Evangelische Akademie Thüringen

Veranstaltungen 2012

31. Oktober 2012
Jakobskirche, Weimar

Zeitsignale am Reformationstag

Das schwierige Erbe der Reformation. Herausforderungen und Chancen der Lutherdekade.

Es ist erklärtes Ziel der Lutherdekade, der Reformation nicht nur zu gedenken, sondern ihre bleibende Bedeutung für die gegenwärtige Kultur und Gesellschaft vermitteln. Was aber ist das Erbe der Reformation, das für heute relevant ist? Der Göttinger Reformationshistoriker Thomas Kaufmann hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Vergegenwärtigung der Reformation durchaus nicht ohne Probleme ist. Und dabei ist nicht nur an inhaltlich problematische Positionen Luthers – etwas gegenüber dem Judentum, den Täufern, den Bauern und den Türken – zu denken. Viele der als positiv angesehenen Auswirkungen auf die heutige Kultur und Gesellschaft (Beginn der Neuzeit, moderner Staat, Demokratie, Volkssprache) sind vielfach erst durch die Umformung des Protestantismus vor allem im 19. Jahrhundert entstanden und durch Traditionskonstruktionen der protestantischen Geschichts¬schreibung als Ursprungsmythos der Reformation zugeschrieben worden. Der Kern der Reformation selbst bleibt gegen das Papsttum und die römische Kirche gerichtet – und wirkt im Kontext gegenwärtiger ökumenischer Bemühungen eher sperrig. Was kann also redlicher Weise Inhalt des Reformationsgedenkens in der Lutherdekade sein? Und welche Themen der Reformation können noch für die Gegenwart entdeckt werden?

Tagungsleitung