Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: Wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
Soweit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.
Joseph von Eichendorff (1788-1857), Ostern
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht Ihnen ein gesegnetes Osterfest und schöne Frühlingstage!
Was ist eine gute Entscheidung? Und wie kommt sie zustande? Beim 5. Jugendpolitischen Workshop des Jugendpolitischen Teams des Bundes der Ev. Jugend in Mitteldeutschland (bejm) ging es um diese Fragen. Traditionell am ersten Wochenende der Osterferien treffen sich die Engagierten aus der Ev. Jugend, um sich fortzubilden, sich gegenseitig zu stärken und gemeinsam zu planen, wie und wo sie sich jugendpolitisch einbringen möchten. Erstmals fand der Workshop in diesem Jahr auf Schloss Mansfeld in Sachsen-Anhalt statt.
Anlass für das diesjährige Thema, „Wer die Qual hat, hat die Wahl“, waren die vielen anstehenden Wahlen. Es ging unter anderem darum, was eine gute Entscheidung ist. Dabei brachte Christopher Dehn vom CVJM Sachsen-Anhalt das Prinzip des Inneren Opas, bzw. der Inneren Oma ein. Um eine gute Entscheidung zu treffen, befragt man danach das vorgestellte eigene Selbst im Seniorenalter. Es gehe um eine „selbstfürsorgliche Zukunft“, erklärte Dehn.
Da gute Entscheidungen nicht nur in Auseinandersetzung mit sich selbst oder mit den inneren Großeltern getroffen werden, sondern in sozialen Kontexten entstehen, waren Gesprächstechniken für gute Argumentationen und das Erkennen von Manipulationen weitere Programmpunkte. Finn Dauke aus der Ev. Jugend in Weimar erklärte in seinem Input, dass u.a. Suggestivfragen, Scheinkausalitäten oder wenn jemand von „Wir“ spricht, wenn er besser „Ich“ sagen sollte, zu den häufigsten Manipulationstechniken gehören, die Menschen bewusst oder unbewusst einsetzen, um andere in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken.
Zum Abschluss wurde die weitere Zusammenarbeit des Jugendpolitischen Teams und die Beteiligung am Ev. Jugendfestival im Juni in Volkenroda vorbereitet. Hier wird ein Gesprächsformat mit Politiker:innen gestaltet werden, in dem es direkt vor der Europawahl über demokratisches Miteinander und das Verhältnis von Mehr- und Minderheiten gehen wird.
Bildserie zur 10. Jubiläumsausgabe der Thüringer Arbeitszeitkonferenz. Eröffnung durch Julia Langhammer (DGB) und Frank Fehlberg (EKM). Foto: EAT
Einer der Impulsvorträge: Wie kann Sorgearbeit gerecht unter den Geschlechtern aufgeteilt werden? Friederike Theile, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Thüringen. Foto: EAT
In kleinen Runden konnten die Teilnehmenden den eingeladenen Politiker*innen im direkten Austausch gegenübertreten. Hier: Thadäus König (CDU), MdL. Foto: EAT
Arbeitszeitkonferenz-Urgestein und Mitorganisator Bernd Spitzbarth (IG Metall Nordhausen, an der Tafel) im Gespräch mit Diana Lehmann (SPD), MdL (rechts, stehend). Foto: EAT
Die offene Atmosphäre der Tischrunden kam gut an. Im Gespräch war auch Ann-Sophie Bohm (rechts), Landessprecherin Bündnis 90/Die Grünen. Foto: EAT
Jubiläen wecken oftmals den Eindruck der althergebrachten Selbstverständlichkeit. In vielen Fällen werden sie genau auf diese Wirkung hin demonstrativ und symbolträchtig inszeniert. Bei der 10. Thüringer Arbeitszeitkonferenz am 21. und 22. März 2024 ging es jedoch weniger pompös zu, als vielmehr fokussiert und betriebsam. Von einer Zufriedenheit mit Erreichtem und einem verdienten Ausruhen war im 30. Jahr des Bestehens des deutschen Arbeitszeitgesetzes – ein weiteres Jubiläum – nichts zu spüren. Es gibt viel zu tun.
Streikrecht einschränken, Feiertage streichen – Ist das „Aufwertung“ der Arbeit?
Frank Fehlberg, Studienleiter für Arbeit und Wirtschaft an der Evangelischen Akademie Thüringen und Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, machte zur Eröffnung mit einem Zitat aus der Geschichte der Arbeitszeitpolitik noch einmal darauf aufmerksam, dass Auseinandersetzungen um die Arbeitszeit nicht nur individuelle Grundbedürfnisse berühren, sondern Kernfragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts sind.
