wochenende beging die Akademie das 75-jährige Jubiläum mit einem Sommerfest im und rund um das Zinzendorfhaus Neudietendorf. Zum Auftakt diskutierten der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund und Bpb-Präsident Thomas Krüger im Podium über „Freiheit und Verantwortung in einer polarisierten Gesellschaft“. Am Nachmittag überbrachten langjährige Partnerinnen, Wegbegleiter und Freundinnen der Akademie ihre Grußworte zum Jubiläum. Wer die Akademie selbst und das Zinzendorfhaus an diesem Tag etwas besser kennenlernen wollte, war zu Angeboten zum Mitmachen eingeladen. So gab es etwa eine Ortsführung durch Neudietendorf und über den Gottesacker der Brüdergemeine, eine Geländerallye mit Handy oder Tablet und die Möglichkeit, im Traditionskabinett in Zeugnissen aus 75 Jahren Akademiegeschichte zu stöbern. Tanzbegeisterte konnten im Tango-Schnupperkurs einige Runden auf dem Parkett drehen, um sich danach an der abendlichen Cocktailbar zu den Klängen der Musik des Swing-Quartetts „Flèche d’Or“ zu erfrischen. Das Sommerfest endete mit einem sonntäglichen Gottesdienst in der Neudietendorfer Brüderkirche mit einer Predigt von Ilse Junkermann, der ehemaligen Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
„Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“, so steht es im Babylonischen Talmud geschrieben. Auch das Themenjahr zu neun Jahrhunderten jüdischen Lebens in Thüringen hatte eine längere Vorbereitungszeit und wird hoffentlich noch weit in die Zukunft nachwirken – so der Wunsch aller Beteiligten an Planung, Organisation und Durchführung. Gestern jedoch konnte in diesem zeitlichen Prozess eine Zäsur gefeiert werden, denn das eigentliche Themenjahr ist zu Ende gegangen und es galt, Dank zu sagen für das Engagement unterschiedlichster Institutionen und Einzelpersonen. Dazu luden die Präsidentin des Thüringer Landtags Birgit Keller und der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen Bodo Ramelow in den Landtag ein.
Empfangen wurden die Gäste zunächst im Foyer mit Infoständen aus einzelnen Projekten und der Musik von Anna Margonlina’s Jazz, Swing & Yiddish Band. Im Plenarsaal blickten Birgit Keller und Bodo Ramelow in ihren Grußworten noch einmal auf die Beweggründe für das Themenjahr und die nun zu verzeichnenden Ergebnisse zurück. Weit über 300 Angebote habe es im Veranstaltungszeitraum gegeben; viele davon widmeten sich dem Auftrag, jüdisches Leben in seiner Gesamtheit abzubilden, also auch vom „Triumpf des Lebens“ Zeugnis zu leisten und neben den Blickwinkel der Shoa und der damit verbundenen Opferrolle die Lebendigkeit und die herausragenden Errungenschaften jüdischer Mitmenschen, historischer wie zeitgenössischer, zu stellen. So widmete Birgit Keller den Beginn ihrer Rede Eduard Rosenthal, der die erste demokratische Verfassung Thüringens entworfen hat, und Bodo Ramelow verwies auf das weit über Thüringen hinaus bekannte Unternehmen Simson in Suhl.
Anschließend kamen beim von Johannes Gräßer moderierten Podium der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Prof. Dr. Reinhard Schramm, und der Landesrabbiner Thüringens, Alexander Nachama, zu Wort, die aus ihrer Perspektive vom Gelingen des Themenjahrs berichteten. Schramm betonte mehrfach, wie wichtig es für heutige Juden sei, gute Kontakte und Anerkennung in der Gesellschaft zu finden und sich nicht in der eigenen Glaubensgruppe zu isolieren: „Wir wollen unseren Beitrag leisten, aber dafür brauchen wir die Gesellschaft“. Antisemitismus schade nicht nur den Juden, sondern der gesamten demokratischen Gesellschaft. Gerade weil es sich für eine Minderheit schwierig erweise, personell wie finanziell, ein solches Unternehmen wie das Themenjahr zu stemmen, sei er überaus dankbar, was da geleistet wurde in der kurzen Zeit und dass das Projektziel aufgegangen sei: „Wir selber hätten es allein nicht geschafft“.
