Evangelische Akademie Thüringen

Veranstaltungen 2007

31. Oktober 2007
Kleine Synagoge, Erfurt

Charakterpanzer und sexuelle Revolution

Dr. Hans-Joachim Maaz zum Wilhelm-Reich-Jahr 2007

Wilhelm Reich, Psychoanalytiker, Schüler von Sigmund Freud, Wissenschaftler, Humanist und Mahner gegen Krieg, Machtmissbrauch, Hass undmenschliche Dummheit, wurde 1897, vor 110 Jahren, in Dobzau / Galizien geboren. Er starb am 3. November 1957 inLewisburg / USA, in einem Gefängnis, während einer zweijährigen Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts.

Vor seinem Tod verfügte Reich, das sein schriftlicher Nachlass erst 50Jahre nach seinem Ableben der Nachwelt zur Verfügung gestellt wird.

Reich warals Arzt und Psychotherapeut unumstrittener Begründer körpertherapeutischerVerfahren, er ist der Wegbereiter zm Beispiel der Bioenergetik; als Wissenschaftler war er heftig umstrittener Erforscher etwa einer biophysikalischen Energieform, die er Orgon nannte.

In seinen Schriften untersuchte er u.a. die Entstehungsbedingungen und Strukturen des Nationalsozialismus und totalitärer Systeme überhaupt (Massenpsychologie des Faschismus, 1933).

Er beschrieb sie Folgen des menschlichen "Charakterpanzers", der muskulären Panzerung und seelische Verhärtung und Verkrümmung aufgrund frühkindlicher Störungen. Ziel der Therapie sollte die Erlangung der vollen orgiastischen Potenz sein.  Da dieses Ziel dem Einzelnen jedoch nur schwer erreichbar sei, setzte er konsequent auf Prophylaxe; er gründete beispielsweise 1931 den Deutschen Reichsverband für Proletarische Sexualpolitik.

In späteren Jahren im Exil in den USA forschte er vor allem zur Krebsbehandlung. In diesem Zusammenhang steht auch seine Entdeckung des "Orgons".

Der Hallenser Psychotherapeut und Autor Dr. Hans-Joachim Maaz reflektiert darüber, welche Erkenntnisse Reichs heute noch aktuell sind und setzt sie in Bezug zu seinen eigenen therapeutischen Erfahrungen und Haltungen.

H.-J. Maaz wurde bekannt mit dem nach der Wende erschienenen "Gefühlsstau. Ein Psychogramm der DDR". Seine jüngstes Buch heißt "Die Liebesfalle. Spielregeln für eine neue Beziehungskultur" (Beck, 2007)

Programm

Beginn 19.30 Uhr