„Der Kampf um die 35-Stunden-Woche ist daher weit mehr als ein nur ökonomischer Kampf. Er ist ein Kampf um die Veränderung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.“ Franz Steinkühler 1983, IG Metall-Vorsitzender 1986-1993, „Vater der 35-Stunden-Woche“
Wer etwa den Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche im Konflikt zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) als „übertrieben“ einschätze, solle sich die Entwicklung der DB seit ihrer Wandlung vom Staatsbetrieb mit Gemeinwohlverantwortung zum privatwirtschaftlichen Konzernbetrieb mit Gewinnorientierung anschauen. Die Nachteile, die diese sozial und wirtschaftlich zentrale Infrastruktur und ihr Betriebspersonal dadurch erlitten hätten, seien „Legende“. Die langmütige Selbstironie von DB-Mitarbeitenden sei „betriebliche Übung“ geworden.
30 Jahre Arbeitszeitgesetz und Abschaffung Buß- und Bettag
Das Arbeitszeitgesetz war 1994 in Folge einer Europäischen Richtlinie erlassen worden. In dieser hieß es 1993: „Die Verbesserung von Sicherheit, Arbeitshygiene und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeit stellen Zielsetzungen dar, die keinen rein wirtschaftlichen Überlegungen untergeordnet werden dürfen.“
1994, also im selben Jahr des Inkrafttretens des Arbeitszeitgesetzes, wurde auch beschlossen, den Buß- und Bettag für die Finanzierung der Pflegeversicherung zu streichen. Das „Bußtagsopfer“ der „kleinen Leute“ in Form von Mehrarbeit hatte keinen nachhaltigen Finanzierungseinfluss. Aber die Idee der Umwandlung von Ruhe- in Werktage lebt nach wie vor fort und sie wird wieder aufgewärmt. Etwa 45 Tagungsteilnehmende waren sich weitgehend einig, dass Errungenschaften im Arbeitszeitrecht nicht ohne erneute Anstrengungen zu halten oder bei hoher gesamtwirtschaftlicher Produktivität auszubauen sind.
Den Mammon nicht besänftigt: Sind neue „Bußtagsopfer“ nötig?
Der Ökonom Guntram Wolff forderte Ende 2023 im Handelsblatt zur Einstimmung auf das Superwahljahr 2024 konkret die Abschaffung weiterer zwei Feiertage, um eine „strukturelle Lücke“ in den Staatsausgaben zu füllen. Die auf sozialer und ökonomischer Betriebsblindheit basierende „Schuldenbremse“ im Grundgesetz ließ er angesichts des nötigen strategischen Wirtschaftswandels nahezu unhinterfragt stehen. Dabei wirkt sie als eine verheerende Investitions- und Handlungsbremse des Staates und ist zugleich der Beschleuniger von privaten Großinteressen auf den „neuen Märkten“ der sozial-ökologischen Transformation.
Mehr Zeitwohlstand: Gelebte Demokratie setzt Lebensperspektiven voraus
Die Atmosphäre auf der 10. Arbeitszeitkonferenz fiel angesichts des zunehmend gegenläufigen Arbeitszeitdiskurses insgesamt kämpferisch aus: Eine Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen darf nicht einseitig zu Lasten des arbeitenden Rückgrats der Gesellschaft erfolgen – einschließlich der (familiären) Sorge- und Gemeinschaftsarbeit sowie des ehrenamtlichen Engagements einer zunehmend als sozialpolitische Lückenbüßerin vorgeschobenen Zivilgesellschaft! Wer die Lebensperspektiven dieser Mehrheit dem (Arbeits-)Markt überlässt, erweist der Verteidigung der gelebten Demokratie einen Bärendienst.
Das Jubiläums-Fazit des Studienleiters Frank Fehlberg: Wohlstand heißt nicht primär „Steigerung des Bruttosozialprodukts“. Wohlstand bedeutet, viel Zeit als Mensch für Menschen zu haben.
Eine Tradition des Ev. Zentrums Zinzendorfhaus ist das Filmfrühstück: Das Medienzentrum der EKM präsentiert hier in einer verlängerten Frühstückspause Filme aus dem Bestand zu einem aktuellen Thema. Am 20.03.2024 fand es bereits zum 47. Mal statt, nur diesmal mit einer kleinen Änderung. Diesmal habe ich (FSJlerin Annemarie) das Filmfrühstück organsiert und daraus mein FSJ-Projekt gemacht.
Das Thema lautete „Essstörung“. Ich habe mich bewusst für dieses etwas schwierige Thema entschieden, um meinen Mitmenschen dieses Thema etwas näher zu bringen. Zum Einstieg lief der Film „Reflejo“, ein animierter Kurzfilm, der ein kleines Mädchen zeigt, das nicht zufrieden mit sich selbst ist. Danach folgte der Film „90%“. In diesem Kurzfilm geht es um einen jungen Mann, der es anfangs schwer mit dem Essen hat, doch dann auf jemanden trifft, die ihn seine Sorgen für einen Moment vergessen lässt. Und abschließend habe ich den Film „Lilly“ vorgeführt, der die Auswirkungen schlechter Mitmenschen deutlich macht. Es nahmen 22 Personen aus dem Evangelischen Zentrum Zinzendorfhaus Neudietendorf teil.