Die Evangelische Akademie Thüringen war mit mehreren Veranstaltungen am Programm des Themenjahrs beteiligt und in die Vorbereitungen eingebunden. So waren zum Beispiel bei der Litera-Tour in Heilbad Heiligenstadt rund 100 Menschen auf den Spuren Heinrich Heines und der jüdischen Stadtgeschichte unterwegs gewesen. Beim gestrigen Dankesempfang war Studienleitern Dr. Sabine Zubarik anwesend und vertrat die EAT.
Die Wahrheit erkennen – den Weg finden: Unter diesem Motto stand das Friedensgebet der Aktion der Christen zur Abschaffung der Folter (ACAT) am Montag, den 20. Juni, in der Nikolaikirche Leipzig. Diese Kirche, in der nunmehr seit 40 Jahren Friedensgebete stattfinden, sei ein guter Ort zum Einsatz für die Wahrheit, so der gebürtige Vietnamese und Menschenrechtsaktivist Ton-Vinh Trinh-Do.
Akademiedirektor Sebastian Kranich nahm in seiner Predigt unter anderem diesen Gedanken auf. Er erinnerte an den Dichter Václav Havel und das Motto: In der Wahrheit leben. Havel habe in den 1970er Jahren die tägliche Lüge und deren passive Hinnahme als die Grundlage kommunistischer Herrschaft erkannt. Die Diktatur, so Havel, sei undenkbar, wenn jeder Bürger den Mut zur Verweigerung der Lüge aufbrächte. Welche Herausforderung darin aber stecke, zeige der vollständige Titel seiner Schrift: Versuch in der Wahrheit zu leben.
Ins biblische Zentrum dieses Friedensgebetes hatte bereits zu Beginn der ACAT-Vorsitzende Wolfgang Bentrup geführt: Die Wahrheit erkennen – den Weg finden sei als Überschrift gewählt worden, da das Thema aktueller kaum sein könne angesichts des Krieges im Osten Europas und der Propaganda, die den Krieg begleitet und begründen soll, besonders in Russland. „Aber war es nicht schon immer so?“, so Bentrup: „Verunsichert durch Krisen und Veränderungen in der Welt, klammern sich immer mehr Menschen an Vereinfachungen, die auf Verschwörungstheorien und Fake News basieren, welche über Medien oder soziale Netzwerke verbreitet werden.“
Die Wahrheit sei oft schwer zu erkennen. Das sei die Situation, in der sich Pilatus beim Prozess gegen Jesus befand: Was ist Wahrheit? (Joh 18,38). Pilatus habe gewusst, dass das politische Spiel von sich widersprechenden Wahrheiten durchsetzt sei, und er habe bezweifelt, ob es überhaupt eine Wahrheit gebe. Doch Jesus hätte ihm eben bestätigt, dass es die Wahrheit gibt: Mein Königreich gehört nicht dieser Welt an. […]. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Alle, die der Wahrheit angehören, hören auf meine Stimme. (Joh 18,36-37).
Jesus habe sich als Zeuge der Wahrheit bis hin zum Märtyrertod präsentiert. Aber er habe die Frage des Pilatus nicht beantwortet. „Christus setzt sowohl den Weg als auch die Wahrheit und das Leben mit seiner Person gleich. Man findet diesen Weg, indem man Christus nachfolgt. Das haben seine Jünger getan“ – so Bentrup weiter.
ACAT versucht den Weg der Nachfolge zu gehen, indem sich die Menschenrechtsorganisation mit Briefaktionen und Petitionen für Gefangene und Misshandelte einsetzt und für sie betet. So wurde im Leipziger Friedensgebet an den in Vietnam inhaftierten Journalisten Le Huu Minh Tuan und an die in China inhaftierte Journalistin Huang Xueqin erinnert und gebetet, ebenso wie an die misshandelten Menschenrechtsaktivistinnen Sultana Khaya und ihrer Schwester Luara in Marokko/Westsahara und die unter russischer Besatzung gefolterten Menschen in der Ukraine.
Ungefähr 70 Menschen erlebten in der Nikolaikirche Leipzig eine intensive und bewegende Stunde, zu der auch Orgelmusik und gemeinsamer Liedgesang beitrugen. Eine Liedstrophe wurde allerdings nicht gesungen. Zum Abschluss seiner Predigt rezitierte Sebastian Kranich die zweite Strophe von Jesu meine Freude in der Fassung des Liedermachers Gerhard Schöne:
Du warst eingemauert / Du hast überdauert / Lager, Bann und Haft
Bist nicht totzukriegen / Niemand kann besiegen / Deiner Liebe Kraft
Wer dich foltert und erschlägt / Hofft auf deinen Tod vergebens / Samenkorn des Lebens