Evangelische Akademie Thüringen

Veranstaltungen 2013

13. November 2013
Stadtteilzentrum Wolke 14, Sonneberg

„Du bist doch ‘n Mädchen?!“

Chancen und Grenzen für Frauen in der Arbeit mit Jungen

Sie sind laut, voller Unruhe, aggressiv, waghalsig, oft kaum erreichbar.
Wer kennt sie nicht (auch) so, die Jungen und jungen Männer, mit denen wir tagtäglich arbeiten!? Für Frauen ist dieses Verhalten oft ebenso nervig wie unverständlich. „Müssen Jungs eigentlich immer so sein?“, stöhnen manche. Das erzieherische Fachpersonal ist in Thüringen zu über 90 Prozent weiblich, vor allem auch im personell schwach besetzten ländlichen Raum.
Frauen sind für Jungen ganz selbstverständlich Begleiterinnen, Vorbild, Ansprechpartnerinnen und Reibungsfläche. In jeder pädagogischen Arbeit ist die Kategorie „Geschlecht“ aber auch dann vorhanden, wenn sie in der Situation nicht thematisiert wird. Für Frauen spielt ihr Geschlecht eine doppelte Rolle: Sie sind selbst nie ein Junge gewesen und können damit das Tun der Jungen nicht vor dem Hintergrund ihrer eigenen (Selbst-)Erfahrungen als Junge reflektieren und damit ggf. auch relativieren. Zum anderen werden sie von den Jungen schnell als negative Identifikationsmodelle begriffen, und zwar in Bezug auf die eigene Geschlechtersozialisation: Wenn männlich nicht weiblich ist, darf ich nicht so sein, wie Mädchen sind.
Ziel des Fachtages ist es, über diese doppelte Herausforderung von Frauen in der Arbeit mit Jungen ins Gespräch zu kommen. Wie ist das Verhalten der Jungen zu verstehen und zu akzeptieren? Wie lässt sich als Frau in wertvoller Weise mit Jungen umgehen?

Jürgen Reifarth
Matthias Scheibe

Programm

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Mittwoch, 13. November 2013


8.30 Uhr    
Ankunft, Stehcafé

9.00 Uhr    
Eröffnung, Begrüßung
Matthias Scheibe, Jürgen Reifarth
Grußwort von Christine Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg

9.30 Uhr   
„Die Jungen“. Wie viel Vielfalt verdeckt die beschworene Gleichheit?
Matthias Scheibe M.A., Sozialwissenschaftler und Jungenarbeiter, Sonneberg

10.15 Uhr    
Pause

10.30 Uhr   
Keine Angst vor den Jungs. Frauen in der Arbeit mit Jungen
Dr. phil. Claudia Wallner, Dipl.-Pädagogin, freiberufl. Referentin, Autorin, Praxisforscherin zu Genderthemen in Bildung und Kinder- und Jugendhilfe, Münster

11.15 Uhr   
Was Jungen von Frauen (nicht) wissen wollen
Prof. Dr. Ralf Bohrhardt, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule Coburg

12.00 Uhr    
Mittagessen

13.00 Uhr    
Fünf Workshops (zur Auswahl)

Welche Bilder (ver)leiten uns?
Matthias Scheibe M.A., Sonneberg
An wen denken Sie, wenn Sie an Jungen denken? An einen Jungen aus Film und Fernsehen, aus Ihrer Familie oder Ihrer eigenen Kindheit? Egal welches Bild Sie im Kopf haben, es bestimmt Ihren Blick auf den Jungen vor Ihnen. In diesem Workshop werden wir Ihre individuellen Jungenbilder herausarbeiten und deren Bedeutung für Ihren Arbeitsalltag beleuchten.

Keine Angst vor den Jungs. Frauen in der Arbeit mit Jungen
Dr. phil. Claudia Wallner, Münster
Vertiefend zum Vortrag wird im Workshop der Frage nachgegangen, was Frauen Jungen in der Jugendarbeit bieten können und wo Grenzen liegen. Was bringen Sie mit, was erwarten Jungen von Ihnen und wie kann eine jungengerechte Praxis gelingen?

Was Jungen von Frauen (nicht) wissen wollen
Prof. Dr. Ralf Bohrhardt, Coburg;
Aufbauend auf dem Vortrag erhalten die Teilnehmerinnen nun einen praktischen Einblick in den potenziellen Fragekatalog der Jungen. Immer mit Rücksicht auf ein Grunddilemma der männlichen Jugendlichen: Was kann/ darf das „Mädchen“ alles wissen?

100 % Reibung. In Jungengruppen meine Frau stehen
Dipl. Soz.-Päd. Katrin Boller, Jugendarbeit, Sonneberg
In diesem Workshop werden Sie aktiv in die Lebenswelt der Jungen eintauchen. Sie spüren in der Erprobung von Methoden am eigenen Körper den Reiz des Wettbewerbes und setzen sich anschließend mit ihren Erlebnissen kritisch auseinander.

In Kontakt. Arbeit mit Jungen als Beziehungsarbeit
Jürgen Reifarth, Studienleiter politische Jugendbildung / Jungenarbeiter, Neudietendorf
Jungen erleben Frauen als Beziehungspersonen mit ihren Stärken, Schwächen und Grenzen – und sie machen es auf ihre Weise zum Thema: durch Engagement, Offenheit, Anpassen, Rüpeleien, Langeweile oder Stören. Ein Workshop zu (pädagogischen) Haltungen und zu Methoden, um mit Jungen in Kontakt zu gehen.

14.30 Uhr    
Kaffeepause

16.00 Uhr    
Abschlussrunde und Verabschiedung

16.30 Uhr     Ende, informelle Gespräche