Am 15. März lag das fiktive Örtchen Allersleben mal direkt auf der thüringisch-hessischen Grenze. Im Rahmen einer Fortbildung der Point Alpha Stiftung im Haus auf der Grenze zum Thema „Jung sein in Ost und West“ stand die Vorstellung der Methode „Allersleben. Ein Biografiespiel zum Aufwachsen in der DDR“ auf dem Programm. Das Spiel wurde in den vergangenen zwei Jahren an der Akademie in Zusammenarbeit mit dem Institut Spawnpoint aus Erfurt entwickelt. Gemeinsam mit Geschichtslehrer:innen und Interessierten aus Hessen und Thüringen wurde gespielt und über die Methode diskutiert.
„So laut gelacht wurde in diesem Seminarraum noch nie“, erklärte eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte Point Alpha zum Abschluss. Aber darf man das? Lachen über das Aufwachsen in der Diktatur? Auf jeden Fall, fanden die Teilnehmenden. Denn wenn junge Menschen sich intensiv mit DDR-Geschichte beschäftigen sollen, die ihnen oft sehr weit entfernt von der eigenen Lebenswelt erscheint, ist es ohne Spaß kaum möglich, sie zu motivieren. Außerdem gibt es einen großen Unterschied zwischen einer spielerischen Auseinandersetzung, die Freude bereitet, und Auslachen. So finden sich in jeder neuen Spielrunde Anlässe für Gelächter und für eine ernsthafte Auseinandersetzung damit, wie das Leben in der Diktatur tiefgreifenden Einfluss auf die Biografien der Menschen hatte.
Claudia Brand, Leiterin des Medienzentrums der EKM, eröffnete den Augustinerfilmabend. Foto: (c) Zubarik/EAT
Das anschließende Gespräch über den Film begleiteten Christine Mosbach und Marcus Sternberg vom Thüringer Hospiz- und Palliativverband. Foto: (c) Zubarik/EAT
Erstaunlich viel Publikum war, angesichts des nicht leicht verdaulichen Themas, zum Augustinerfilmabend am 11. März im Luthersaal des Augustinerklosters zu Erfurt zusammengekommen. Diesmal ging es um die Chronik einer Krebserkrankung, die vom Zeitpunkt der Diagnose bis zum Moment des Sterbens aus der Perspektive der betroffenen Familie nachverfolgt wird.
Der mehrfach ausgezeichnete Film „Halt auf freier Strecke“ von 2011 unter der Regie von Andreas Dresen ist ein Spielfilm, der aufgrund der äußerst authentischen Spielweise, der Auswahl der Darsteller:innen und des offenen Drehbuchs mit vorab kaum festgelegten Dialogen nicht auf dramatische Schockmomente oder romantisierende Erzählung setzt, sondern vielmehr dokumentarischen Charakter hat, ohne faktenüberladen zu wirken. Quasi hautnah bekommt man das emotionale Auf und Ab der Krankheitsbewältigung und die Auswirkungen auf den Familienalltag des Ehepaars und der beiden Kinder mit. Die großen Fragen bleiben dabei nicht außen vor: Wie sagt man es den Kindern, dass der Vater sterben wird, wie den eigenen Eltern? Muss man sich als Angehöriger zusammenreißen oder darf man die eigene Traurigkeit und Wut zeigen?
Beim anschließenden Gespräch ging es zunächst um Aspekte des Films, die die Zuschauenden besonders berührt haben oder mit denen sie persönliche Erfahrungen verbinden konnten. Angesprochen wurde unter anderem die Eingangsszene, in der das Ehepaar vom Arzt die Diagnose des inoperablen Gehirntumors erklärt bekommt, sowie spätere Momente, in denen die Betroffenen von medizinischen, therapeutischen und seelsorgerlichen Fachkräften mal besser, mal schlechter aufgefangen werden. Aber auch die Ermöglichung der häuslichen Pflege und der Sterbebegleitung zu Hause blieb dem Publikum sehr eindrücklich in Erinnerung.
Christine Mosbach und Marcus Sternberg vom Thüringer Hospiz- und Palliativverband, die der Einladung als Gesprächspartner für diesen Augustinerfilmabend gefolgt waren, betonten die Wichtigkeit der Authentizität im Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden, gerade angesichts der eigenen Hilflosigkeit und Überforderung. Zu sagen, dass einem die Worte fehlen, kann für die zwischenmenschliche Beziehung wertvoller sein als eine gutgemeinte Floskel oder zur Schau gestellte Stärke.
Die Veranstaltungsreihe Augustinerfilm ist eine Kooperation des Medienzentrums der EKM, des Augustinerklosters zu Erfurt und der Evangelischen Akademie Thüringen. Der nächste Termin findet am 18. November statt.